Serverprobleme beim Homeschooling, iServe und Moodle down: Eltern müssen improvisieren

Homeschooling

Die Lern-Plattformen Moodle und iServ waren am Morgen teilweise unerreichbar, überlastete Server könnten ein Grund sein. Auf Twitter machen Eltern ihrem Ärger Luft.

Hannover

11.01.2021, 14:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Zwölfjährige Gymnasiast Julius löst am Computer in seinem Zuhause seine Schulaufgaben, die ihm seine Lehrer für jeden Tag über den Schulserver geschickt haben - wo läuft es in der Theorie. Doch die Server waren zum Schulstart dermaßen überlastet, dass Unterricht kaum möglich war.

Der Zwölfjährige Gymnasiast Julius löst am Computer in seinem Zuhause seine Schulaufgaben, die ihm seine Lehrer für jeden Tag über den Schulserver geschickt haben - wo läuft es in der Theorie. Doch die Server waren zum Schulstart dermaßen überlastet, dass Unterricht kaum möglich war. © picture alliance/dpa

In den meisten Bundesländern hat am Montag der Schulunterricht wieder angefangen. Da der Präsenzunterricht aufgrund der Corona-Pandemie aber vielerorts noch immer ausgesetzt ist, mussten sich Eltern wieder auf Homeschooling einstellen. Allerdings gab es gleich zu Beginn massive Serverprobleme. So kam es unter anderem in Baden-Württemberg und Teilen Hessens und NRWs zu Problemen mit der Lernplattform Moodle, wie das Portal „Netzwelt.de“ berichtet. Auch die Plattform iServ sei in nahezu allen Bundesländern gestört.

Eltern aus Baden-Württemberg wurden per Mail bereits informiert, dass sich die Störung, vor allem in den Spitzenzeiten, fortsetzen könnte, wie Twitter-User posteten.

Eltern sind wütend

Auch andere User ärgerten sich via Kurznachrichtendienst Twitter über die Störungen. „Kann es denn wirklich sein, dass es seit März keiner hinbekommen hat, eine funktionierende digitale Infrastruktur aufzubauen?“ fragt eine Userin. Eine verzweifelte Mutter fasst ihren Morgen folgendermaßen zusammen: „Sämtliche Schulserver, Lern-Apps und Online-Treffpunkte sind abgestürzt. Habe die Kinder gebeten, ihre Aufgaben mit Papier und Stift zu erledigen. Ich würde die darauf folgenden Szenen mit kriegsähnlichen Zuständen vergleichen.“

Andere Eltern nahmen den Totalausfall der Netzwerke hingegen mit Humor und hatten kreative Lösungen parat. „Homeschooling ist, wenn Eltern improvisieren. ‚Server down bedeutet, dass du als erstes dein Zimmer aufräumen sollst!‘“, stellte eine Mutter klar. Andere Kinder, die auf ihre Lehrerin warteten, wussten sich die Zeit ebenfalls zu vertreiben, berichtet ein Großvater: „Tag 1 im #Homeschooling: Enkel1 hätte um 8 Uhr Religion (#Onlineunterricht) gehabt. Lehrerin nicht aufgetaucht. Jetzt spielen 30 Kinder online, wer am lautesten rülpsen kann...“.

Unklar, woher die Probleme rühren

Gegen Mittag war Moodle größtenteils wieder zu erreichen. Auch die Störungsmeldungen für iServ wurden ab 11 Uhr weniger. Zum Jahresanfang gab es bereits ähnliche Probleme mit Moodle in Rheinland-Pfalz. Die Landesregierung nannte hier Hackerangriffe als Ursache. Ob im aktuellen Fall auch Hacker am Werk waren oder die Server schlicht überlastet sind, ist noch unklar.

Nach Beschwerden über Störungen bei Moodle in NRW, waren Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) nach ihren eigenen Worten zunächst keine entsprechenden Probleme beim Moodle-basierten System „Logineo“ bekannt.

Jetzt lesen

Es gebe noch keine entsprechenden Rückmeldungen, sagte Gebauer am Montag im Schulausschuss, nachdem die SPD vorher die Nachrichten über Störungen bei Moodle thematisiert hatte. Bundesweit habe es in der Vergangenheit immer wieder Probleme gegeben, so Gebauer. Bis dato gebe es aber keine Rückmeldungen, dass größere Probleme mit Moodle in NRW aufgetreten seien. Viele Schulen hätten aber auch andere Systeme, auf die das Ministerium keinen Einfluss habe.

Schulöffnung - ja oder nein?

Während sich Eltern mit Homeschooling herumschlagen müssen, wird auch das Öffnen von Schulen stark angezweifelt. So stößt die teilweise Öffnung der Schulen in Niedersachsen ab Jahrgang 6 beim Bundeskanzleramt auf Kritik. „Die vorzeitige Schulöffnung ist sehr eindeutig gegen den Geist der Beschlüsse von Bund und Ländern“, sagte der Staatsminister im Kanzleramt, Hendrik Hoppenstedt, der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. „Die Schule ist ein normaler Infektionsort. Es gibt keine Erkenntnisse, dass es in den Schulen besser ist als im Rest der Gesellschaft“, so Hoppenstedt.

RND

Lesen Sie jetzt