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Neue Ära für die alte Burg Botzlar

Historisches Gebäude wird Treffpunkt

Im Gewölbekeller steht ein Schlagzeug. Den Weg ins Dachgeschoss versperren Kartons. Und in den zwei Etagen dazwischen hat sich die Politik ausgebreitet. Bevor Bauarbeiter eines der ältesten Gebäude der Stadt in den nächsten zwei Jahren zu einem öffentlichen Treff umbauen, haben wir uns dort mit der 360-Grad-Kamera umgeschaut.

Selm

, 01.06.2018
Neue Ära für die alte Burg Botzlar

© Foto: Sylvia vom Hofe

Der Abschied von der Burg, wie man sie kennt, ist greifbar nahe – zumindest für die Vorstandsmitglieder der Bürgerstiftung. Vorsitzender Gerd Stenner hat einen Brief vor sich liegen, den er bereits den Anwohnern des Burggeländes zugeschickt hat.

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Keller der Burg #theta360 #theta360de - Spherical Image - RICOH THETA
An alle anderen Bürger richte sich das Schreiben aber ebenfalls, sagt er: eine Einladung zum Abschiedsfest am Sonntag, 10. Juni, 11 bis 14 Uhr. „Die letzte Möglichkeit, sich von dem denkmalgeschützten Gebäude in seinem heutigen Zustand zu verabschieden“, so Stenner. Denn ab Juli 2018 schließen die Burgtüren bis Mai 2020: Zeit für umfangreiche Umbau- und Erweiterungsarbeiten an einem der ältesten Gebäude der Stadt. Kosten: 3,5 Millionen Euro.

Erstes Fraktions Zimmer #theta360 #theta360de - Spherical Image - RICOH THETA

Hinzu kommen weitere rund 800.000 Euro für die Umgestaltung des ehemals von breiten Gräften geprägten Grundstücks. 80 Prozent trägt das Land, zehn Prozent die Stadt, der Rest die Bürgerstiftung.

Zur Bürgerburg

Mit dem Geld soll aus der jetzigen Burg eine Bürgerburg werden. Was das bedeutet, sagt Vorstandsmitglied Michael Reckers: „Wirklich jeder Bürger, der möchte, soll das Gebäude nutzen können“: egal, ob es sich um Privatleute handelt, die eine Feier ausrichten möchten, um Vereine, die sich versammeln, um Orchester, die proben, um Jugendliche, die sich treffen, um Kulturinteressierte, die eine Lesung besuchen, um Politiker, die Selms Geschicke steuern oder um Touristen, die sich über die Sehenswürdigkeiten informieren wollen.

Zweites Fraktions Zimmer #theta360 #theta360de - Spherical Image - RICOH THETA
Die Bürgerstiftung hatte 2013 Dank einer Spende des Selmer Unternehmers und Ehrenbürgers Norbert Rethmann (Remondis) die Burg Botzlar für 600.000 Euro von der Stadt gekauft. Bereits damals gab es Umbaupläne.

Drittes Fraktions Zimmer #theta360 #theta360de - Spherical Image - RICOH THETA

Dass sich die Umsetzung um etwa fünf Jahre verzögerte, habe mit veränderten Fördertöpfen des Landes zu tun, aber auch mit den schwierigen Verhandlungen mit dem Denkmalschutz, so Reckers. „Jetzt ist aber alles geklärt“: der barrierefreie Zugang vorne, der moderne, klar durch einen Glasriegel von der Burg getrennte Anbau hinten mit „doch nicht ganz so dunklen Klinkern, wie ursprünglich geplant“. In ihm hat Architekt Reinhard Angelis aus Köln unter anderem WC-Anlagen und Aufzug untergebracht, „damit wir in der eigentlichen Burg mehr Platz haben“.

Platz für die Bauarbeiter und Archäologen, die im Juli einziehen, müssen die bisherigen Nutzer aber erst noch machen. Die Kommunalpolitiker sind etwa aufgefordert, die Schränke in ihren Fraktionszimmern auszuräumen. Und städtische Mitarbeiter werden das als Abstellraum genutzte Obergeschoss entrümpeln – am besten schon, bevor sich die Bürger am 10. Juni von ihrer Burg für zwei Jahre verabschieden.

Ratssaal im Obergeschoss #theta360 #theta360de - Spherical Image - RICOH THETA

Treppe zum zweiten zur Zeit nicht genutzten Geschoss #theta360 #theta360de - Spherical Image - RICOH THETA

Kurze Burggeschichte - Die Geschichte der Wehranlage Botzlar könnte rund 900 Jahre zurückreichen. Nachdem Gottfried von Cappenberg 1122 seine Burg zum Kloster umgewandelt hatte, brauchte die Region eine neue Verteidigungsanlage: Burg Botzlar. - Verlässliche Aufzeichnungen über den Rittersitz Botzlar stammen erst aus dem 13. Jahrhundert, der zugleich Gerichtsort war. Im 16. Jahrhundert nahm die Bedeutung der Burg als Verteidigungsanlage ab. - Um 1800 wurde das Hauptgebäude in seiner heutigen Form auf dem Fundament der ursprünglichen Burg errichtet. - Im 19. Jahrhundert zog eine Landbauschule ein, zur Nazi-Zeit eine Schule der NS-Frauenschaft, von 1940 bis 1967 die Siedlungsverwaltung der Hermann-Siedlung. - 1976 erwirbt Selm die Burg. Wirtschaftsgebäude werden abgerissen und Gräften zugeschüttet. - Seit 1982 ist sie Rats- und Bürgerzentrum.
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