Sehbehinderte BVB-Fans spenden für die Dortmunder Tafel - „Auch wir können helfen“

dzBVB-Fanclub Blind Date

Mehrere hundert Euro für den guten Zweck - der BVB-Fanclub Blind Date hat Spenden für die Dortmunder Tafel gesammelt. Mit dem Geld werden Kinder und Jugendliche künstlerisch gefördert.

von Anika Hinz

Borsigplatz

, 17.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Unbeschwert und locker wirkt es, als Daniela Schmidt ihren Pinsel in den Farbeimer taucht und den blauen Container links neben dem Eingang der Dortmunder Tafel bemalt. Nur kaum merkt man, dass die quirlige und fröhliche Frau eine Sehbehinderung hat. „Ich lasse mich von meiner Erkrankung nicht unterkriegen. Ich möchte selbst malen und einfach noch mal Kind sein“, sagt sie. Schmidt ist auf einem Auge blind, hat auf dem anderen noch fünf Prozent Sehkraft und ist Vorsitzende des BVB-Fanclubs Blind Date, der ausschließlich blinde und sehbehinderte Mitglieder aufnimmt.

Sehbehinderte BVB-Fans spenden für die Dortmunder Tafel - „Auch wir können helfen“

Daniela Schmidt und ihr Ehemann Jürgen bemalen begeistert den Container. © Anika Hinz

Schon länger engagiert sich der Fanclub sozial und unterstützt zum Beispiel die Neven-Subotic-Stiftung. Doch den Mitgliedern fehlte zunehmend der lokale Bezug. „An sich ist die Stiftung eine gute Sache, doch wir hatten das Bedürfnis, vor der Haustür zu helfen“, sagt Daniela Schmidt. Sie hat daraufhin mit den anderen Mitgliedern darüber abgestimmt, wohin künftige Spendengelder gehen sollen. Die Wahl fiel auf die Kinder- und Jugendhilfe der Dortmunder Tafel.

Spendenaktion ist gelebte Inklusion

Den Mitgliedern von Blind Date geht es neben der Hilfe für sozial Benachteiligte auch darum, zu zeigen, dass man sich mit einer Sehbehinderung nicht unterkriegen lassen sollte. Deshalb haben sie am Dienstagmittag (16. April) auch tatkräftig beim Kunstprojekt mitgeholfen. Mit bunten Farben in den Händen bemalten sie gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen die Seiten des blauen Containers auf der Wiese neben der Dortmunder Tafel. Ganz nach der Vorlage von Künstlerin Almut Rybarsch-Tarry, die die Gestaltung des Containers im Voraus plante.

Sehbehinderte BVB-Fans spenden für die Dortmunder Tafel - „Auch wir können helfen“

Vereinsmitglied Conny Dietz versucht sich an den Details. © Anika Hinz

„Vor rund zehn Jahren haben wir die Wand neben der Tafel gemeinsam mit der Dortmunder Lebenshilfe bemalt. Seit der Container dort steht, hat man von den bunten Farben aber kaum noch etwas gesehen“, sagt sie. Das will sie nun ändern und gestaltet den Metallkasten gemeinsam mit der Kinder- und Jugendhilfe um. Die jungen Menschen sollen auf diese Weise an künstlerische Tätigkeiten herangeführt werden.

Starthilfe für sozial schwache Familien

Ziel der Dortmunder Tafel sei es, Kindern und Jugendlichen der Kunden zu helfen. „Eltern aus Kirchhörde schicken ihre Kinder zum Sport oder in die Musikschule. Das passiert im sozial benachteiligten Umfeld nicht“, sagt Kati Schröder. Sie ist Projektkoordinatorin der Kinder-und Jugendhilfe der Dortmunder Tafel und fügt hinzu: „Kinder aus sozial schwachen Familien brauchen Impulse. Die bekommen sie bei uns.“

Sehbehinderte BVB-Fans spenden für die Dortmunder Tafel - „Auch wir können helfen“

Der Container nimmt Formen und Farbe an. © Anika Hinz

Schröder spricht damit nicht nur das momentane Kunstprojekt, sondern auch die vielen anderen Aktionen an, die die Tafel plant. „Wir geben einen Häkelkurs und planen für die Ferien einen Zirkus. Zusätzlich haben wir den Info-Point für Eltern, die sich dort untereinander austauschen können“, sagt sie. Der Info-Point befindet sich seit anderthalb Monaten in dem Container, der derzeit bemalt wird. Er wird gut von den Familien angenommen. „Nur die Farbe passte nicht. Aber dank der Kinder und Frau Rybarsch-Tarry bekommt der Kasten jetzt einen schönen Anstrich“, sagt Schröder. Über die Materialkosten für die Neugestaltung musste sich die Tafel glücklicherweise keine Gedanken machen.

Die Kosten für Farbe und das übrige Material decken die Spenden des Fanclubs Blind Date. Dieser hatte wegen der großzügigen Aktion aber keinen großen finanziellen Mehraufwand. „Wir haben vor zwei Jahren unseren Mitgliedsbeitrag um einen Euro auf 3,50 Euro pro Monat erhöht. Dadurch hat jeder, ob er nun wollte oder nicht, direkt gespendet“, erklärt Daniela Schmidt.

Am Ende kamen so 450 Euro zusammen. Ob in Zukunft erneut Spenden für die Tafel gesammelt werden, stünde aber noch nicht fest. „Wo unser Geld am Ende hingeht, entscheiden wir noch“, sagt Schmidt. Allerdings sind sich alle einig: „Wir wollen in Dortmund bleiben“.

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