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Sonnenuntergang am Strand von Frankfurt/Oder

SCHWERTE Haben Sie sich je Gedanken gemacht, was Lyrik vom plumpen Gedicht unterscheidet? Sebastian Krämer hat das. Natürlich, denn er ist ja von Hause aus Lyriker. Aber bevor man den Mann als langweiligen Poeten abstempelt, sei seine Antwort zur Eingangsfrage voran gestellt: „Erstens: Es gibt keinen Reim mehr. Zweitens: Es gibt keinen Sinn mehr.“

von Von Heiko Mühlbauer

, 11.11.2007
Sonnenuntergang am Strand von Frankfurt/Oder

Unterhielt sein Publikum in der Rohrmeisterei brillant, ohne sich anzubiedern: Lyriker Sebastian Krämer.

In dieser Erklärung zeigt sich schon, worin die Qualität des Mannes aus Berlin besteht. Sebastian Krämer lieferte einen Kleinkunstabend ab, der kurzweilig, weil witzig war; ein Auftritt, der das Wort Kunst verdiente und auch die kleine Form selbiger wählte. Kurzum, der Mann unterhielt sein Publikum brillant, ohne sich anzubiedern und vermittelte stets das Gefühl, dass er gerade diese Zuhörer schätzt.Schule der Leidenschaft Zum zweiten Mal war Krämer Gast der Kleinkunstwochen in Schwerte, aber zum ersten Mal traute er sich ganz alleine mit seiner „Schule der Leidenschaft“. Für die braucht Krämer nur einen Flügel und ein Mikrophon. Auf Requisiten kann er verzichten und manchmal sogar auf das Mikro, vor allem dann, wenn er sich in den Saal wagt und die Zuschauer direkt anspricht. Die Stärke des Mannes im altmodisch beigen Anzug sind aber vor allem die Worte. Wie Kaskaden lässt er schwallartig Gedichte in den Saal strömen. Und trotz der großen Wortfrequenz hat man nie den Eindruck, die einzelnen Begriffe und Formulierungen seien nicht wohl durchdacht. Und sobald man glaubt, ein Muster in seinem Humor erkannt zu haben, bricht er selbiges auf.Konsequent unkonventionell Ob die Hymne „Die Welt braucht keine Jongleure“ oder das Lied vom „Sonnenuntergang am Strand von Frankfurt an der Oder“ – auch bei der Themenauswahl ist Krämer konsequent unkonventionell. Wobei sich seiner Ansicht nach Frankfurt an der Oder nur wenig von Frankfurt am Main unterscheidet, zumindest vom Strand her.Publikum dankte mit lang anhaltendem Applaus Das Publikum quittierte die rasante 90-minütige Show mit lang anhaltendem Applaus und forderte zwei Zugaben. Wobei die eine einer von Krämers Klassikern war, die andere einen Ausblick auf sein neues Programm gab. Und das machte Lust auf mehr.

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