Darum steigt und steigt der Preis für Fleisch aktuell sehr rasant

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Milchviehhaltung, Schweinemast, Getreidebau, Biogas und mehr: Der landwirtschaftliche Betrieb Lütke Holz ist ungewöhnlich breit aufgestellt. Das bietet Chancen – und birgt Risiken.

Nordkirchen, Olfen, Selm

, 27.06.2019, 11:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Klaus Kortenbusch sagt: „2018 war für Schweinezüchter ein schwieriges Jahr.“ Der Geschäftsführer der Viehvermarktungs-Genossenschaft Lüdinghausen-Selm und Umgegend (VVG) berichtet mit seinem Stellvertreter Marcus Engbert von sehr niedrigen Preisen (rund 20 Cent je Kilo unter dem Vorjahresniveau) und den zusätzlichen negativen Folgen des heißen Sommers 2018 für die Landwirte.

Weil die Schweine bei Hitzetemperaturen weniger „gefressen“ haben, blieben sie zudem länger als geplant auf den Ställen – bis zu vier Wochen. Auch auf dem Hof Lütke Holz, Berger 42 in Nordkirchen. Hier hatten Herbert und sein Sohn Konrad mit weiteren Wetterfolgen zu kämpfen.

Darum steigt und steigt der Preis für Fleisch aktuell sehr rasant

Bei heißem Wetter fressen Schweine langsamer. Das kostet Geld. © dpa

„Für unser Rindvieh benötigen wir viel Gras und Mais“, sagt Herbert Lütke Holz. Doch das sei wegen der Hitze nicht wie erhofft gewachsen.

Der Umsatz der Genossenschaft ging um mehr als 10 Prozent zurück

„Bis heute fahren wir ein Sparprogramm“, sagt der Nordkirchener Landwirt, der im Rückblick auf das vergangene Jahr von einer „Herausforderung“ spricht. Eine Aussage, die die Verantwortlichen der VVG doppelt und dreifach bestätigen können.

Obwohl die Genossenschaft die Stückzahlen gegen den allgemeinen Trend um rund 4 Prozent auf mehr als 2 Millionen Tiere steigern konnte, ging der Umsatz um gut 10 Prozent auf 225 Millionen Euro zurück.

Ein Trend, der sich in diesem Jahr umkehren dürfte. In China mit dem weltweit größten Schweinemarkt grassiert die afrikanische Schweinepest.

Nach einem schwierigem Jahr steigt und steigt der Schweinepreis

Was für die örtlichen Züchter in China längst zum Riesen-Problem geworden ist, verschafft den heimischen Züchtern neue wirtschaftliche Perspektiven. Von einst 1,36 Euro je Kilogramm ist der Schweinepreis mittlerweile auf 1,83 je Kilogramm gestiegen.

Und Klaus Kortenbusch ist sich sicher, dass wir „dieses Jahr die 2 Euro noch übersteigen werden.“ Eine verlockende Perspektive auch für die Familie Lütke Holz, die seit mehr als 30 Jahren mit der VVG zusammenarbeitet – und ganz bewusst weiter auf Vielfalt setzen will.

„Es wäre sicher effektiver und einfacher, wenn wir einen hochspezialisierten Betrieb hätten“, sagt Herbert Lütke Holz. Doch mit seiner breiten Aufstellung hat er zumindest die Chance, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten in einem Bereich mit dem anderen Bereich die Situation abzufedern.

Ausbildungsplätze auf dem Hof Lütke Holz sind sehr begehrt

Ein Ansatz, der zugleich für viele Nachwuchskräfte hochinteressant ist. Während andere Landwirte nicht wissen, wie sie ihre Lehrstellen besetzen sollen, ist der Hof Lütke Holz bereits bis zum Sommer 2022 ausgebucht. „Unsere Vielfalt könnte ein Punkt für die Entscheidung der Auszubildenden sein“, so Lütke Holz.

Darum steigt und steigt der Preis für Fleisch aktuell sehr rasant

Die Plaketten an den Ohren geben wichtige Informationen – beispielsweise über das Geburtsdatum. Dieses Kälbchen wurde also am 21. April 2019 geboren. © Thomas Aschwer

Neben seinen 960 Plätzen für die Aufzucht von Schweinen hat er in Kooperation mit dem direkten Nachbarn 170 Kühe. Dazu kommt eine Biogasanlage. Deutlich schlechtere Perspektiven als der Nordkirchener Hof haben nach Einschätzung der VVG die Ferkelerzeuger.

Ferkelerzeuger verfolgen die politischen Diskussionen genau

Als Gründe nennen die Verantwortlichen die unsicheren politischen Rahmenbedingungen bei zentralen Themen wie Haltungsformen, Kastration und Ebermast. Mit der Folge, dass immer mehr Betriebe aufgeben würden. VVG-Geschäftsführer Klaus Kortenbusch hat nach über 30 Berufsjahren insgesamt erstmals rückläufige Stückzahlen in der Schweinezucht festgestellt.

„Wir liegen aktuell bei 90 Prozent des normalen Angebots.“ Für 2018 kann die VVG noch die die Rekordzahl von 1,17 Millionen vermarkteten Ferkeln vermelden. Landwirt Herbert Lütke Holz hat derweil schon „Pflöcke“ für die Zukunft des eigenen Betriebes eingeschlagen.

Seit zwei Jahren ist Sohn Konrad im Betrieb. Aktuell entstehen neue Büroräume, denn auch für die Landwirtschaft wird die Arbeit am Computer immer wichtiger.

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