„Schwachsinnige“ Diskussion: Darf der Döner in Nordkirchen bald nicht mehr Döner heißen?

dzDöner-Debatte

In einer Stadt in Thüringen hat der Döner einen neuen Namen bekommen. Grund dafür ist die Zutatenliste. Zwei Gastronomen aus Nordkirchen halten die Diskussion für „schwachsinnig“.

Nordkirchen

, 01.11.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Muss eines der beliebtesten Fast-Food-Gerichte der Deutschen bald umbenannt werden? In der thüringischen Stadt Weimar darf der Döner seit einiger Zeit nicht mehr Döner genannt werden. Das könnte auch Auswirkungen auf andere Städte und Gemeinden haben. Zwei Nordkirchener Gastronomen erklären, warum sie die ganze Diskussion für „schwachsinnig“ halten.

Das Deutsche Lebensmittelbuch schreibt es ziemlich genau vor: Ein echter Döner besteht vor allem aus Schaf- oder Rindfleisch. Dazu kommt dann noch Gehacktes. Abgeschmeckt wird das Ganze mit Salz, Eiern, Gewürzen, Öl, Zwiebeln, Milch und Joghurt. Mehr darf laut dem Lebensmittelbuch nicht in einem Döner stecken.

Döner mit Geschmacksverstärker heißen jetzt „Drehspieß“

Viele Großhändler, bei denen Imbisse oft ihre Fleischspieße bestellen, geben allerdings auch noch Geschmacksverstärker hinzu. Für die Deutsche Lebensmittel-Kommission ist der Fall dadurch eindeutig: Das sind keine Döner mehr, da sie Geschmacksverstärker enthalten.

Bereits 1997 wurde das in den Leitsätzen für Fleisch- und Fleischereierzeugnisse des Deutschen Lebensmittelbuches festgelegt. In Weimar setzte das Lebensmittelüberwachungsamt nun auch tatsächlich durch, dass alle Döner, in denen Geschmacksverstärker enthalten sind, nur noch als „Drehspieß“ bezeichnet werden.

Orhan Varli war die Diskussion um den Döner noch nicht bekannt

Für Orhan Varli, Besitzer von „Nordkirchener Pizzeria und Kebap Haus“, ist die neue Regelung in Weimar „schwachsinnig“. Von der ganzen Diskussion hatte er aber zuerst noch gar nichts mitbekommen.

Auch sein Imbiss bekommt die Spieße von einem Händler - „von einer Döner-Produktion“, sagt sein Neffe Kosim Tün. „Nicht von einer Drehspieß-Produktion.“

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Er habe von der aktuellen Diskussion, die in Weimar ausgelöst wurde, ebenfalls noch nichts gehört. Allerdings, so sagt er, seien ihm ähnliche Fälle aus anderen Städten bekannt.

„Die Gastronomie lebt davon, dass sich Gerichte weiterentwickeln“

„Döner Kebap“ bezeichnet wörtlich übersetzt „sich drehendes Fleisch“. Für Tün „ist das kein geschützter Begriff“. Davor, dass auch ihr Imbiss in Nordkirchen irgendwann nur noch Drehspieße im Fladenbrot verkaufen darf, hat er aber keine Angst.

Auch Orhan Varli glaubt da nicht so recht dran. „Dann müssten die ja gegen Millionen Lokale vorgehen“, sagt er. Die ganze Debatte um die genauen Inhalte eines Döners sei „komisch“.

Für Kosim Tün könne es ohnehin nicht sein, dass ein Gericht sich nicht verändern darf. „Die Gastronomie lebt doch davon, dass sich Gerichte weiterentwickeln“, sagt er. Daher sei es nicht in Ordnung, genaue Vorschriften zu machen, was in einem Döner drin sein darf und was nicht.

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