Schülerin: „Fair ist das Abitur in diesem Jahr nicht“

Coronavirus

Nach und nach lockern die Länder die Corona-Maßnahmen - vielerorts gehen Schüler bereits wieder zur Schule. Nicht jeder Schüler hatte die gleichen Möglichkeiten, den Schulstoff aufzuarbeiten.

Hamburg

06.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
In diesem Jahr fand die Vorbereitung auf die Abiturprüfungen vielerorts zu Hause statt.

In diesem Jahr fand die Vorbereitung auf die Abiturprüfungen vielerorts zu Hause statt. © picture alliance/dpa

Desinfektionsmittel, Mundschutz und Sicherheitsabstand. Was sich nach Hygieneregeln in einem Krankenhaus anhört, ist momentan an der Tagesordnung in vielen Schulen in Deutschland. Zu Recht – denn den Schülern muss trotz Covid-19 ein normaler Schulalltag ermöglicht werden. Wie gut das in der Praxis funktioniert, erzählt die 18-jährige Abiturientin Elaine Peters aus Hamburg.

Elaine, wie hat es sich für dich angefühlt, als du erfahren hast, dass die Schule zu Hause stattfinden soll?

Als ich hörte, dass ich wegen Corona nicht mehr zur Schule gehen darf, war das für mich ein Schock. Als Abiturientin sind die letzten Wochen in der Schule ja auch Abschied – und Events wie Abistreich und Mottowoche sind komplett ausgefallen. Es war auch ein komisches Gefühl zu wissen, dass man den letzten Schultag bereits hatte, ohne es zu dem Zeitpunkt gewusst zu haben. Letztlich ist uns die Chance genommen worden, die ganze Schulzeit Revue passieren zu lassen – immerhin zwölf Jahre.

Was hat sich für dich im Homeschooling verändert?

Mir war von Anfang an klar, dass wir die Abiturprüfungen trotz allem schreiben werden – das war wenigstens etwas Normales an meinem Abitur. Das hieß natürlich, dass man wirklich diszipliniert sein musste. Schließlich mussten wir neuen Stoff allein verstehen, Altes nachholen und nebenbei auch noch den üblichen Schulstoff bearbeiten. In einigen Bereichen bedeutete das für mich sehr viel mehr Arbeit, als es ohne Corona gewesen wäre.

Ich glaube, dass ich das alles gut hinbekommen habe. Ich bin mir aber auch sicher, dass es ein Nachteil war, vor den Abiturprüfungen nicht mehr die Zeit in der Schule gehabt zu haben. Mir persönlich fehlte vor allem der Austausch mit anderen Schülern – das funktioniert am Telefon einfach nicht so gut.

Natürlich hatte ich durch Corona mehr Zeit, zu Hause zu lernen. Normalerweise wäre ich gerade bei dem schönen Wetter mehr draußen gewesen, hätte Sport gemacht. So blieb einem ja fast nichts anderes übrig, als zu lernen – vielleicht war das auch irgendwie ein Vorteil. Es gab auch einige Lehrer, die sich wirklich bemüht haben, uns zu helfen und stundenlang am Telefon zur Verfügung standen – dafür bin ich sehr dankbar.

Können die Hygieneregeln in der Schule ausreichend umgesetzt werden?

Auch wenn ich glaube, dass meine Schule das Ganze gut gelöst hat: Die Prüfungen selbst waren irgendwie komisch. Wir waren fünf bis acht Schüler in einem Raum – natürlich mit entsprechendem Sicherheitsabstand, wer wollte, trug Mundschutz. Überall war Desinfektionsmittel, die Lehrer haben einen Mundschutz und teilweise auch Handschuhe getragen. Die Atmosphäre war trotz allem aber sehr ruhig und ich habe mich auch sicher gefühlt.

Momentan bereite ich mich auf die mündliche Abiturprüfung vor, vor der ich wirklich ziemlich Respekt habe. Einfach weil immer noch nicht klar ist, wie die in Zeiten von Corona überhaupt ablaufen soll.

Glaubst du denn, dass es jetzt ganz „normal“ weitergehen kann?

Wenn ich an die Vergabe von unseren Zeugnissen denke und auch den Abiball, ist das ein ziemlich bedrückendes Gefühl – denn schließlich ist es gut möglich, dass alles ausfällt und wir unsere Zeugnisse per Post bekommen. Ich habe einfach die Hoffnung, dass wir irgendwie die Möglichkeit bekommen, uns und unsere Leistung zu feiern.

Auch der Gedanke an die Zeit nach dem Abitur ist nicht einfach. Nach dem Abi ist eigentlich die Findungsphase – das kann jetzt alles gar nicht so richtig stattfinden. Insgesamt glaube ich schon, dass dieser Jahrgang ziemlich eingeschränkt in allem ist. Es hatte nicht jeder die gleichen Möglichkeiten und einige hatten Angst vor Corona und finanzielle Sorgen oder wenig Zeit zum Lernen, weil sie plötzlich auf die Geschwister aufpassen mussten. Daher glaube ich nicht, dass das Abitur in diesem Jahr fair war.

RND

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