Schermbecker Wölfin „Gloria“ löst Diskussion um Entschädigung bei Wolfsrissen aus

dzWölfe in NRW

Der hohe Schutzstandard des Wolfes stehe außer Zweifel, sagte Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser jetzt. Sie macht aber Nutztierhaltern Hoffnung auf mehr Unterstützung.

von Sina Zehrfeld

Schermbeck

, 16.01.2020, 09:47 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Diskussion um die Schermbecker Wölfin „Gloria von Wesel“ (GW954f) will Landesumweltministerin Ursula Heinen-Esser offenbar beiden Seiten entgegenkommen. Sie hat Signale ausgesandt, die Nutztierhaltern, die durch Wolfsrisse geschädigt worden sind, Hoffnung auf mehr Unterstützung machen.

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Zugleich betont sie: „Es ist Aufgabe der Politik, aber auch der Gesellschaft, das Leben mit dem Wolf zu organisieren und sich darauf einzustellen, dass diese streng geschützte Art wieder in Nordrhein-Westfalen heimisch geworden ist. Der hohe Schutzstandard des Wolfes steht außer Zweifel.“

Informelles Gespräch mit Ministerin

Die Christdemokratin hat sich am Montagabend zu einem „informellen Gespräch“ mit Betroffenen und Vertretern von Naturschutzorganisationen aus dem Wolfsgebiet Schermbeck getroffen. Dabei waren auch Vertreter des Landesumweltamtes, der zuständigen Fachabteilung des Ministeriums und von Kommunen. Das Treffen habe dem „Austausch und zur Meinungsbildung“ gedient, berichtet das Ministerium. Unter den Teilnehmern war auch der Hünxer Schafhalter Kurt Opriel, der durch Wolfsrisse immer wieder Tiere verliert.

Nach Darstellung des Ministeriums dauerte der „intensive und offene Austausch“ etwa zwei Stunden. „Im Fokus stand die Wölfin im Wolfsgebiet Schermbeck, die Bewertung ihres Verhaltens sowie ein effektiver Herdenschutz und die Optimierung der Förderkulisse“, heißt es aus Düsseldorf. „Ziel des Gespräches war auch, bei der Suche nach gemeinsamen Lösungen und Wegen ein besseres Verständnis für die jeweiligen Positionen zu gewinnen. Dies ist aus Sicht des Ministeriums gelungen.“ Gegebenenfalls müsse „nachgeschärft“ werden beim vorsorgenden Herdenschutz und auch bei der Kostenerstattung nach Rissen. Dazu habe das Gespräch „Anhaltspunkte gebracht“.

Nutztierhalter dürfen nicht auf den Kosten sitzen bleiben

„Wir haben zusätzliche Hausaufgaben mitgenommen, denen wir zügig nachkommen“, wird Heinen-Esser von ihrer Behörde zitiert. Wichtig sei, betroffene Nutztierhalter bestmöglich zu unterstützen: „Sie dürfen nicht auf den Kosten des Herdenschutzes sitzen bleiben. Um dies sicherzustellen, werden wir die Gespräche mit dem Bund und der EU intensivieren.“ Der Mitteilung zufolge hat die Ministerin den Teilnehmern der Gesprächsrunde außerdem zugesagt, das Vorgetragene als Grundlage für die anstehenden Entscheidungen mitzunehmen und weiterhin im Gespräch zu bleiben.

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Der Hünxer Schäfer Kurt Opriel bringt seinen Eindruck von dem Treffen so auf den Punkt: „War nicht verkehrt.“ Es sei gut gewesen, persönlich mit der Ministerin über Probleme sprechen zu können. Und er habe auch das Gefühl gehabt, dass Heinen-Esser ein offenes Ohr dafür gehabt habe. Große Erleichterung macht sich bei ihm deswegen aber nicht breit – immerhin ändere sich die Situation jetzt nicht unmittelbar. Was ihn nachhaltig belaste, seien feindselige Anwürfe, denen er etwa in sozialen Netzwerken ausgesetzt sei: „Das sind teilweise schon Verleumdungen, bei denen man Rechtsmittel anwenden könnte. Das ist einfach traurig.“

Tötung von „Gloria von Wesel“ beantragt

Der Hünxer hat beantragt, dass „Gloria von Wesel“ als „Problemwölfin“ anerkannt und ihre Tötung genehmigt wird. Um diesen Antrag zu bewerten, müsse die Rechtslage „im Schulterschluss“ mit dem Kreis Wesel detailliert geprüft werden, erläutert hierzu das Landesumweltministerium; dies sei keine Entscheidung, die leichtfertig getroffen werden könne. Die Behörde stellt fest: „Im Jahr 2019 waren bisher 18 Nutztierrisse auf die Wölfin GW954f zurückzuführen, so viele wie in vier Monaten des Jahres 2018.“

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