Säure, Zuckerwasser und Mäusegitter: So machen Imker ihre Bienen für den Winter fit

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Nach dem Honig ist vor dem Honig: Damit der Imker im Frühjahr wieder Honig ernten kann, müssen die Bienen auf den Winter vorbereitet werden. Wir haben zwei Imker gefragt, was zu tun ist.

von Simon Rusche

Olfen, Capelle

, 30.09.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Honig gehört für viele Menschen auf den Frühstückstisch. Den süßen Brotaufstrich gibt es das ganze Jahr, aber wie er entsteht und wie es nach der Honigernte durch den Imker weitergeht wissen die wenigsten. ie beiden Imker Erwin Grünebaum aus Capelle und Heinz-Josef Hülk aus Olfen erklären, warum sie nach der Honigernte viel zu tun haben.

Die Honigbienen sammeln im Frühjahr und Sommer Nektar und Pollen, aus dem dann der Honig entsteht. Doch eigentlich sammeln die Bienen, um sich einen Vorrat für den Winter anzulegen und nicht für den Menschen.

Zwölf Kilo Futter pro Volk

„Da wir ihnen ihren Wintervorrat nehmen, müssen wir den Bienen ein Ersatzfutter anbieten, damit sie im Winter nicht verhungern“, erklärt Erwin Grünebaum. Dieses Ersatzfutter enthält vor allem eins: Zucker. Den bekommen die Bienen als Teig oder in einer Zuckerwassermischung. „Ich nutze die flüssige Variante, weil die Bienen den Zucker als Sirup schneller abnehmen und ihnen so auch schneller überlebenswichtiges Wasser zur Verfügung steht“, so der Capelleer.

Säure, Zuckerwasser und Mäusegitter: So machen Imker ihre Bienen für den Winter fit

Imker Erwin Grünebaum vergleicht die Brutwaben. © Simon Rusche

Aus Zucker und Wasser entsteht dann im Bienenstock wiederum Honig - der sogenannte Futterhonig. „Ich füttere nach der letzten Honigernte pro Volk ungefähr zwölf Kilo. Jeweils drei Kilo alle zwei Wochen“, sagt Grünebaum. Die gefütterte Menge variiere je nach Volksstärke.

Bienen haben mehrere Feinde

Der Imker braucht auch ein Einmachglas zum Füttern „In dieses Glas fülle ich das Zuckerwasser. Dann steche ich Löcher in den Deckel und stelle das Glas mit dem Deckel voran auf die Bienenwaben.“ Dazu komme noch eine einzelne leere Zarge, eine leere Kiste, aus der der Bienenstock besteht, obendrauf. Dann wieder den Deckel drauf und fertig ist das Einfüttern.

Säure, Zuckerwasser und Mäusegitter: So machen Imker ihre Bienen für den Winter fit

Das Glas mit Zuckerlösung wird einfach auf das Volk gestellt. Die Bienen tragen das Futter danach in die Waben. © Simon Rusche

Die Bienen saugen mit ihrem Rüssel das Zuckerwasser auf und tragen es in die Waben. Doch auch wenn die Bienen genug Futter haben, droht ihnen von zwei Seiten Gefahr. Gegen zwei Feinde muss das Bienenvolk geschützt werden. Diese sind die Varroa-Milbe und einheimische Mäuse. Die Varroa-Milbe, ein mit asiatischen Bienen eingeschleppter Schädling, befällt die Brut und saugt den Jungbienen Nährstoffe aus.

Gegen Milben hilft nur Ameisensäure

„Im ersten Schritt wird der Befall mit der Milbe kontrolliert. Dazu wird ein Unterboden, die Windel, unter das Bienenvolk geschoben. Nach drei Tagen zähle ich die heruntergefallenen Milben. Wenn Ende Juli bei einem Volk, bei dem ich Honig geerntet habe, im Durchschnitt pro Tag zehn Milben gefallen sind, ist eine Behandlung mit Ameisensäure nötig“, erklärt Heinz-Josef Hülk.

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Heinz-Josef Hülk aus Olfen ist leidenschaftlicher Imker. © Simon Rusche

Dafür wird ein sogenannter Despenser eingesetzt. „Über diesen verdunstet die Säure stetig und hält eine gewisse Konzentration im Stock aufrecht. Nach drei Tagen sind 100 Milliliter Säure verdunstet und der Milbenbefall deutlich reduziert“, so der Olfener Imker. Mäuse sind dagegen einfacher fernzuhalten.

Im Dezember sind die Völker brutfrei

„Das schaffen wir mit Gittern, die vor dem Flugloch befestigt werden“, erzählt Erwin Grünbaum. Durch diese Gitter könnten zwar noch Bienen hinein und hinaus, aber der Fressfeind habe keine Chance.

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Durch das Gitter werden Mäuse vom Stock ferngehalten. © Simon Rusche

Doch was passiert im Sommer und Herbst in einem Bienenstock? „Ab der Sommersonnenwende nimmt die Zahl der Bienen im Volk ab. Die Königin legt weniger Eier und etwa Anfang Dezember sind die Völker komplett brutfrei“, erklärt Heinz-Josef Hülk. Vereinzelt würden die Bienen noch Pollen und Nektar sammeln, doch mit der abnehmenden Außentemperatur nehme auch der Flugbetrieb ab.

Wenn das Volk ohne Brut ist, etwa vier Wochen nach den ersten Frösten im November, folgt der letzte Schritt der Wintervorbereitung. Mit Oxalsäure werden die letzten Milben im Volk getötet. „Die Oxalsäure wird mit einer Spritze über die Bienen geträufelt. Dann können die Bienen in Ruhe und gesund im Frühjahr wieder Honig produzieren“, freut sich Heinz-Josef Hülk.

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