Rückkehr zur Hüft-OP? So sollen NRW-Kliniken jetzt arbeiten

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Geregelter Krankenhaus-Alltag statt Politik der leeren Betten – Gesundheitsminister präsentiert einen Fahrplan für die Medizin in Corona-Zeiten.

von Tobias Blasius

Düsseldorf

, 28.04.2020, 17:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach fast sechs Wochen Aufschub sollen planbare Operationen in NRW-Krankenhäusern wie Eingriffe an Hüfte oder bei Tumoren ab sofort wieder stattfinden können. Das sieht ein Fahrplan für die Rückkehr in einen geordneten Klinik-Alltag in der Corona-Krise vor, den Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und sein NRW-Kollege Karl-Josef Laumann (beide CDU) am Dienstag verabredet haben.

„Da uns die Corona-Epidemie aller Voraussicht nach noch sehr lange beschäftigen wird, müssen wir einen Weg finden, wie unsere Krankenhäuser auch unter Corona-Bedingungen elektive Behandlungen wieder durchführen können“, sagte Laumann gegenüber unserer Redaktion. Unter „elektiven Behandlungen“ verstehen Mediziner planbare Operationen.

Nur noch ein Viertel der Intensivbetten für Corona-Patienten reserviert

Konkret will Laumann Spahns Empfehlung folgen und künftig nur noch ein Viertel der Intensivbetten vorhalten, um Covid-19-Patienten im Bedarfsfall behandeln zu können. Die restlichen Kapazitäten könnten wieder für andere Eingriffe genutzt werden. Ärzte müssten hier Priorisierungen vornehmen. Patienten mit schnell fortschreitenden Erkrankungen oder schlechtem Allgemeinzustand sollen bevorzugt operiert werden.

Die Mediziner entscheiden über die Rangfolge der Eingriffe idealerweise im Team, da viele ethische Fragen aufgeworfen werden: Auch nicht lebensnotwendige Alltags-Operationen wie etwa Hüftersatz, die nicht mehr wie terminiert stattfinden durften, bedeuten für Betroffene eine Verlängerung von Leid.

„Die Krankenhäuser müssen auch weiterhin gewappnet sein, um innerhalb kürzester Zeit wieder auf den Krisenmodus umzustellen, falls die Zahl der Covid-19-Patienten wieder nach oben gehen sollte“, warnte Laumann. Die Kliniken sollen je nach Pandemieverlauf innerhalb weniger Tage in der Lage sein, ausreichend Intensivbetten und Beatmungsgeräte vorrätig zu haben.

Immer weniger Menschen suchen einen Arzt auf - selbst wenn sie ernsthaft erkrankt sind

Die Krankenhäuser waren Mitte März von Bundes- und Landesregierung aufgefordert worden, alle medizinisch nicht zwingend notwendigen Aufnahmen und Operationen zu verschieben. So wurden gegen eine finanzielle Entschädigung des Staates Behandlungs- und Intensivkapazitäten freigehalten, um für die zu Ostern prognostizierte erste Corona-Infektionswelle gewappnet zu sein.

Allein in NRW wurden fast 8000 Intensivbetten geschaffen, die zurzeit nur von 466 Covid-19-Patienten belegt sind. Zudem gehen immer weniger Menschen zum Arzt. „Es gibt Anzeichen, dass Patientinnen und Patienten in Corona-Zeiten Notfälle wie Herzinfarkte und Schlaganfälle aber auch Beschwerden aufgrund ihrer bestehenden chronischen Erkrankungen weniger zum Anlass nehmen, ärztliche Hilfe zu beanspruchen. Dies führt zu einer Verschlechterung der Versorgung in Deutschland insgesamt“, analysiert das Bundesgesundheitsministerium.

Der Artikel erschien zuerst auf WAZ.de

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