Rassismus am Arbeitsplatz: Schwerbehinderter hielt sich für unkündbar

Landesarbeitsgericht Düsseldorf

Ein Chemie-Facharbeiter mit Behindertenausweis hatte türkischstämmige Kollegen rassistisch beleidigt und sich aber nach 40 Jahren im Betrieb für unantastbar gehalten. Damit lag er falsch.

Düsseldorf

23.03.2021, 16:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein 55-jähriger Chemie-Facharbeiter hielt sich wegen seiner Betriebserfahrung und einem Behindertenausweis für unantastbar.

Ein 55-jähriger Chemie-Facharbeiter hielt sich wegen seiner Betriebserfahrung und einem Behindertenausweis für unantastbar. © dpa

Als Schwerbehinderter mit fast 40 Jahren Betriebszugehörigkeit glaubte er sich unkündbar und lag falsch: Einem 55-jährigen Chemie-Facharbeiter durfte wegen schwerer rassistischer Beleidigungen ohne vorherige Abmahnung gekündigt werden. Das hat das Landesarbeitsgericht in Düsseldorf entschieden und ein Urteil der Vorinstanz bestätigt (Az.: 5 Sa 231/20).

Der Arbeiter habe türkischstämmige Kollegen von Fremdfirmen mehrfach rassistisch beleidigt, teilte das Gericht am Dienstag mit. „Meine Untertanen“ war noch eine der harmloseren Titulierungen. Zu Weihnachten habe er sich „eine Gaskammer gewünscht“, hatte er seine Kollegen wissen lassen.

Facharbeiter war wiederholt aufgefallen

Der Facharbeiter habe sich als unantastbar geriert, als einer, dem man „nichts könne“, weil er einen Behindertenausweis habe und unkündbar sei. Die Interessenabwägung sei aber trotz seines hohen sozialen Besitzstandes und seiner eher schlechten Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu dessen Lasten ausgefallen.

Dies gelte auch deswegen, weil der Arbeiter vor seinen Äußerungen nicht einmal gereizt oder verbal angegriffen worden sei. Es habe sich auch nicht um einen einmaligen Vorfall gehandelt. Die Revision ließ das Gericht nicht zu.

dpa

Lesen Sie jetzt