Viele Radfahrer wünschen sich Verbesserungen auf dem Gebiet der Gemeinde Nordkirchen. Zumindest für den Ortskern Nordkirchen wird es kurzfristig wohl nicht dazu kommen.

Nordkirchen

, 23.01.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Gemeindeverwaltung hatte den Auftrag, die Verkehrssituation auf den Ortsdurchfahrten zu betrachten. Und zwar unter dem Aspekt, ob Radverkehrsstreifen auf der Schloßstraße, der Bergstraße, der Mühlenstraße und der Lüdinghauser Straße machbar wären. Zur Sitzung des Ausschusses für Bauen und Planung am Dienstag, 22. Januar, hatte die Verwaltung Ergebnisse präsentiert.

Das sind die Voraussetzungen, unter denen sich Prüfung der Verwaltung bewegt hat:

Bei Einhaltung der „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen – ERA 2010“ seien die Schutzstreifen in einer Breite von mindestens 1,25 Metern anzulegen und die Breite des zwischen den Schutzstreifen verbleibenden Teiles der Fahrbahn soll mindestens 4,50 Meter, bei hohen Verkehrsstärken 5 Meter betragen, teilt die Verwaltung mit.

Bei diesen Breiten sei ein gefahrloses Begegnen von Pkw bei verminderter Geschwindigkeit möglich. Beidseitige Schutzstreifen erfordern somit Fahrbahnbreiten von mindestens 7 Metern, wobei dann auf der Fahrbahn nicht geparkt werden könne.

Im Ergebnis bedeutet dies laut Verwaltung:

  • Auf der Lüdinghauser Straße sind beidseitige Radfahrstreifen möglich bei einseitiger Aufgabe des Parkens und einigen baulichen Änderungen im Verlauf der Straße. Das gilt nicht für den Abschnitt vor der Volksbank/Ludwig-Becker-Platz, weil dort die Fahrbahn zu schmal ist. Im weiteren Verlauf würden dann je nach Lage des Radfahrstreifens einseitig jeweils circa 50 Parkplätze fehlen.
  • Schloßstraße und Bergstraße können allenfalls mit einem einseitigen Radfahrstreifen ausgestattet werden bei gleichzeitiger Aufhebung der Parkerlaubnis auf der Fahrbahn. Die außerhalb der Fahrbahn liegenden Parkplätze beidseits der Schloßstraße können erhalten bleiben bei Anlage eines Radfahrstreifens.
  • Auf der Mühlenstraße sind beidseitige Radfahrstreifen dann möglich, wenn das Parken am Fahrbahnrand unterbunden wird. Hierbei fallen bis zu 45 Parkmöglichkeiten weg.

Alles, was an Veränderungen beschlossen werde, müsse in einen Antrag an das Straßenverkehrsamt des Kreises Coesfeld münden, erklärte Nordkirchens Bauamtsleiter Josef Klaas.

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Dieses alles, was die Gemeindeverwaltung an machbaren Lösungen in Sachen Radstreifen heraus gefunden und überprüft hat, hat sie der Politik allerdings nicht empfohlen. Klaas begründete das so: „Im Ortsteil Nordkirchen ist das nicht konsequent in allen vier Hauptverkehrsstraßen wegen fehlender Fahrbahnbreiten machbar.“ Radstreifen nur partiell anzulegen, halte die Verwaltung für keine Gewinn für die Radfahrer.

„System muss durchgehend und verlässlich sein“

„Man muss ein System haben, das durchgehend und verlässlich ist. Das ist hier eben nicht machbar“, sagte der Bauamtschef. Auch einseitig angelegte Radstreifen führen laut Klaas nicht zu einer verlässlichen Lösung für die Verkehrsteilnehmer. Hinzu komme auch noch die Parkplatz-Thematik. Würde man in allen vier Straßen Radstreifen anlegen, würden in Summe rund 100 Parkplätze wegfallen.

Mehr Sicherheit für Radfahrer könnte ja auch zum Beispiel auf der Schloßstraße durch eine Reduzierung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von Tempo 50 auf Tempo 30 erreicht werden, oder? Josef Klaas skizzierte in der Ausschusssitzung den aktuellen Sachstand: „Wir haben den Antrag auf Tempo 30 an das Straßenverkehrsamt des Kreises Coesfeld gerichtet.“ Eine Antwort der Straßenverkehrsbehörde stehe noch aus.

Wie ist der Vorschlag der Verwaltung, die machbaren Lösungen nicht durchzuführen, bei den Ausschussmitgliedern angekommen?

CDU-Vorschlag: Radstreifen nach Selmer Vorbild

Für die CDU-Fraktion erklärte Thomas Quante: „Wir wollen keine Lösungen, bei denen bis zu 100 Parkplätze entfallen.“ Es müsse aber unbedingt etwas für Radfahrer, gerade für kleine Radfahrer getan werden, die zur Schule oder zum Kindergarten fahren.

Der CDU schwebe eine Lösung vor, wie sie am Sandforter Weg in der Nachbarstadt Selm umgesetzt worden sei: ein einseitig angelegter und und mit einem Streifen und zusätzlich noch Fahrradpiktogrammen markierter Fahrradstreifen. Den im übrigen auch Autofahrer überfahren können, wenn kein Radfahrer ihn befahre. „Unser Wunsch ist an die Verwaltung, dass sie eine Lösung weiter verfolgt.“

In punkto Bergstraße verwies Quante darauf, dass sie im oberen Bereich mal einen Fahrradweg hatte. „Den könnte man, zumindest partiell, wieder in Betrieb nehmen.“

Radverkehr in Nordkirchen: Egal welche Lösung kommt - sie wird schmerzhaft

Der einstige Radweg auf der Bergstraße ist noch zu erahnen. © Arndt Brede

Josef Klaas begegnete dem Vorschlag der CDU, den Radweg an der Bergstraße wieder zu aktivieren, so: „Dort ist Tempo 30. Und laut Straßenverkehrsordnung gibt es bei Tempo 30 keine ausgewiesenen Radwege mehr.“ Die Verwaltung werde aber darüber nachdenken, ob man zum Beispiel ausschildern könne „Gehweg, Fahrräder erlaubt“.

Für die SPD mahnte Gereon Stierl unter anderem, auf der Schloßstraße keinen Radstreifen zu markieren: „Das halten wir für gefährlicher, als den derzeitigen Zustand.“ Die Gefahr, dass Radler den Streifen als Zwei-Richtungs-Streifen ansehe, sei groß. In der Schloßstraße fahren Radler - so ist der aktuelle Sachstand - auf der Fahrbahn.

Und auf den anderen Straßen, die die Gemeindeverwaltung geprüft habe, würden zu viele Parkplätze wegfallen, wenn man Radstreifen anlege, sagt Stierl. Also sehe die SPD bis auf die Reaktivierung des Radwegs an der Bergstraße keine Möglichkeiten, durch Radstreifen oder geschützte Bereiche den Fahrradfahrern entgegen zu kommen.

SPD fordert Verbesserungen für überörtliche Verbindungen

Hingegen sei es viel wichtiger, die Fahrradwegverbindungen von Ort zu Ort verstärkt in den Fokus zu nehmen. Gemeint seien die Anbindungen von Nordkirchen Richtung Ottmarsbocholt, zwischen Capelle und Werne sowie zwischen Nordkirchen und Selm. Die Bitte der SPD an die Verwaltung: In dem Zusammenhang nach Fördermöglichkeiten zu forschen.

Gerhard Winke (FDP) erklärte, dass die Gemeinde, wenn es schon keine Lösung für die Radfahrer gebe, zumindest über ein Parkkonzept nachdenken solle. Gerade an der Lüdinghauser Straße sei die Fahrbahn vollgeparkt.

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Dass Parkplätze wegfallen, weil Radverkehrsstreifen angelegt werden, ist von vielen Polotikern nicht gewünscht. Zu groß ist der Parkdruck im Ortskern. © Arndt Brede

Für Bündnis 90/Die Grünen sagte Uta Spräner, sie halte es für eine Bevorzugung der Autofahrer, wenn diese nicht auf Parkplätze verzichten könnten. „Wir wollen auf jeden Fall, dass die Radfahrer, speziell die Kinder, auf unseren Straßen sicher unterwegs sind. Und wenn dafür Parkplätze entfallen, dann ist das so, und dann müssen wir uns im nächsten Schritt Gedanken über ein Parkkonzept machen.“

Grüne bringen Fahrradstraßen ins Gespräch

Ihr Fraktionskollege Richard Kruse brachte das Thema Fahrradstraßen ins Gespräch. Auf einer solchen Straße sei Autoverkehr lediglich erlaubt. Weil Fahrradfahrer Vorrang haben.

Die Gemeindeverwaltung hat nach der Ausschusssitzung einiges an Vorschlägen erhalten. „Wir werden das prüfen“, erklärte Bürgermeister Dietmar Bergmann. Josef Klaas hat aber bereits signalisiert: „Egal, zu welcher Lösung wir kommen: Es wird eine schmerzhafte Lösung sein. Für Autofahrer oder für Radfahrer.“

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