„Radio Heimat“ ist eine beschwingte Zeitreise

Neu im Kino

Das Ruhrgebiet der 80er in seiner schäbigen Pracht. Mittendrin eine Clique von Jungs, die bei den Mädels landen wollen. Kleine Würstchen machen auf cool. "Radio Heimat" (nach Motiven von Frank Goosen) ist ein Kinoschwank mit den Zügen einer Zeitreise.

14.11.2016, 16:59 Uhr / Lesedauer: 1 min
Frank (David Hugo Schmitz, r.) und die Möchtegern-Romeos aus seiner Clique.

Frank (David Hugo Schmitz, r.) und die Möchtegern-Romeos aus seiner Clique.

Das Filmdebüt von Regisseur Matthias Kutschmann (auch Drehbuch) taucht ein ins Retro-Flair einer gefühlten Jugend. Wir schmecken den Muff von Partykellern in Vollholz, das Aroma grausamer Mixgetränke (Baileys mit Blue Curacao), den Qualm blau gerauchter Kneipen, wo die Papas über Fußball philosophieren.

"Damals war auch scheiße", heißt es auf dem Filmplakat: Früher war nichts besser, genau besehen waren die Verhältnisse bescheiden. Kein Grund zur Nostalgie, aber viele Gründe, die 80er durch die Brille von Humor und Selbstironie zu sehen, wie Frank Goosen es in seinen Geschichten macht. Kutschmann hat aus Goosens Schnurren eine Erzählung destilliert, die als Ruhrpott-Revue beginnt und als Klassenfahrt zur Nordsee endet, wo ein Schwerenöter namens Frank (David Hugo Schmitz) doch noch ein Mädel küsst.

Früher war nichts besser

In der ersten Filmhälfte tummelt sich ein "Who is who" von Darstellern aus dem Revier: Ralf Richter, Peter Lohmeyer, Ingo Naujoks, Jochen Nickel, Elke Heidenreich als "Omma vonne Bude", Uwe Lyko als "Laberfürst", Gerburg Jahnke, Willy Thomczyk und Martin Semmelrogge. Frank, Pommes, Spüli und Mücke sind die "Jungen Römer" aus dem Falco-Hit, die zwischen Schule und Tanzstunde nach Erfahrungen mit Mädchen lechzen. Sie möchten eine Band gründen, es reicht aber nur zum Knappenchor.

Frank will Carola mit Musik von James Brown knacken, sie steht auf Angelo Branduardi. Der Soundtrack (Fehlfarben, Joachim Witt, Kim Wilde) stimmt, Ausstattung, Kostüm und Setdesign lassen die 80er aufleben.

"Radio Heimat" ist kein Schwergewicht von Film, aber eine sympathisch beschwingte Komödie mit Erdung und Bodenhaftung.

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