Aus Angst vor psychisch gestörtem Einbrecher: Arbeitsagentur in Unna bleibt geschlossen

dzKriminalität

Aus Angst vor einem psychisch labilen und bewaffneten „Besucher“ bleibt die Arbeitsagentur in Unna diese Woche geschlossen. Die Behörde sagt alle Termine ab und will das Sicherheitskonzept überprüfen.

Unna

, 16.11.2020, 16:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Unnaer Dienststelle der Arbeitsagentur schränkt ihre Erreichbarkeit in dieser Woche stark ein. Für den Publikumsverkehr bleiben die Büros am Nordring geschlossen. Bereits vereinbarte Termine entfallen.

Anlass für diese Entscheidung ist ein Einbruch, der allerdings auch als Bedrohung wahrgenommen werden kann – und von der Behörde so wahrgenommen wird. Bereits am vergangenen Freitag war nach Dienstschluss ein Mann mit Gewalt in das Gebäude eingedrungen. Zeugen sahen ihn dabei, riefen die Polizei, die den Mann ohne größere Mühe überwältigen konnte. Bei seiner Festnahme stellte die Polizei zwei Gaspistolen sicher, die sich der Mann ohne Gegenwehr abnehmen ließ.

Täter litt unter Wahnvorstellungen

Augenscheinlich hat es sich bei dem Täter um einen Mann mit erheblichen psychischen Problemen gehandelt. Sein Motiv für den Einbruch bestand nicht etwa aus Wut über eine Behördenentscheidung, wie es bisweilen durchaus vorgekommen ist, sondern in einem schwer erklärbaren Wahn. Dass er sich am Gebäude der Arbeitsagentur entlud, kann durchaus Zufall sein.

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Dennoch herrscht bei der Dienststelle eine verständliche Verunsicherung. Um die Einbruchschäden zu beheben, aber auch um das Sicherheitskonzept überprüfen und gegebenenfalls überarbeiten zu lassen, wird es in den kommenden Tagen keinen direkten Kontakt zu Besuchern geben. Zu erreichen ist die Arbeitsagentur, die für die Städte Unna und Fröndenberg sowie für die Gemeinden Bönen und Holzwickede zuständig ist, telefonisch unter (02381) 9 10 22 22 und (0800) 4 5555 00.

Angst, dass der Mann noch einmal wiederkommt

„Der Mann scheint psychisch labil zu sein, war bewaffnet und ist noch auf freiem Fuß. Da ist die Sorge berechtigt, dass er in den nächsten Tagen wiederkommen würde“, erklärte Behördensprecher Ulrich Brauer die Schließung der Dienststelle.

Warum der Täter nicht dauerhaft festgesetzt worden ist, lässt sich nicht genau nachvollziehen. Die Polizei ist nur für die akute Gefahrenabwehr zuständig und dafür auch tätig geworden. Einweisungen in psychiatrische Einrichtungen müssten von einem Gericht angeordnet und zuvor vom Ordnungsamt auf den Weg gebracht werden.

Das Ordnungsamt Unna erklärt, den Mann auch tatsächlich für eine medizinische Erstbegutachtung in eine entsprechende Fachabteilung geschickt zu haben. Was dort genau entschieden worden ist, ist dem Amt jedoch nicht zurückgemeldet worden.

Als Tatvorwurf bleibt Sachbeschädigung

Nach Informationen, die der Polizei vorliegen, sind die Beeinträchtigungen des Mannes als nicht so gravierend eingeschätzt worden, dass das Verfahren mit Ziel einer Einweisung fortgesetzt worden wäre. Bilanz aus polizeilicher Sicht: Man hat die Personalien eines Mannes, dem man Sachbeschädigung an einem Gebäude vorwerfen kann. Was seine beiden PTB-Waffen angeht, wäre das Führen in der Öffentlichkeit nur dann verboten gewesen, wenn er nicht im Besitz eines kleinen Waffenscheins ist. Die Waffen selbst sind inzwischen von der Polizei asserviert worden.

Ab dem kommenden Montag, 23. November, will die Arbeitsagentur wieder zum Normalbetrieb zurückkehren, soweit es ihn in Coronazeiten geben kann. Ab jenem Tag sollen die bereits vereinbarten Termine wieder stattfinden. Für die ausgefallenen Termine der bereits laufenden Woche sollen neue vereinbart werden. Rechtsfolgen durch die Terminabsagen gebe es nicht, betont die Arbeitsagentur.

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