Prozess unterbrochen: Weitere Fälle von Missbrauch am minderjährigen Opfer

dzSexuelle Belästigung

Ein Vater soll seine Tochter jahrelang im Alter zwischen neun und zwölf Jahren missbraucht haben. Der Prozess wurde nun unterbrochen, weil das Mädchen offenbar mit einem weiteren Mann Geschlechtskontakt hatte.

von Horst Andresen

Borken

, 25.10.2020, 13:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach zweieinhalb Stunden inklusive Beratungspause ist am Freitag ein Prozess des Landgerichts Münster bis zum nächsten, dem dann sechsten Verhandlungstag, unterbrochen und vertagt worden. Einem 53-jährigen Angeklagten aus Borken wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, etwa zweieinhalb Jahre lang seine unter 14-jährige Tochter im eigenen Haus in Borken sexuell missbraucht zu haben.

Der Grund für den Abbruch: Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes Borken hatte als Zeugin geschildert, dass das Mädchen in diesem Sommer Geschlechtskontakt mit einem weiteren Mann gehabt habe, offenbar in Bocholt und freiwillig. Das habe sie in Gesprächen mit Betreuern der Wohnungseinrichtung erfahren, in der das Mädchen untergebracht war.

Richter gibt weitere Ermittlungen in Auftrag

Dies „peu à peu und quasi nebenbei“ zu erfahren, erzürnte geradezu den vorsitzenden Richter Dr. Rainer Brackhane. Nach einer Verhandlungs- und Beratungspause der Kammer mit Staatsanwaltschaft und Verteidigern beendete er die Vernehmungen und schickte zahlreiche Zeugen nach Hause. Einige waren bereits zum dritten Mal gekommen, ohne aussagen zu können. Der Richter: „Das ist ausgesprochen misslich.“

Bis zum nächsten Prozesstag müssten „aufgrund neuer Erkenntnisse weitere Ermittlungen“ erfolgen. Offenbar hatte die Mutter des Mädchens den Fall angezeigt. Genaue Kenntnisse hatte die Jugendschutzkammer bis zum Freitag scheinbar nicht – auch nicht von der Polizeibehörde. Ein Aktenzeichen zu dem Verfahren gibt es offenbar.

Ende November vergangenen Jahres war dem Borkener Jugendamt der Fall laut Schilderung der 26-jährigen Zeugin bekannt geworden. Das Mädchen hätte die Geschehnisse in einem Brief einem Sozialarbeiter ihrer Schule offenbart. Der informierte danach das Jugendamt, sagte die Frau im Zeugenstand. In einem Gespräch im Jugendamt hätten Mitarbeiter – zum Schutz des Mädchens – dem Vater später empfohlen, Selbstanzeige zu erstatten.

Fast täglich soll es zu Übergriffen gekommen sein

Während der Unterredung hätte der Mann die Taten zugegeben, sagte die Zeugin aus. In einer mehr als einstündigen Einlassung zu Beginn des Prozesses hatte der 53-Jährige die Taten bestritten.

Ob das Jugendamt den Vorfall möglicherweise „oberfächlich“ bewertet habe, wollte ein Richter wissen: Bewertung und Beurteilung würden in solchen Fällen externen Experten überlassen, räumte die Jugendamtsmitarbeiterin ein.

Zuvor hatte eine als Zeugin geladene Kriminalbeamtin den Ablauf der Anhörung des Kindes zu Protokoll gegeben. Das Mädchen habe die mutmaßlichen Taten „emotionslos geschildert“. Fast täglich sei es zu Übergriffen gekommen. Sie habe sich weniger um sich selbst gesorgt, sondern mehr darum, was geschehe, wenn der Vater nicht mehr für den Unterhalt der Familie sorgen könne.

Die Verhandlung wird am 13. November in Bocholt fortgesetzt.

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