Poet am Klavier traf auf einen Barockmeister

Dortmunder Philharmoniker

Beethovens Fünfte, ein Dauerbrenner? Eher nicht, im Konzert erklingt sie selten.

Dortmund

, 24.01.2018, 16:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Poet am Klavier traf auf einen Barockmeister

Alexej Gorlatch war Solist im vierten Philharmonischen Konzert der Dortmunder Philharmoniker im Konzerthaus Dortmund. Foto: Kikkas

Zusammen mit Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ ist Beethovens fünfte Sinfonie wohl das berühmteste klassische Werk. Aber die Sinfonie ist am Dienstag im Konzert der Dortmunder Philharmoniker erst zum sechsten Mal im Konzerthaus Dortmund erklungen. Drei Mal zuvor haben die Dortmunder Philharmoniker das Werk gespielt.

Andreas Spering dirigierte mutig ohne Taktstock

Zu abgenudelt? Vielleicht. Aber rhythmisch ist die Sinfonie ein heikles Werk, und jedes Orchester muss fürchten, dass alle jeden kleinen Fehler bemerken.

Gastdirigent Andreas Spering war mutig und dirigierte ohne Taktstock. Da bestand die Gefahr, dass nicht alles auf den Punkt zusammen gespielt war. Zumal Spering das Orchester in flotten Tempi spielen ließ. Aber effektvoll ist die Sinfonie natürlich, und die Philharmoniker gaben mit einem enthusiastischen Spiel alles, dass das Werk große Wirkung hatte.

Spering ist ein Dirigent, der aus dem Barock kommt (und denkt). Entsprechend klar und knackig ließ er das Orchester Mozarts c-Moll-Klavierkonzert spielen. Dieses Werk war übrigens erst zwei Tage zuvor im Konzerthaus Dortmund erklungen – mit András Schiff und seinem Ensemble.

Nach zwei Tagen kam ein weitere Preisträger des van-Bremen-Wettbewerbs

Wie in dem Sonntagskonzert war ein Preisträger des Westfälischen van-Bremen-Klavierwettbewerbs der Solist. Alexej Gorlatch hat den Dortmunder Wettbewerb 2005 gewonnen.

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Anders als das Orchester spielte er das Mozart-Konzert sehr weich, mit einem wunderbaren Anschlag, viel Poesie und Reife. Dass er auch ein brillanter Techniker ist, zeigte der 30-Jährige in der Zugabe, der Chopin-Etüde op. 10, 4.

Buh-Rufe für den Komponisten



Eingeleitet hatten die Philharmoniker den sehr gut besuchten Abend mit der Auftragskomposition „Le suicide beau“ des 49-jährigen Lüdenscheider Komponisten Frank Zabel.

Ein Gedicht von Stéphane Mallarmé, in dem ein Selbstmörder in den Armen der Geliebten stirbt, hat Zabel farbig für eine große Besetzung vertont. Impulsiv klang das, aber collagenhaft zerrissen. Da trauten sich am Dienstag auch mal Zuschauer, Buh zu rufen.

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