Poesie und Propaganda: Film über Nahost-Konflikt

Kino: Julian Schnabels "Miral"

Mit Filmen über das Nahost-Problem verhält es sich so ähnlich wie mit den israelisch-palästinensischen Konflikten selbst: Es scheint schier unmöglich, sie in den Griff zu bekommen. „Miral“ ist dafür ein Beispiel.

von Von Klaus-Peter Heß

, 29.11.2010, 14:09 Uhr / Lesedauer: 1 min
Szene aus "Miral": Hind Husseini (Hiam Abbass) zeigt einem Scheich ihr Waisenhaus.

Szene aus "Miral": Hind Husseini (Hiam Abbass) zeigt einem Scheich ihr Waisenhaus.

Konsequent erzählt die in Haifa geborene arabischstämmige Autorin aus der Perspektive der Palästinenser. Zwischen israelischer Staatsgründung 1948 und Beginn der Osloer Friedensgespräche 1994. Ein riesiges Pensum, das Schnabel als Flickenteppich aus oberflächlichen Emotionen und knappen Ereignissen präsentiert – kombiniert mit dokumentarischen Wegmarkierungen in Form von Schwarzweiß-Szenen aus dem Fundus der audiovisuellen Geschichtsschreibung. Man kennt das zur Genüge.

Der erste Auftritt im Drama über die Dauerfront Nahost gehört Hind Husseini (Hiam Abbass), einer barmherzigen Samariterin, die sich während der Kämpfe nach Ausrufung des Staates Israel palästinensischer Kinder annimmt und ein Waisenhaus gründet. Dann kommt Nadia ins Spiel, die nach einer Vergewaltigung zur Trinkerin wird, später den Arzt Jamal heiratet und Miral zur Welt bringt.

Erst als sich der grobmaschig geflochtene Polit-Konflikt zur feiner gewebten, individuellen, menschlichen Tragödie verändert, erhält der Film endlich Tiefe. Durch die unermüdlich in Bewegung befindliche Handkamera wird die Geschichte noch fahriger und unpräziser. 

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