Pizzabäcker erwürgt zweifache Mutter – Polizei nimmt ihn im Kinderbett fest

dzLandgericht Bochum

Erst ist ein Pizzabäcker aus Herne (40) mit einem langen Küchenmesser auf die Mutter seiner Kinder losgegangen, dann erwürgte er sie. Das Gericht Bochum verhandelt einen bizarren Fall.

Herne

, 15.09.2020, 11:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Pizzabäcker (40) aus Herne muss sich wegen Totschlags vor dem Bochumer Schwurgericht verantworten. Der Familienvater soll seine ehemalige Lebensgefährtin (34) im Mai am Rande eines Trennungsstreits erst mit einem Küchenmesser angegriffen und dann erwürgt haben. Zum Prozessauftakt am Montag berief sich der Angeklagte auf einen „Filmriss“.

Dass er in der Nacht auf den 1. Mai mit seiner Ex-Partnerin in deren Wohnung heftig aneinandergeraten sei, bestätigte der 40-Jährige unter Tränen: „Wir hatten eine On-Off-Beziehung, es gab immer mal wieder Streitigkeiten.“ Im April hatte er nach eigenen Angaben seinen Job verloren.

Angeklagter: Fest entschlossen zur Trennung

In der Tatnacht, so der 40-Jährige, habe er zuvor Kokain geschnupft, außerdem Schmerz- und Beruhigungsmittel eingeschmissen. Und sei fest entschlossen zur Trennung gewesen. „An dem Abend habe ich ihr klipp und klar gesagt, dass ich sofort gehen muss“, sagte der Angeklagte. „Ich kann mich dann nur noch erinnern, wie sie auf mich zugekommen ist und wir irgendwie zusammen hingefallen sind.“ Danach habe er aber „einen absoluten ‚Cut‘“.

Weder ob noch wie ein später unter dem Kopf der Leiche entdecktes Küchenmesser in seine Hände gekommen sein könnte, will der 40-Jährige noch erinnern können. Auch zu einem Würgegriff an den Hals der Frau könne er nichts sagen, hieß es.

Partnerin lag blau angelaufen leblos am Boden

Die Erinnerungen setzen bei dem Angeklagten nach eigenen Angaben erst wieder ein, als er selbst seine leblos am Boden liegende Partnerin verzweifelt schüttelt. „Doch sie war da schon ganz blau angelaufen und ich habe gemerkt, dass sie nicht mehr atmet“, schluchzte der Angeklagte. „Ich habe wirklich keine Erklärung, warum das alles passiert ist.“

Die Bochumer Staatsanwaltschaft geht dagegen davon aus, dass der 40-Jährige seiner Partnerin, mit der er zwei gemeinsame Kinder (2/10) hat, in der fraglichen Nacht erst mit einem 19 Zentimeter langen Küchenmesser zweimal in die rechte Halsseite gestochen hat. Dann hat sich der Wanne-Eickeler laut Anklage auf den Körper seiner Lebensgefährtin gekniet, die Hände um den Hals der Frau gelegt - und die 34-Jährige „bis zum Todeseintritt“ gewürgt.

Nachbarn alamierten die Polizei

Angesichts des lautstarken Streits an der Kolpingstraße hatten Nachbarn damals die Polizei alarmiert. Zwei Polizeibeamte erinnerten sich vor Gericht, dass die Wohnungstür offen gestanden, der 40-Jährige im Kinderzimmer im Kinderbett gelegen und sich widerstandlos festnehmen lassen habe.

„Mein Eindruck war, dass er wie geistig weggetreten war. Es wirkte für mich so, als würde er gerade realisieren, was er getan hat“, sagte ein Beamter. „Er war wie in einem Heulwahn“, so eine Polizistin. In einer Spontanäußerung soll der 40-Jährige vor Eintreffen der Polizei seiner eigenen Schwester gegenüber erklärt haben: „Es ist etwas Schlimmes passiert. Sie hat mich mit dem Messer angegriffen. Ich habe das Messer genommen. Jetzt ist sie tot.“

Vater der Getöteten: Es war eine chaotische Beziehung

Der Vater (54) der Getöteten beschrieb die On-Off-Beziehung des Paars als „chaotisch“. Mal zusammen, dann wieder getrennt: „Das war ein ständiges Hin und Her.“ Dass der Angeklagte sich am Tatabend trennen wollte, hält der Vater für abwegig. „Ich sage es mal so: Wenn ich jemanden verlassen will, dann bringe ich ihn nicht um.“

Die Anklage lautet auf Totschlag. Neben einer Gefängnisstrafe könnte am Ende des Prozesses auch eine Einweisung in eine geschlossene Drogen-Entziehungsanstalt angeordnet werden.

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