Pils, Prolls und Punkrock: Auf der Theaterbühne war es laut und schmutzig

dzSchauspielhaus Dortmund

Wenn „Die Kassierer“ auf der Theaterbühne stehen, wird es laut und schmutzig: Die musikalische Groteske „Die drei von der Punkstelle“ feierte am Samstag Premiere am Schauspielhaus Dortmund.

Dortmund

, 08.03.2020, 13:06 Uhr / Lesedauer: 2 min

An der Band „Die Kassierer“ und ihrem Asi-Punk scheiden sich die Geister. Man kann sie hassen für ihre Suff- und Pornotexte und ihre offensive Geschmacklosigkeit. Oder man hält sie für grobmotorische Satiriker, die zwinkernd Proll-Klischees von arbeitsscheu, trinkfest und versaut bedienen.

Wie dem auch sei – wo die Kassierer sind, wird es laut, grell und schmutzig. Auch am Samstag im Dortmunder Schauspielhaus, wo „Die drei von der Punkstelle“ Premiere feierte. Andreas Beck und Thorsten Bihegue (beide auch Regie-verantwortlich) nennen ihr Stück eine Punk-Operette. Gaga-Groteske, wüstes Musical oder konzertantes Bad Taste-Happening hätten es auch getroffen.

Theaterabend kreist um den großen Durst

Jedenfalls war es wie beim letzten Mal, als das Haus mit „Häuptling Abendwind“ den Sound der Kassierer szenisch einzuhegen versuchte: Man schaut aufs Publikum und glaubt, die Irren hätten die Anstalt übernommen, die Punks das Theater, die Straßenköter den Kulturtempel.
Wobei man anmerken muss, dass Kay Voges einiges getan hat, um das Schauspiel für ein Rock’n’Roll-Publikum zu öffnen. Diese Politik beschert uns auch den Abend mit den Kassierern und Fans. Deren Bierverzehr scheint rekordverdächtig, während der Aufführung wird munter nachgetankt. Was irgendwie stimmig ist, kreist doch auch das Stück um den großen Durst.

Nummern zwischen Pogo-Punk und Ska-Polka

Bierfreunde wie Schmuwe (Uwe Schmieder) und Peggy (Andreas Beck) stehen auf dem Schlauch, seit der Konsul (Ekkehard Freye) das Monopol für Gerstensaft hält. Seine Plörre schmeckt so übel, dass die Herren eigenes Bier brauen wollen. Das war’s mit der Handlung, der Rest ist ein langer Sketch, der sich um Songs der Kassierer gruppiert. Es gibt nur ein Problem: Sänger Wölfi wird vermisst. Auf der Videowand (bestückt von Tobias Hoeft und Laura Urbach) sehen wir TV-Meldungen über Wölfis Verschwinden, dann Bilder eines Ufos: Außerirdische haben den Mann entführt!

Großes Johlen im Saal, als Wolfgang „Wölfi“ Wendland (optisch ein Bukowski) im Nebel erscheint. Die Erde hat ihn wieder, die Kassierer sind vollzählig und können „Erdrotation“, „Großes Glied“, „Schnaps und Bier“ anstimmen, dazu Evergreens wie „Ein Freund, ein guter Freund“. Nummern zwischen Pogo-Punk und Ska-Polka, krachledern wie der krawallige Humor der Inszenierung.

Futuristische Mary Poppins

Witz steckt auch in den Kostümen von Mona Ulrich. Andreas Beck im Strickpulli erinnert an Diether Krebs („Ich bin der Martin, ne“) Caroline Hankes Außerirdische sieht aus wie eine futuristische Mary Poppins. Ekkehard Freyes Kapitalist steckt im lachsfarbenen Sakko, sein Sohnemann (Christian Freund, der in Schlagertexten spricht) ist ein Jesus im Elvis-Kostüm.

Es gibt launige Videos (die Behörde in Hörde, die Bierwerbung), Caroline Hanke singt kessen Girlie-Punk, Uwe Schmieder hat den Impotenz-Blues. Wer Prost sagt zu Trash-Klamauk und Blödsinn, kommt auf seine Kosten.

Termine: 9. / 30. 4., 20. / 30. 5., 6. 6.; Karten: Tel. (0231) 502 72 22. www.theaterdo.de
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