Pharmakonzern AstraZeneca stoppt Test von Corona-Impfstoff

Coronavirus

Der Pharmakonzern AstraZeneca hat die letzte Testphase seines Corona-Impfstoffes gestoppt, weil ein Proband offenbar schwer erkrankt ist. Ist die Produktion des Impfstoffes nun in Gefahr?

New York

09.09.2020, 17:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nach dem Auftreten einer möglichen Nebenwirkung setzt der Pharmakonzern AstraZeneca Spätstudien an seinem vielversprechenden Corona-Impfstoffkandidaten freiwillig aus.

Nach dem Auftreten einer möglichen Nebenwirkung setzt der Pharmakonzern AstraZeneca Spätstudien an seinem vielversprechenden Corona-Impfstoffkandidaten freiwillig aus. © picture alliance/dpa

Der Pharmakonzern AstraZeneca hat Spätstudien an einem möglichen Impfstoff gegen das Coronavirus auf Eis gelegt. Grund sei ein Bericht, wonach bei einem Patienten eine schwere Nebenwirkung aufgetreten sei, teilte das Unternehmen am Dienstagabend (Ortszeit) mit. Man prüfe nun, ob das Phänomen mit der Impfung in Verbindung stehe.

Details wurden nicht genannt, AstraZeneca sprach lediglich von einer Routinemaßnahme wegen “einer potenziell ungeklärten Krankheit”. Der Impfstoffkandidat befand sich in der dritten und entscheidenden Testphase. Über die Aussetzung der Studie hatte zuerst die Nachrichtenwebsite STAT berichtet. Erkrankt sei ein Proband im Vereinigten Königreich, hieß es. Ein Sprecher von AstraZeneca bestätigte später einen vorübergehenden Teststopp in den USA und anderen Ländern.

Tausende Probanden in mehreren Ländern

Im August hatte der Pharma-Riese begonnen, 30 000 Probanden in Amerika für seine größte Studie an dem Impfstoffkandidaten zu rekrutieren. Getestet wird das von der Universität Oxford produzierte Vakzin auch an Tausenden Menschen in Großbritannien, kleinere Studien gibt es in Brasilien und Südafrika.

Groß angelegte letzte Testphasen laufen auch für zwei weitere Impfstoffkandidaten: einer wird von Moderna hergestellt, der andere vom Mainzer Biopharma-Unternehmen Biontech und dessen US-Partner Pfizer. Diese zwei Impfstoffaspiranten wirken anders als das Mittel von AstraZeneca.

Prüfung des Falls soll beschleunigt werden

Temporäre Teststopps bei großen klinischen Studien gelten nicht als ungewöhnlich. Untersuchungen von gravierenden oder unerwarteten Reaktionen auf die Verabreichung von Mitteln ist ein unerlässlicher Teil des Sicherheitsverfahrens. AstraZeneca wies im aktuellen Fall darauf hin, dass das medizinische Problem auch ein Zufall sein könne.

Bei Studien mit Tausenden Probanden könnten alle möglichen Leiden auftreten. Man arbeite nun daran, die Prüfung des Einzelfalls zu beschleunigen, um mögliche Auswirkungen auf den Zeitplan der Studie zu mindern, teilte das Unternehmen weiter mit.

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Es sei möglich, dass die ungeklärte Krankheit des Probanden ernst genug sei, um eine Klinikeinlieferung nötig zu machen, sagte die Wissenschaftlerin Deborah Fuller von der University of Washington. Wahrscheinlich lägen keine milden Nebenwirkungen wie Fieber oder Muskelschmerzen vor.

Es gebe keinen Grund zum Alarmismus. Vielmehr sollte es beruhigen, dass das Unternehmen die Studie aussetze, um herauszufinden, was vor sich gehe. Das Vorgehen zeige, dass es die Gesundheit der Testteilnehmer umsichtig im Blick behalte.

Spätstudien sollen mögliche Nebenwirkungen aufdecken

Angela Rasmussen, Virologin an der Columbia University in New York, twitterte, dass die Krankheit womöglich nichts mit dem möglichen Impfstoff zu tun habe. Genau dies sei aber der Grund, “warum wir Studien machen, ehe wir einen Impfstoff für die Allgemeinheit verfügbar machen.”

Bei der dritten und letzten Testphase halten Experten nach jeglichen Anzeichen von Nebenwirkungen Ausschau, die bei den vorangegangenen Forschungen unentdeckt geblieben sein könnten. Aufgrund des Umfangs gelten diese Spätstudien als wichtigster Teil des Prozederes, in dem die Sicherheit des Präparats gewährleistet werden soll.

Erst am Dienstag hatten AstraZeneca und acht weitere Pharmakonzerne in einem ungewöhnlichen Schritt gemeinsam versprochen, sich bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus an die höchsten ethischen und wissenschaftlichen Standards zu halten. Hintergrund sind wohl Sorgen, dass US-Präsident Donald Trump die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA zur Zulassung eines Mittels zwingen könnte, ehe dessen Sicherheit und Wirksamkeit belegt ist.

RND

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