Sechs Jahre war er in der Gemeinde Nordkirchen. Nach vielen Kulturschocks, neuen Erfahrungen und Begegnungen geht es für Pfarrer Martins Eluke nun nach Duisburg.

Nordkirchen

, 08.02.2020, 06:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nordkirchen ist seine neue Heimat. Davon ist Pfarrer Martins Eluke mittlerweile überzeugt. Am 1. Mai 2014 - seinem Geburtstag - hat der gebürtige Nigerianer in der Maritius-Gemeinde Nordkirchen angefangen. „Das war wirklich das schönste Geburtstagsgeschenk“, sagt Pfarrer Eluke rückblickend.

Doch anfangs hat er sich in Nordkirchen nicht wohl gefühlt. „Als ich damals in Nordkirchen angekommen bin, war alles erst so lala“, gibt der Pfarrer zu. Vorher war er noch nie in Europa gewesen und hatte deswegen besonders mit dem deutschen Kulturschock zu kämpfen. „Man braucht viel Zeit, um die Menschen hier kennenzulernen, sie sind nicht so offen wie in Nigeria.“

Auch die Kultur war eine ganz andere, die Sprache auch fremd. Um Deutsch zu lernen, war er zunächst 10 Monate auf der Klausenhof-Akademie bei Bocholt. Schließlich wollte er von Anfang an die Heilige Messe halten, und gutes verständliches Deutsch mit der Gemeinde sprechen.

Nie allein gewesen

„Deutsch ist eine schwere Sprache“, sagt er in fast einwandfreiem Deutsch und lacht dabei. Er hätte lernen müssen, geduldig zu sein. Vor allem die Gemeinde war es, die ihm bei seinem Start in Nordkirchen bei allem geholfen habe.

„Wenn wir uns auf der Straße treffen, dann fragen alle immer, wie es mir geht und laden mich zu Geburtstagsfeiern ein“, erzählt der 50-Jährige. Auch Ostern und Weihnachten sei er nie alleine gewesen. Diese Gastfreundlichkeit der Gemeinschaft und das gute Pastoralteam habe ihn die gesamte Zeit unterstützt. „Ich habe viele Freunde und Freundinnen hier gefunden.“

Keine dicken Socken eingepackt

Außerdem erinnert er sich an eine lustige Geschichte ganz am Anfang seiner Zeit in Nordkirchen. „Ich hatte keine dicken Socken dabei, da haben mir die Menschen hier welche geschenkt“, erzählt er. Schließlich sei es in Nigeria immer warm. Wenn es in Nordkirchen mal geschneit habe, dann hat er Bilder in seine alte Heimat geschickt. Denn mit den Menschen dort hat immer noch er viel Kontakt. „Die wundern sich dann immer, dass ich hier nicht friere.“

Zu seinem Beruf - seiner Berufung wie er sagt - ist er schon früh gekommen. In Nigeria hatte er als Kind angefangen, in der Kirche mitzuhelfen und war Messdiener. Irgendwann hat ein Pastoralreferent ihn ermutigt, selbst Priester zu werden. „Das kann ich gut“, hatte er sich damals dann gedacht. Im August 2002 war dann seine Priesterweihe.

Schulleiter und Gemeindeleiter

Danach arbeitete er in Nigeria als Kaplan, hatte fünf Jahre lang seine eigene Gemeinde und leitete sogar mehrere Jahre eine Schule in Nigeria. Die Jugendarbeit gefalle ihm deswegen noch heute am besten. „Ich bin immer offen für was neues, deswegen wollte ich nach Deutschland kommen“, sagt er.

In Nordkirchen berichtet er ab und zu von seiner Zeit in Nigeria. „Besonders im Firmunterricht sind die Jugendlichen neugierig und ich erzähle gerne.“ Zum Beispiel, dass in Nigeria alle Plätze in den Kirchen besetzt sind. Dabei werde sonntags gleich fünfmal die Messe gefeiert. „Die Menschen beten viel öfter und intensiver.“

Musik kommt nach Nordkirchen

Was er aus seiner Heimat mit nach Nordkirchen gebracht hat, ist die Musik. „Ich singe gerne und oft, das wissen auch alle“, sagt Martins Eluke. Für ihn sei es besonders, dass die Menschen in Deutschland nicht so viel singen. Doch die Gemeinde habe er mittlerweile mit seinem Singen ein bisschen angesteckt, sagt er.

Auch eine Trommel aus seiner Heimat hat er immer neben seinem Schreibtisch stehen. In der Kirche hat sie schon einen festen Platz gefunden. „Die nehme ich auch manchmal mit in den Kindergarten und die Kinder lieben sie“.

Immer mit Lächeln auf dem Gesicht

Pfarrer Eluke scheint in der Gemeine immer gute Laune zu verbreiten. „Die Gemeinde denkt, dass ich nie traurig bin, weil ich immer ein Lächeln im Gesicht habe“, erzählt der Pfarrer. Und das stimme auch, denn mit Gott gebe es keinen Grund, traurig zu sein, sagt er.

Hoffnungsvoll blickt er auch auf den Synodalen Weg, der zukunftsweisend für die katholische Kirche sein soll. Es brauche einen neuen Weg, davon ist Pastor Eluke überzeugt. „Wir dürfen uns unsere eigene Kultur aber nicht wegnehmen und müssen den Menschen helfen, wieder Lust an der Kirche zu haben“, erklärt er. Kirche müsse weiterhin interessant bleiben.

Schönster Beruf

Doch trotz allen Problemen in der katholischen Kirche sagt Pastor Eluke voller Überzeugung: „Ich habe den schönsten Beruf, den ich mir vorstellen kann.“ Er sei alles in einem: Der Held in der Gemeinde, Seelsorger, Verkünder des Evangeliums und Freund der Menschen.

Jetzt sei es für Pfarrer Eluke an der Zeit, neue Erfahrungen zu sammeln. Zum 1. März fängt er bei der Pfarrei St. Matthias in Duisburg an. Wann genau er umzieht hat er noch nicht entschieden. „Nordkirchen werde ich aber vermissen.“

Abschiedsmesse am Sonntag
Am Sonntag, 9. Februar, wird Pfarrer Eluke in der St. Pankratius-Kirche in Nordkirchen verabschiedet. Der Gottesdienst beginnt um 11 Uhr, anschließend gibt es einen Empfang im Pfarrheim.
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