Nur die Wahrheit zeichnen

Jan Böhmermanns "Schmähgedicht" auf den türkischen Präsidenten Erdogan oder die Mohammed-Karikaturen des französischen Satire-Magazins Charlie Hebdo findet Waldemar Mandzel geschmacklos. Mit dieser Art von Satire hätten seine Karikaturen nichts zu tun. "Was ich zeichne, hat ein Fundament", sagt der Karikaturist.

BOCHUM

, 20.04.2016, 06:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

"Ich zeichne nur die Wahrheit", sagt Mandzel. Natürlich tut er das zugespitzt, pointiert. Doch was er zeichne, basiere immer auf Tatsachen, aktuellen politischen Geschehnissen. Und bei seinen politischen Karikaturen kann einem schon mal das Lachen im Hals stecken bleiben. Aber das ist gewollt.

Hochaktuell

Die etwa 30 Karikaturen, die Mandzel im Bochumer Stadtarchiv zeigt, sind hochaktuell, auch wenn sie nicht unbedingt in den letzten Monaten entstanden sind. Die Themen "Krieg, Hunger, Flucht", nach denen er die Ausstellung benannt hat, seien sozusagen "Dauerbrenner", so der 67-Jährige.

Der riesige Hai namens "EU-Flüchtlingspolitik", der kurz davor steht ein Flüchtlingsboot zu verschlingen, ist da nur ein Beispiel für die Aktualität seiner Zeichnungen.

Warnung vor Fremdenhass

Doch nicht nur die Flüchtenden selber, sondern auch die Ursachen für ihre Flucht stellt Mandzel dar: Hunger, Unterdrückung, Ausbeutung, Armut, Krieg. "Was wir jetzt erleben ist nur eine Art Vorspiel", sagt Mandzel. Deshalb warnt er auch vor schleichend zunehmendem Fremdenhass.

 

Seine Karikaturen regen zum Nachdenken an. "Macht es einen Unterschied, ob ich vor Kugeln oder vor Hunger fliehe?", fragt eine afrikanische Frau in einer seiner Zeichnungen einen Beamten.

Merkel und Böhmermann

So prangert Mandzel Versäumnisse der Politik und Ungerechtigkeiten der Gesellschaft an - überspitzt, aber nicht verletzend.

Die Diskussion um Jan Böhmermann und die Meinungsfreiheit hält Mandzel für "verlogen und unehrlich". Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel sich im Fall Böhmermann "gegen die Pressefreiheit entschieden hat", verwundert ihn. Charlie Hebdo habe Merkel schließlich damals verteidigt.

Stadtarchiv Bochum: "Krieg - Hunger - Flucht", ab 23. April 2016 (Eröffnung 22. April 17 Uhr), Wittener Straße 47, Di-Fr 10-18 Uhr, Sa, So und an Feiertagen 11-17 Uhr.