NRW hält an offenen Schulen fest - Impfstoff-Reserven sollen helfen

Coronavirus

Nach dem Astrazeneca-Stopp sucht NRW Wege, um Lieferengpässe zu vermeiden. Erzieher und Lehrer können erst mal nicht geimpft werden. Trotzdem sollen die Schulen alle offen bleiben.

Düsseldorf

16.03.2021, 18:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
In NRW sollen die Schulen geöffnet bleiben.

In NRW sollen die Schulen geöffnet bleiben. © picture alliance/dpa

Trotz steigender Corona-Neuinfektionsraten und mindestens vorläufigem Astrazeneca-Impfstopp hält Nordrhein-Westfalen an der Öffnung der Schulen fest. Die drittgrößte NRW-Stadt Dortmund darf die Schulen ab Mittwoch - anders als erwünscht - nicht schließen.

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte dazu am Dienstag nach einer Kabinettssitzung in Düsseldorf: Wenn der Stadt bei einer Neuinfektionsrate von 71,2 - gerechnet auf 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen - nichts anderes einfalle, als Schulen zu schließen, werde sein Haus das umgehend ablehnen.

Dortmund Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) hatte die angestrebte Schließung aller Schulen auch mit dem vorläufigen Impfstopp des Astrazeneca-Vakzins begründet. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) räumte ein: „Das ist zweifellos ein Rückschlag für die deutsche Impf-Kampagne.“

Beim nächsten „Impf-Gipfel“ der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin sei zu erörtern, wie Bürokratie in der Organisation abgebaut und das Impfen beschleunigt werden könne. „Ich bin überzeugt: Deutschland kann Organisation und Logistik. Diese Stärke müssen wir ausspielen.“

NRW will Impfstoff-Lieferengpässen mit Reserven begegnen

Nach dem Astrazeneca-Impfstopp seien Impfungen bei der großen Gruppe der Kita-Erzieherinnen und Lehrer in NRW zunächst nicht möglich, berichtete Laumann. Da die Zweit-Impfung mit dem Vakzin 12 bis 13 Wochen Zeit habe, beunruhige ihn diese Frage, die in NRW frühestens Mitte April akut werde, zunächst aber nicht.

NRW werde zunächst mit einer Reserve auf die neue Lage reagieren, berichtete Laumann. Von den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna seien rund 50 Prozent der Dosen zurückgelegt worden, um auf Lieferengpässe zu reagieren. Die Reserve werde um 150 000 Dosen verkleinert, um bis Ende März ebenso viele Menschen zusätzlich impfen zu können, sagte Laschet. Das werde Behinderten in Eingliederungseinrichtungen und zu einem kleineren Teil über 80-Jährigen zugutekommen.

NRW stehe bei den Corona-Schutzimpfungen kurz vor der Zwei-Millionen-Marke, sagte Laschet. Trotz der bedauerlichen Atsrazeneca-Pause könne aber festgestellt werden: „Unsere Schutzmauer um die besonders Verwundbaren steht und wirkt.“ Während es zum Jahreswechsel unter den Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen noch über 5000 Infizierte in NRW gegeben habe, seien es in dieser inzwischen durchgeimpften Gruppe jetzt nur noch 300 Infizierte und damit 94 Prozent weniger.

Über 850 000 Menschen über 80 Jahre hätten bereits über 1,7 Millionen Impftermine in NRW vereinbart. Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz lag am Dienstag laut Robert Koch-Institut bei 82,9.

Mehr Tempo beim Impfen

Auch bei den kostenlosen Bürger-Tests gehe es voran, berichtete Laschet. Inzwischen seien in NRW 1724 Test-Stellen genehmigt worden. Dort seien bereits rund 100 000 Tests auf das Coronavirus gemacht worden, von denen 1210 positiv ausgefallen seien. Damit liege die Quote bei 1,2 Prozent.

Laumann räumte aber ein: „Wir haben jetzt eine Krise, wenn ein Impfstoff wie Astrazeneca eine Impfpause macht.“ Die Frage, ob Bürger sich auf eigene Verantwortung mit Astrazeneca impfen lassen dürften, könne er nicht beantworten, sagte Laschet.

Dies habe die Europäische Arzneimittelagentur zu beantworten. In jedem Fall müsse beim Impfen mehr Tempo gemacht werden. Die Haftung bei gesundheitlichen Schäden durch den Impfstoff liege beim Land, sagte Laumann.

Wegen des Astrazeneca-Impfstopps und der Dortmunder Boykottankündigung gegen Schulöffnungen kommt der Landtag am Freitag auf Antrag von SPD und Grünen zu einer Sondersitzung zusammen. „Der Landesregierung entgleitet das Corona-Management“, erklärten die Fraktionsvorsitzenden Thomas Kutschaty (SPD) und Josefine Paul (Grüne).

Laschet rät von Mallorca-Reise ab

Am 22. März treffen sich die Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin zur nächsten großen Corona-Konferenz. Angesichts der Entwicklung der Zahlen halte er es für fraglich, ob für Deutschland touristische Öffnungen möglich seien, sagte Laschet, der auch CDU-Bundeschef ist.

Dass die Reisewarnung für Mallorca aufgehoben worden sei, sei den niedrigen Neuinfektionsraten dort zu verdanken. „Ich würde trotzdem nicht jedem empfehlen, jetzt dahin zu reisen“, sagte Laschet.

dpa

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