NRW: Alle Häftlinge sollen feuerfeste Matratzen bekommen

Brandschutz

Der Feuertod des unschuldig eingesperrten Syrers Amad A. in der JVA Kleve hat neben politischen nun auch praktische Folgen: Binnen drei Jahren sollen 18 000 Schlafplätze umgerüstet werden.

Düsseldorf

21.06.2020, 10:46 Uhr / Lesedauer: 1 min
Binnen drei Jahren sollen 18 000 Haftplätze in NRW umgerüstet werden.

Binnen drei Jahren sollen 18 000 Haftplätze in NRW umgerüstet werden. © picture alliance/dpa

Das Justizministerium will alle rund 18 000 Haftplätze in NRW mit neuen, schwer entzündlichen Matratzen ausstatten. Das bestätigte ein Sprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Expertenkommission: Empfehlungen zum Brandschutz

Das Projekt gehe auf Empfehlungen einer Expertenkommission zurück, die nach einem tödlichen Brand in der JVA Kleve einberufen worden war: Im September 2018 hatte der unschuldig inhaftierte Syrer Amad A. in seiner Zelle Feuer gelegt und war später gestorben.

Die Kommission hatte vor einem Jahr in einem rund 100-seitigen Bericht auch Empfehlungen zum Brandschutz gegeben. Neben schwer entzündbarem Mobiliar ging es auch um die Matratzen. Das Justizministerium wies im Rechtsausschuss des Landtags später darauf hin, dass die feuerfesten Matratzen „nach ersten Schätzungen in den nächsten drei Jahren etwa vier Millionen Euro erfordern“ würden.

Tödlicher Brand in JVA-Zelle

Noch in diesem Jahr sollen nun die ersten 6000 Matratzen samt passendem Kopfkeil geliefert werden. Der Rest bis 2022, wie es in der Ausschreibung heißt. Amad A. war am 17. September 2018 beim Brand in seiner Zelle schwer verletzt worden. Er starb kurze Zeit später im Krankenhaus.

Laut einem Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft hatte er das Feuer selbst gelegt und dazu unter anderem Bettzeug und eine Matratze aufgetürmt. Die Umstände der Verwechslung und des Todes von Amad A. werden zurzeit noch in einem Untersuchungsausschuss des Landtags aufgearbeitet.

dpa

Lesen Sie jetzt