"Nothilfe" bringt Geldbuße ein

<p>GERICHT. (mari) Das durchaus lobenswerte Ansinnen eines 36-jährigen Recklinghäusers, nämlich eine Unfallflucht zu verhindern, wurde vom Amtsgericht Dorsten mit einer Geldstrafe geahndet.</p>

von BöckmanH

, 26.07.2008, 12:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Denn nach Ansicht des Amtsgerichts hatte der Angeklagte dabei zu strafbaren Mitteln gegriffen und sich selbst der Sachbeschädigung schuldig gemacht.

Gegen dieses Urteil zog der 36-Jährige mit der Berufung vor dem Landgericht Essen zu Felde. "Das ist eine Unglaublichkeit, dass er wegen Sachbeschädigung zur Verantwortung gezogen wurde. Unser Ziel ist ein Freispruch", ging Verteidiger Andreas Perner gleich in die Offensive. Der Kern des Geschehens, um das es ging, war unstrittig. Der Angeklagte hatte am 21. Mai 2007 an der Brüderstraße in Dorsten beobachtet, wie eine Frau in einem alten Polo beim Ausparken ein anderes Fahrzeug beschädigte. Als die Frau weiterfuhr, nahm der 36-Jährige an, dass sie Unfallflucht begehen wollte und versuchte, sie zu stoppen. Als dies misslang, warf er einen Jutebeutel, in dem sich eine zur Hälfte gefüllte Flasche mit Duschgel, ein Handtuch und eine viertel volle Flasche Mineralwasser befanden, gegen die Heckscheibe des davonfahrenden Autos.

Der Angeklagte habe "aus wenigen Metern Entfernung mit Wucht und aus Wut" den Jutebeutel geschleudert und dabei die Heckklappe beschädigt, stellte das Amtsgericht fest. "Das ist im Urteil nicht richtig wiedergegeben", monierte Verteidiger Perner. "Ich habe vorher versucht, ans Seitenfenster zu klopfen. Ich bin davon ausgegangen, dass die Fahrerin mich nicht gesehen hat, und wollte mich mit dem Beutel nur bemerkbar machen", erläuterte der Angeklagte. Sein Anwalt fügte hinzu: "Das ist doch großartig, dass sich jemand kümmert."

Nach Meinung des Anwalts habe es sich bei dieser Tat juristisch um eine Form der "Nothilfe" für den geschädigten Autofahrer gehandelt. "Mit der Nothilfe tue ich mich schwer", konterte Richterin Gabriele Jürgensen. "Man guckt nach dem Kennzeichen und beschädigt nicht das Auto."

Nachdem die Fronten der juristischen Auffassungen damit geklärt waren, bewegten sich die Parteien aufeinander zu. Das Verfahren wird eingestellt, wenn der Recklinghäuser eine Geldbuße in Höhe von 350 Euro zahlt.

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