Nicht jeder kann die erste Geige spielen

Im Kino "Saiten des Lebens"

Zwei Geigen, eine Bratsche, ein Cello – ein typisches Streichquartett. Nichts Weltbewegendes, nichts Aufregendes, nichts Spannendes – im ersten Moment. Bis im Film "Saiten des Lebens" die Instrumente schweigen, die Saiten des Lebens zu klingen beginnen und sich manche Disharmonie einstellt.

von Von Klaus-Peter Heß

, 02.05.2013, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min
Quartett-Besetzung (v.l.): Mark Ivanir, Philip Seymour Hoffmann, Christopher Walken, Catherine Keener.

Quartett-Besetzung (v.l.): Mark Ivanir, Philip Seymour Hoffmann, Christopher Walken, Catherine Keener.

Krankheit, Eifersucht, Rivalität, ein deftiger Seitensprung, ein heftiger Mutter-Tochter-Konflikt – Stoff genug für eine Seifenoper. Doch Regisseur Yaron Silberman hat sein Melodram gut im Griff. Flankiert von einer erstklassigen Schauspielerriege, die nicht nur das Instrumentarium der Blicke beherrscht, sondern auch die Handhabung ihrer musikalischen Instrumente. Besonders gelungen sind die Analogien zwischen musikalischen Strukturen und menschlichen Dramen: So aufmerksam hat man wohl noch nie Beethovens Streichquartett Nr. 14 in cis-Moll gelauscht und sich noch nie so viele gescheite Gedanken dazu angehört wie in diesem Film. Selbst „klassik“-ferne Zuschauer sollten daran ihre Freude haben.

Denn selbstverständlich weist der Umgang mit Beethovens Werk weit über den musikalischen Rahmen hinaus: Es geht – natürlich – um den Team-Geist, um Kritikfähigkeit, um Solidarität, um Freundschaft und um die Kraft der Liebe. In der letzten Szene – der schönsten des ganzen Films – hat das Quartett zu neuer Harmonie gefunden. Nicht zuletzt durch die Einsicht, dass nicht jeder die erste Geige spielen, aber jeder an seinem Platz einzigartig sein kann.

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