Neuer Vorschlag für Gedenkort an deutschen Überfall auf Polen

„Platz des 1. September“

Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden in Europa und das Deutsche Polen-Institut regen an, im Zentrum Berlins an den deutschen Überfall auf Polen aus dem Jahr 1939 zu erinnern.

Berlin/Darmstadt

10.06.2020, 11:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bundeskanzlerin Angela Merkel (links) während einer Kranzniederlegung zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (links) während einer Kranzniederlegung zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs. © picture alliance/dpa

Mit einem neuen Vorschlag für einen Gedenkort in Berlin haben sich die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden in Europa und das Deutsche Polen-Institut an Parlament und Regierung gewandt.

In einem offenen Brief unter anderem an Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD), Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) und die Vorsitzenden der Bundestagsfraktionen regten sie an, die Vorschläge verschiedener Initiativen zur Erinnerung an die Opfer deutscher Besatzungspolitik im Zweiten Weltkrieg zusammenzuführen. So sollten konkretes historisches Gedenken mit Dokumentation und Bildung verbunden werden.

„Platz des 1. September“ mit einem Denkmal

Auf einem zentralen Ort in der Mitte Berlins solle ein „Platz des 1. September“ mit einem Denkmal an den deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 erinnern. Dieses Denkmal wäre auch der zentrale Gedenkort für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und die Opfer in allen deutsch besetzten Ländern und Gebieten, so der Vorschlag.

Zusätzlich solle ein Dokumentationszentrum die „individuellen und kollektiven Gewalterfahrungen der unterschiedlichen Gesellschaften und Opfergruppen verständlich“ machen und eine vergleichende Sicht ermöglichen, hieß es in dem Schreiben.

„Zentral bleibt nach unserer Auffassung das Gebot, Leerstellen historischen Wissens in der deutschen Öffentlichkeit zu beheben, über millionenfache Verbrechen aufzuklären, deutsche Besatzungsherrschaft und Vernichtungspolitik zu dokumentieren sowie die Erinnerung an das in deutschem Namen von Deutschen begangene Unrecht langfristig zu erhalten und zu stärken“, heißt es in dem Schreiben.

Ein Zeichen an Polen

Nötig sei auch, „den Dialog mit den betroffenen Gesellschaften weiter zu intensivieren“. Dabei gelte es zu zeigen, dass Deutschland sich auch in Zukunft der historischen Verantwortung für das während des Zweiten Weltkriegs über Europa gebrachte Unrecht bewusst sei.

„Unser Ziel ist es, Bewegung in die festgefahrenen Positionen zu bringen“, sagte Peter Loew, der Direktor des Deutschen Polen-Instituts, der Deutschen Presse-Agentur über die Initiative. Es sei ein Zeichen an Polen, setze mit diesem Konzept aber auch ein Signal an andere Opfergruppen.

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