Das geplante Neubaugebiet Wohr am östlichen Rand von Capelle soll möglichst viele Zielgruppen erreichen. Häuslebauer sind darunter. Aber nicht nur.

Capelle

, 12.07.2019 / Lesedauer: 5 min

Die erste Bürgeranhörung im Planverfahren zum Neubaugebiet Wohr am Mittwochabend, 10. Juli, im Heimathaus Capelle hatte eine Resonanz, von der Nordkirchens Bürgermeister Dietmar Bergmann im Gespräch mit der Redaktion sagte: „Ich hätte mehr Leute erwartet.“ Immerhin waren rund 60 Frauen und Männer erschienen, um den mit der Nordkirchener Politik abgestimmten Planentwurf der Gemeindeverwaltung zu sehen.

Bis zu 34 Einzelhäuser

Und dieser Entwurf sieht laut Bauamtsleiter Josef Klaas so aus: Zurzeit noch nur als zeichnerisch dargestellte Größe sollen bis zu 34 Einfamilienhäuser und Doppelhäuser entstehen. Dazu noch vier Mehrfamilienhäuser. Erschlossen wird das Baugebiet durch eine Straße von der Bahnhofstraße aus, die dann in das Baugebiet schwenkt und die Zufahrt zu den einzelnen Häusern ermöglicht. Die Straßenbreite wird zwischen 4,50 und acht Metern liegen. Es wird eine Art Spiel- und Freizeitplatz angelegt.

Planentwurf für das Neubaugebiet Wohr: Viel Spielraum und wenige Vorgaben

Der Umgebungsplan zeigt es: Das Neubaugebiet Wohr schließt sich nördlich der Bahnhofstraße an das östliche Ende der Bebauung Capelles an. © Arndt Brede

Weitere Erweiterung nach Osten perspektivisch denkbar

Rund drei Hektar soll das Baugebiet groß sein. „Das sind aber derzeit nur Zwischengrenzen; mehr dürfen wir von der Regionalplanung her zurzeit nicht bebauen lassen“, sagt Klaas. Gleichwohl behalte sich die Gemeinde vor, perspektivisch auch weiter nach Osten bebauen zu lassen. „Knapp drei Hektar irgendwann mal“, so Klaas. Allerdings werde die nördliche Grenze des Neubaugebiets, die sich mit der nördlichen Grenze des Altgebiets daneben deckt, nicht weiter für Wohnbebauung überschritten.

Grundstücksgrößen noch nicht festgelegt

Dass der Planentwurf noch nicht die letztendliche Lösung ist, machte der Bauamtsleiter während der Versammlung im Heimathaus deutlich: „Die Grundstücksgrößen sind noch nicht festgelegt.“ Das passiere in den Verkaufsgesprächen. „Wir können weitgehend noch Wünsche berücksichtigen.“ Gleichwohl gebe es „eine gewisse Grenze nach oben, weil wir von der Landesplanung angehalten sind, flächensparender zu bauen“. Die Vorgabe sei, dichter zu bebauen als ansonsten in Nordkirchen, Südkirchen und Capelle. Vorbehaltlich der letztendlichen Festsetzung durch den Rat der Gemeinde Nordkirchen könne er sich vorstellen, dass bei 500 Quadratmetern pro Grundstück Schluss sei. Von der Größe der Grundstücke, wie sie sich dann letztendlich in den Verkaufsgesprächen ergeben, hänge auch die tatsächliche Zahl der Einzelhäuser - also Einfamilienhäuser und Doppelhäuser - ab.

Öffentlich geförderte Mietwohnungen nicht ausgeschlossen

Bei den Mehrfamilienhäusern halte die Gemeinde die derzeit eingezeichnete Zahl von vier Häusern für realistisch. Um nicht nur Bauherren, sondern auch Mietern die Gelegenheit zu geben, nach Capelle zu ziehen oder innerhalb von Capelle umzuziehen. Die Anzahl der Mehrfamilienhäuser sei noch nicht auf vier festgelegt. Das hänge von der Nachfrage beziehungsweise von der Zahl der möglichen Investoren ab. Der Befürchtung einer Frau, die Mieten würden bei Investorenmodellen in den Mehrfamilienhäusern zu hoch sein, entgegnete Bürgermeister Bergmann so: „Es gibt ja einen Mietspiegel.“ Öffentlich geförderte Wohnungen seien nicht ausgeschlossen.

Planentwurf für das Neubaugebiet Wohr: Viel Spielraum und wenige Vorgaben

Der Radweg soll im Zuge der Gestaltung der Zufahrt zum Neubaugebiet erhalten und vernünftig angeschlossen werden. © Arndt Brede

Linksabbiegespur ins Baugebiet

Eine größere Änderung ergibt sich bei der Zufahrt zum Neubaugebiet Wohr von der Bahnhofstraße, einer Landesstraße, aus: „Von Capelle kommend, wird es eine Linksabbiegerspur ins Baugebiet geben.“ Nebeneffekt: „Die Hauptfahrbahn der Bahnhofstraße verliert ihre Geradlinigkeit.“ Es werde eine kleine Kurve geben, die für die Tempoentwicklung positiv sei, weil sie als Geschwindigkeitsbremse diene, meint Klaas. Erhalten bleibe in diesem Bereich der vorhandene Radweg. Er werde Richtung Capelle auf den Nebenast der Bahnhofstraße geführt.

Von der Vogelruthe aus werde es einen Fuß- und Radweg ins Neubaugebiet geben.

Nicht zu bunt

Was sich bereits zu diesem Zeitpunkt der Planung abzeichnet: Die Gemeinde lässt den künftigen Bewohnern Spielräume bei der Gestaltung. So sei die Dachform nicht vorgegeben. Begrünte Dächer seien unter anderem auch denkbar.Für die Außenwände können die Häuslebauer Verklinkerung, Putz oder Holz wählen. Einschränkung: „Das soll von den Farben her nicht zu bunt sein.“ Der Bebauungsplan werde Farbvorgaben machen. Allerdings werden noch Wünsche entgegengenommen und gegebenenfalls in den Bebauungsplan eingearbeitet.

Festgesetzt wird die Höhe der Mehrfamilienhäuser: „Sie sind zwingend zweigeschossig zu bauen“, berichtet der Bauamtsleiter.

Keine durchgehenden Stein-Vorgärten

Der aufzustellende Bebauungsplan wird eine Premiere enthalten, und zwar in Sachen Vorgärten: „Erstmals wollen wir der doch auch in Nordkirchen, Südkirchen und Capelle erkennbaren Tendenz zu versteinten Flächen entgegenzuwirken“, so Josef Klaas. „Sie haben am Ende grün zu sein.“ Durchgehende Steinteppiche“, wie Klaas es ausdrückt, solle es nicht geben.Was die Frage der Stellplätze betrifft, werde die Gemeinde im Bebauungsplan Vorgaben machen. Bei den Mehrfamilienhäusern gelte: Je 50 Quadratmeter Wohnfläche ist ein Stellplatz zu schaffen. Bei den Einfamilienhäusern gelte die Formel: Pro Wohnung sind 1,5 Stellplätze zu schaffen.

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Verwaltung: Gasleitung verlegen

In den letzten Wochen und Monaten hatte es intensive Diskussionen um das geplante Neubaugebiet gegeben. Unter anderem auch über die Gasleitung, die derzeit in der Trasse liegt, die jetzt per Feldweg ins Gebiet führt. Ob es, wie von Anwohnern gefordert, eine Blühstreifen über der Gasleitung geben soll, wird das weitere Planverfahren zeigen. Zunächst einmal schlägt die Verwaltung folgendes Szenario vor: Die Gasleitung wird auf Kosten der Gemeinde verlegt. Grund: Da dort, wo jetzt die Gasleitung liegt, Gärten der neuen Bewohner entstehen sollen, möchte die Gemeinde diese neuen Bewohner davor bewahren, Gelsenwasser als Betreiber der Gasleitung bei Reparaturen auf ihr Grundstück lassen zu müssen. Grund Nummer 2: „Der Pflegeaufwand des Blühstreifens ist für die Gemeinde aufwendig“, erklärt Bürgermeister Dietmar Bergmann. Zum Angebot von Anwohnern, den Blühstreifen zu pflegen, sagte Bergmann: „Wir haben in Nordkirchen schlechte Erfahrungen gemacht. Irgendwann waren die Anwohner nicht mehr in der Lage den Streifen zu pflegen, und dann musste die Gemeinde das übernehmen.“

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Bei optimalem Verlauf Erschließungsaufträge im Winter 2019

Wie geht es jetzt im Planverfahren weiter? Die Bürger können Anregungen und Bedenken im Rathaus loswerden. Der Bauausschuss wird das am 10. September auswerten. Danach gibt es eine weitere Beteiligungsrunde, in der der Bebauungsplanentwurf, dann auch mit den eventuell eingearbeiteten Anregungen der Bürger, öffentlich ausgelegt wird, wo sich die Bürger erneut äußern können. Danach trifft der Rat den Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan. Erlangt er Rechtskraft, „können wir Erschließungsarbeiten ausschreiben“, führt der Bauamtsleiter aus. Bei optimalem Verlauf sei im Winter 2019 damit zu rechnen. Wenn es schleppend geht, dann erst im nächsten Jahr. Klaas machte diese Einschränkung, weil im Flächennutzungsplan aus der bisherigen landwirtschaftlichen Fläche eine Wohnfläche werden muss. Das müsse die Bezirksregierung aber auch erst genehmigen.

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