Nach Urteil mit mehrjähriger Haftstrafe: Obdachloser kämpft um Freispruch

dzGerichtsprozess

Nach dem grausamen Gewalttod einen Mannes in Recklinghausen will der zuletzt verurteilte Hauptverdächtige weiter um einen Freispruch kämpfen – nun greift der Bundesgerichtshof ein.

Bochum

, 16.09.2020, 18:20 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Verurteilung eines Obdachlosen nach dem Fund einer grausam zugerichteten Männerleiche in einer Mietwohnung Recklinghausen ist nicht das letzte Wort. Der 40-Jährige hat Revision eingelegt – gemeinsam mit seinem Verteidiger Jens Tuschhoff (Oer-Erkenschwick) will er nun beim Bundesgerichtshof (BGH) erst um eine Neuverhandlung und dann um einen Freispruch kämpfen.

Das Bochumer Schwurgericht hatte den drogenabhängigen Mann kürzlich zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Bochumer Richter waren nach mehrmonatiger Verhandlung sicher überzeugt, dass der 40-Jährige das ihm als ehemaligen Untermieter bekannte Opfer aus Wut über ein Drogengeschäft gefesselt, gequält und schließlich mit einem Lampenfuß zu Tode geprügelt hat. „Er wollte töten und er hat getötet“, hatte Richter Josef Große Feldhaus in der Urteilsbegründung erklärt.

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Urteil noch nicht rechtskräftig

Vor allem durch zwei auf seinem Handy entdeckte Videos, die den Todeskampf des 33-Jährigen ablichten, hatte sich der Angeklagte in den Augen der Richter quasi selbst als Täter überführt. Auch seien seine DNA-Spuren an entscheidenden Stellen gefunden worden und außerdem habe eine Zeugin sogar davon berichtet, dass der Angeklagte ihr die Tötung gestanden habe.

Der Obdachlose hatte sich dagegen auf einen drogenbedingten Filmriss berufen. Er will im April 2019 zwar vor Ort in der Wohnung gewesen, aber erst nach der - offenbar durch jemand anderen verübten - Bluttat wieder zu sich gekommen sein. Durch das Einlegen von Revision ist das Totschlags-Urteil nicht rechtskräftig. Mit einem Ergebnis beim BGH ist wohl frühestens im Frühjahr 2021 zu rechnen.

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