Nach Schlägen auf den Kopf eines 70-Jährigen: Pflegedienstleiter vor Gericht

dzProzess

Ein 70-jähriger Mann wird bei einer Gartenparty brutal mit einem Stock geschlagen. Hirnblutungen, Lebensgefahr. Jetzt steht der Täter vor Gericht. Er war Pflegedienstleiter.

Essen

, 22.04.2020, 17:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sein Job war die Pflege von alten und kranken Menschen. Dafür hat der 44-jährige Angeklagte in den letzten fünf Jahren alles gegeben. Er war mit dabei, als in Essen ein neuer, ambulanter Pflegedienst entstand, wurde sogar zum Partner ernannt. Doch das ist nun alles Geschichte.

Schuld ist der 23. Mai 2019, ein ganz normaler Donnerstag. Der 44-Jährige war von einem Bekannten in dessen Schrebergarten eingeladen worden. Ein paar Stunden später saß er im Polizeigewahrsam, seit Mittwoch steht er in Essen vor Gericht. Der Vorwurf: versuchter Totschlag.

Rentner musste mit Hirnblutungen auf die Intensivstation

Was war passiert? Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Angeklagte seinen 70-jährigen Bekannten mit einem Stock attackiert hat. Die Schläge auf den Kopf des Rentners waren so hart, dass es zu Hirnblutungen kam. Krankenhaus, Intensivstation.

Doch daran will sich der 44-Jährige gar nicht erinnern können. Zum Prozessauftakt vor dem Essener Schwurgericht sprach er von einem Filmriss. Und davon, dass er sich das alles überhaupt nicht erklären könne.

Schuld war eindeutig der Alkohol. Der Angeklagte hatte nach eigenen Angaben praktisch nichts gegessen, dann aber mächtig dem Whisky zugesprochen. „Ich habe mich hinreißen lassen, dabei ist Alkohol gar nicht mein Ding.“ Er trinke praktisch nie, allein schon wegen der Arbeit. Auch am nächsten Tag habe er eigentlich Dienst gehabt.

Angeklagter über Opfer: „Eigentlich ein super Typ“

Warum er den 70-Jährigen überhaupt angegriffen hat? Ein Rätsel. „Der ist eigentlich ein super Typ.“ Man habe sich bestens verstanden.

Dass er zugeschlagen hat, will der Angeklagte nicht bestreiten. Auch nicht, dass er später volltrunken mit einem Auto des Pflegedienstes geflohen ist. Die Fahrt war allerdings auch schnell zu Ende. Er kam von der Straße ab, prallte gegen eine Mauer. Sachschaden: über 30.000 Euro. Einen Führerschein hatte er übrigens auch nicht.

Doch auch an die Harakiri-Fahrt will sich der Angeklagte nicht erinnern können. „Ich bin im Krankenhaus zu mir gekommen und wusste gar nicht, was passiert ist.“ Die Polizei hat kurz nach dem Unfall rund 1,8 Promille ermittelt. Außerdem wurde Cannabis im Blut entdeckt.

Seinen Job beim Pflegedienst ist der Angeklagte los. Der Prozess wird fortgesetzt.

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