Nach „Sabine“ neue Sturmböen in NRW erwartet - Schulen öffnen wieder

Sturm in NRW

Leere Bahnsteige, abgesagte Flüge, genervte Eltern: „Sabine“ hat das Leben in NRW am Montag kräftig durcheinandergebracht. Der Orkan ist zwar überstanden, doch die Gefahr nicht ganz gebannt.

NRW

10.02.2020, 16:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nach „Sabine“ neue Sturmböen in NRW erwartet - Schulen öffnen wieder

In Heek hat Orkantief Sabine einen Giebel zum Einsturz gebracht. Menschen wurden nicht verletzt. Das Haus musste abgerissen werden. © Kreis Borken

Orkantief „Sabine“ hat Nordrhein-Westfalen weniger heftig getroffen als befürchtet - doch die Gefahr ist noch nicht ganz gebannt. Ein wechselhaftes Schauerwetter und Sturmböen bis Windstärke neun können das Bundesland auch am Dienstag noch durcheinanderwirbeln, erklärte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Essen. „Der Wind wird punktuell wieder auffrischen“, sagte ein Sprecher, auch wenn er insgesamt zurückgehe.

Der Landesbetrieb Wald und Holz warnte Spaziergänger und Freizeitsportler davor, die Wälder in NRW zu betreten. „Die bis Dienstag erwarteten Windgeschwindigkeiten reichen weiterhin aus, in den angeschlagenen Wäldern Bäume zu entwurzeln und schwere Äste herabstürzen zu lassen“, hieß es.

Schulen und Kitas öffnen wieder

Etliche Schulen und Kitas sollten dagegen am Dienstag wieder öffnen. Der Betrieb werde wieder aufgenommen, teilten etwa die Städte Aachen, Köln, Düsseldorf und Moers am Montag mit. „Es liegt im Ermessen der Eltern, ob ihre Kinder bei der herrschenden Witterung den Weg zur Schule gefahrlos zurücklegen können oder nicht“, erklärte die Stadt Köln. Andere Städte, darunter Dortmund, Münster und Essen, stimmten sich zum Schulbetrieb zunächst noch ab.

In der Nacht auf Montag hatte „Sabine“ teils orkanartige Winde gebracht, die Feuerwehr wurde zu hunderten Einsätzen gerufen. Trotzdem ist NRW eher glimpflich davongekommen. Am Vormittag kam der Bahnverkehr nach der Orkannacht wieder in Gang, und auch auf den Autobahnen gab es kaum noch Sperrungen durch umgestürzte Bäume. Die Schäden in den Wäldern sind nach ersten Einschätzungen von Wald und Holz weniger dramatisch als befürchtet.

Nach „Sabine“ neue Sturmböen in NRW erwartet - Schulen öffnen wieder

Die A45 bei Hagen war mehrere Stunden voll gesperrt. © picture alliance/dpa

Einige Verletzte und Stromausfälle

„Sabine war wohl doch nur ein Sabinchen“, schrieb die Stadt Solingen in ihrer Bilanz. Die Erleichterung war vielen Einsatzkräften anzumerken. Allerdings gab es einige Verletzte durch den Sturm. In einigen Ortschaften fiel der Strom aus.

Vor logistischen Problemen standen am Montagmorgen Eltern von Schul- und Kindergartenkindern. Etliche Städte hatten den Unterricht an ihren Schulen ausfallen lassen. Auch viele Kindertagesstätten blieben ganz geschlossen oder boten nur eine Notbetreuung an. Viele Eltern mussten kurzfristig Alternativen organisieren oder freinehmen.

An den beiden größten NRW-Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn wurden wegen des Sturms insgesamt 165 Flüge storniert. Vor allem die Entscheidung von Eurowings, während des Sturms fast alle Flüge zu streichen, führte an den beiden großen NRW-Flughäfen zu Annullierungen.

Die höchste Windgeschwindigkeit in Nordrhein-Westfalen wurde in der Nacht auf Montag auf dem Kahlen Asten (842 Meter) gemessen. Einer Grafik auf Kachelmannwetter.de zufolge war dort eine Orkanböe 137 Stundenkilometer schnell. Dies entspricht Windstärke 12. Orkanartige Böen wurden demnach unter anderem in Wuppertal (111 km/h), Aachen und Werl (beide 106 km/h) registriert.

Hunderte Einsätze der Feuerwehr

Die Feuerwehrleute waren vielerorts im Dauereinsatz, landesweit gab es Hunderte Einsätze. In Mülheim an der Ruhr hatten zwei Insassen eines Autos großes Glück: Ein 25 Meter hoher Baum stürzte um und erwischte ihren fahrenden Wagen im hinteren Bereich. „Wäre das Fahrzeug nur eine Sekunde eher an der Stelle gewesen, hätte es wesentlich schlimmer ausgehen können“, berichtete die Feuerwehr.

In Paderborn erlitt ein 16-Jähriger durch einen herabstürzenden Ast Kopfverletzungen. In Essen wurde eine 47 Jahre alte Frau von einer herabstürzenden Schieferplatte leicht verletzt. In Duisburg wurde ein Feuerwehrmann im Einsatz leicht am Auge verletzt.

Die Einsatzkräfte waren nicht nur mit dem Zersägen von Bäumen beschäftigt, die auf Straßen, geparkte Autos oder gegen Häuser gefallen waren. So berichtete die Feuerwehr Essen, dass mehrfach Bauzäune oder Baugerüste gesichert werden mussten - ebenso Baustellentoiletten, ein Pavillon oder Trampoline. Gelockerte oder herabgewehte Dachziegel waren ebenfalls häufig.

Dem Deutschen Wetterdienst zufolge soll der Wind auch am Mittwoch weiter zurückgehen. Einzelne Schauer seien möglich.

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