Nach Anschlägen auf türkische Geschäfte: Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

Kriminalität

Im oberbayerischen Waldkraiburg hatte es mehrere Anschläge auf Geschäfte türkischstämmiger Inhaber gegeben. Ein Verdächtiger sitzt in Untersuchungshaft. Nun übernimmt die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen.

Waldkraiburg/Karlsruhe

19.05.2020, 19:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Polizei sucht in Waldkraiburg auch öffentlich nach Hinweisen.

Die Polizei sucht in Waldkraiburg auch öffentlich nach Hinweisen. © picture alliance/dpa

Nach Anschlägen auf Geschäfte türkischstämmiger Inhaber im oberbayerischen Waldkraiburg hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen.

Grund sei die besondere Bedeutung des Falls, sagte der Sprecher der Bundesanwaltschaft am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in Karlsruhe. Außerdem bestehe der Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Rohrbomben, Chemikalien und eine Pistole

Seit April waren in Waldkraiburg (Landkreis Mühldorf am Inn) die Scheiben dreier türkischer Läden eingeschlagen und ein Feuer in einem Gemüseladen gelegt worden. Sechs Menschen wurden verletzt.

Vor anderthalb Wochen hatte die Polizei einen Tatverdächtigen am Bahnhof in Mühldorf am Inn festgenommen. Fast zwei Dutzend funktionsfähige Rohrbomben wurden bei ihm gefunden, kiloweise Chemikalien und eine Pistole.

Der in Deutschland geborene Mann muslimischen Glaubens hat die Anschläge gestanden. Der 25-Jährige hatte sich selbst als IS-Kämpfer bezeichnet und Hass auf Türken als Motiv angegeben. Der mutmaßliche Täter sitzt seither in Untersuchungshaft. Wegen des Brandanschlags mit sechs Verletzten wird ihm auch versuchter Mord vorgeworfen.

Spekulationen über Einzeltäter

Vor allem auch wegen dieser Tat misst die Bundesanwaltschaft dem Fall besondere Bedeutung bei. In Bayern hatte die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus bei der Generalstaatsanwaltschaft München den Fall betreut.

Der Tatverdächtige plante einem „Spiegel“-Bericht zufolge aber auch Attentate auf Moscheen und Imame. Wie das Magazin am Dienstag online berichtete, soll es um Sprengstoff- und Bombenanschläge unter anderem auf Gotteshäuser des türkischen Moschee-Verbandes Ditib in der Umgebung von Waldkraiburg sowie auf die Ditib-Zentral-Moschee in Köln gehen. Die Imame habe er per Pistole ermorden wollen, schreibt der „Spiegel“ weiter.

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Zudem soll der 25-Jährige einen Bombenanschlag auf das türkische Generalkonsulat in München vorbereitet haben. Weder die Bundesanwaltschaft noch die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus bei der Generalstaatsanwaltschaft München oder die oberbayerische Polizei machten zunächst zu Details Angaben.

Spekulationen über Mittäter

In Waldkraiburg hatten die Menschen auch nach der Festnahme spekuliert, ob der Mann ein Einzeltäter ist. Der Londoner Extremismusforscher Peter Neumann hatte die Waldkraiburger Anschläge als etwas Neues eingestuft. Es sei das erste Mal, dass ein mutmaßlicher Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat türkische Ziele in Europa ins Visier genommen habe.

„Anschläge auf türkischstämmige Menschen ohne kurdischen Hintergrund sind in Europa eine wirkliches Novum“, sagte er der dpa. Es sehe so aus, als ob es sich um einen Einzeltäter handele, der sich als „einsamer Wolf“ über das Internet radikalisierte.

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