Mutter entsorgt ihr neugeborenes Mädchen wie Müll und zeigt keine Reue

dzLandgericht Bochum

Eine 35-jährige Mutter hat ihr neugeborenes Baby kurz nach der heimlichen Hausgeburt wie Müll in einem Plastiksack entsorgt. Dafür ist sie jetzt hart bestraft worden.

Bochum

, 21.11.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Höchstens eine Stunde hatte das Herz des neugeborenen Babys geschlagen, als es vor drei Jahren das Licht der Welt erblickte. Ihre Mutter tötete das kleine Mädchen herzlos, um ihre Lebenslüge aufrecht zu erhalten – davon war das Bochumer Schwurgericht am Ende überzeugt. Die 35-Jährige Mutter ist am Donnerstag dafür wegen Totschlags zu acht Jahren Haft verurteilt worden.

Die damals 32-Jährige hatte im Oktober 2016 in Bochum-Hiltrop heimlich ein Kind zur Welt gebracht. Die Babyleiche war dann aber kurz danach zusammen mit blutigen Kleidungsstücken in ihrem Elternhaus in einem Plastiksack entdeckt worden.

Auf die Spur gekommen waren die Ermittler der Mutter über ihr auffälliges Verhalten in einem Krankenhaus. Dorthin war die 32-Jährige am Tag nach der heimlichen Hausgeburt mit einem Rettungswagen eingeliefert worden und hatte über angebliche Nierenkoliken geklagt. In der Klinik war dann aber schnell festgestellt worden, dass die Angeklagte erst vor Kurzem ein Kind zur Welt gebracht haben muss.

Mädchen hatte höchstens eine Stunde gelebt

Die Bochumer Richter stützten ihr Urteil vor allem auf medizinische Gutachten. Sie gehen davon aus, dass das Herz des Neugeborenen höchstens eine Stunde lang geschlagen hat und dass das Babymädchen dann erstickt ist. Tatmittel soll laut Urteil „sehr wahrscheinlich“ ein feuchtes Tuch gewesen sein.

Mit der seit Oktober 2019 in U-Haft sitzenden Angeklagten gingen die Richter beim Urteil hart ins Gericht. „Sie hat im Verfahren nicht ansatzweise Reue gezeigt, höchstens Selbstmitleid“, hieß es in der Urteilsbegründung.

Bereits zwei Kinder zur Adoption freigegeben

Durch die Tötung des Neugeborenen habe die 32-Jährige ihre Lebenslüge aufrechterhalten wollen. Schon bei zwei früheren Geburten war es der 32-Jährigen gelungen, die Schwangerschaften vollständig vor ihrem Umfeld geheim zu halten. Sogar dem Kindsvater soll die 32-Jährige schon damals vorgespiegelt haben, wegen Nierenkoliken ins Krankenhaus zu müssen. Die Kinder soll sie dann sofort zur Adoption freigegeben haben.

Mit dem Urteil blieben die Richter ein Jahr unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die neun Jahre Haft gefordert hatte. Die Verteidiger, Janine und Henry Alternberg hatten dagegen bis zuletzt auf eine Bewährungschance gehofft.

Verteidiger: Kranke, gescheiterte Person

Die Anwälte hatten vor allem die psychisch schweren Probleme der Angeklagten in den Vordergrund gestellt. „Sie hat im Grunde ihre Strafe schon und muss damit klarkommen, dass ihr Kind zu Tode gekommen ist“, sagte Verteidigerin Janine Alternberg. Die 32-Jährige sei „keine lächelnde Kindermörderin, sondern eine gescheiterte, kranke Person, die in Passivität verharrt ist“.

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