Musical: "West Side Story" in Düsseldorf

DÜSSELDORF Manchmal sagt der Erfolg doch alles. Von Anfang an geliebt und gefeiert, hat die "West Side Story" auch nach 50 Jahren nichts von ihrem Zauber verloren.

von Von Klaus Lipinski

, 03.07.2008, 16:36 Uhr / Lesedauer: 1 min
Vor allem die Gruppen-Tanzeinlagen überzeugten bei der Düsseldorfer Aufführung des Musical-Klassikers.

Vor allem die Gruppen-Tanzeinlagen überzeugten bei der Düsseldorfer Aufführung des Musical-Klassikers.

Zuverlässig funktioniert der Druck auf die Tränendrüse, und wer Bernsteins Melodien nicht schon vorher im Kopf hatte, summt sie auf dem Heimweg. Das war auch nach dem Besuch der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf nicht anders. Dort bietet die einzige Produktion, die sich mit dem Titel "Original" schmücken darf, noch bis zum 19. Juli einen aufschlussreichen Blick in die eigene Geschichte. Der führt natürlich nicht ins Musical-Museum. Einerseits zeigt die originale Choreografie, wie bahnbrechend modern damals das Konzept gewirkt haben muss, und wie sehr es viele spätere Musicals tänzerisch beeinflusst hat. Andererseits fügen Licht, Ausstattung und Regie eine zusätzliche neue Dynamik hinzu, die auch für den heutigen Betrachter spannend wirkt.

Ursprüngliche Ideen

Joey McKneely fühlt sich als Regisseur dem künstlerischen Erbe verpflichtet. Schließlich war er Solotänzer und Assistent von Jerome Robbins, der das Musical zusammen mit Leonard Bernstein entwickelte und umsetzte. Schritt für Schritt verwendet McKneely die ursprünglichen Ideen.

Unsterbliche Musik

Bernstein schrieb nicht nur die unsterblich gewordene Musik, sondern überwachte auch die rhythmische Entwicklung der Tanzszenen. Ein Grund, warum sie mit Kraft und hohem Tempo der stärkste Teil der Düsseldorfer Aufführung sind. Die Gruppen sind ihr eigentlicher Hauptdarsteller. Mit einer Ausnahme: Lana Gordon als Anita entfaltete eine enorme Bühnenpräsenz. Sofia Escobar und Scott Sussmann als Maria und Tony spielten dagegen besser als sie singen, das dafür aber gut. Der Tenor presste etwas in den Höhen, Escobar ist darstellerisch eine Idealbesetzung, die ihre Rolle als naives Mädchen auch gesanglich nicht verlor. Aber zugegeben, die Messlatte liegt bei diesem Stück sehr hoch.

Inhaltlich war die Übertragung der Geschichte von Romeo und Julia in die damals zeitgenössische soziale Realität so etwas wie eine der ersten Aktualisierungen im Regietheaters. Sie wirkt noch heute.

 Termine: bis 19. Juli außer montags, Karten: Tel. 0180 / 51 52 530.