Museumschef sieht die Arbeit als Abenteuer

Dasa in Dortmund

Die Dasa, die Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund, ist eigentlich eine Eier legende Wollmilchsau. Sie ist kein Museum, bietet aber eine hochinteressante Ausstellung. Sie ist kein Science-Center, bietet aber ungeheuer viele Attraktionen zum Mitmachen. Eigentlich ist die Dasa ein Schiff ins Abenteuer - und Gregor Isenbort ist der Kapitän. Aber wohin will der 45-Jährige steuern?

DORTMUND

, 10.05.2016, 14:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit drei Jahren leitet Isenbort das Haus als Nachfolger des Gründungsdirektors Gerhard Kilger, der die Dasa seit 1993 aufgebaut hatte und 2013 in den Ruhestand gegangen war. Die Größe dieses Gebäudes in der Nähe der Dortmunder Uni macht jedes Kunstmuseum nass. 180000 Besucher toben (seit der Gesamteröffnung anno 2000) pro Jahr über 13000 Quadratmeter Ausstellungsfläche.

Flugsimulator

Die Dasa wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales getragen. Der gebürtige Ostwestfale Isenbort verantwortet einen Etat von vier Millionen Euro pro Jahr (ohne Personal). Eine Million Euro pro Jahr ist die "freie Spitze", die in neue Attraktionen fließt.

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Und da kann Isenbort bereits auftrumpfen: Den Flugsimulator, noch angestoßen von Gerhard Kilger, gibt es seit April 2013. Der Tower-Simulator arbeitet seit Januar dieses Jahres. "Das ist der Einzige, der in Europa öffentlich zugänglich ist", sagt Isenbort über diesen im wahrsten Sinn des Wortes riesigen Anziehungspunkt. Auch eine Top-Attraktion: die Feuerwache, in der echte (komplett anonymisierte) Notrufe auflaufen.

Rost im Farnwald

Doch es gibt auch Baustellen. Der Farnwald im Obergeschoss zum Beispiel. Eigentlich wunderschön, doch wegen der feuchten Luft nagt der Rost an den Stationen, an denen der Besucher seine Sinne testen kann. "Hier muss renoviert werden", sagt Isenbort. "Meine Idee ist, einen Dschungel zu bauen." Denn diese Oase der Ruhe, in der die Besucher Atem schöpfen können, möchte er unbedingt erhalten.

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Dasa

Die Dortmunder Dasa steht vor großen Veränderungen. Wir haben uns mit Gregor Isenbort, dem Direktor der Arbeitswelt Ausstellung, die neu gestalteten Bereiche und die zukünftigen Baustellen angesehen.
19.02.2016
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Gregor Isenbort zeigt die nachgebaute Leitstelle der Feuerwehr. Vor allem wegen ihrer Nähe zur Realität ist das eine der Top-Attraktionen der Dasa. © Foto: Oliver Schaper
Ganz wie im wirklichen Leben: Die Kleidung der Feuerwehrleute wartet auf den Einsatz. © Foto: Oliver Schaper
Auch der Flugsimulator ist ein herausragender Bereich und immer umlagert. © Foto: Oliver Schaper
Die neuen Bereiche zur Fliegerei wirken sehr stimmungsvoll. © Foto: Oliver Schaper
Auch die aktuelle Ausstellung zu den Robotern ist einen Besuch wert. Dazu gehört auch die künstliche Maria aus dem Film "Metropolis" von Fritz Lang. © Foto: Oliver Schaper
Moderne Roboter sehen nicht aus wie Menschen, nehmen uns aber wichtige und gefährliche Aufgaben ab. © Foto: Oliver Schaper
Der Farnwald im Obergeschoss der Dasa ist schön, aber sanierungsbedürftig. © Foto: Oliver Schaper
Einer der "Elementarräume", die künstlerisch-symbolhaften Charakter haben. Dieser hat im Laufe der Jahre sehr gelitten und soll künftig anders verwendet werden. © Foto: Oliver Schaper

Ein paar Schritte weiter erlebt der Betrachter die "Neuen Arbeitswelten" - jedoch mit wirklich altbackenen Exponaten. So riesige Drucker hat jeder Privatverbraucher längst ausgemustert. Die 600 Quadratmeter Fläche werden ab 2017 neu gestaltet und sollen bis 2018 fertig sein.

Modernisierung geplant

Auch im Bereich "Heilen und Pflegen" sieht man, wie sensibel die Besucher moderne Angebote erkennen. In der aktuellen Schau "Back to Balance" zur Rückengesundheit lässt sich eine Familie - vor Spaß kreischend - mal so richtig durchschütteln, während die "alten" Räume nebenan gähnend leer sind. Auch hier will Isenbort den 800 Quadratmeter großen Bereich bis 2020 modernisieren, denn Aspekte wie die "Taylorisierung" der Pflege - also Pflege nach der Stoppuhr - fehlen völlig.

Die Zukunft der Arbeit, ihre Chancen und Gefahren zu zeigen, ist Isenborts großes Anliegen. "Arbeitszeit und Privatzeit fließen immer mehr zusammen", nennt er als Beispiel. Auch Themen wie Digitalisierung, Augmented Reality (virtuelle Realität) und das Büro zuhause, das Home Office, werden wichtig.

Lernen mit Spaß

Doch es kommen viele junge Menschen mit ihren Schulklassen in die Dasa, die "nicht museumsaffin" sind, so Isenbort. "Wir sind keine Einrichtung der Hochkultur", sagt der Dasa-Leiter. "Aber wir vermitteln Werte. Wenn wir das niederschwellig schaffen, haben wir viel erreicht."

Dabei spielen die Mitmachstationen, für die die Dasa bekannt ist, eine zentrale Rolle. Der Chef: "Unser Ziel ist, die Inhalte so klug zu vermitteln, dass sie wirklich ankommen - und zwar über ein gewisses Maß an Spaß."

Teilweise veraltet

Mehr als 100 Stationen gibt es, manche werden von 500 Menschen pro Tag benutzt. Sind sie kaputt, hagelt es Kritik in den sozialen Medien. Das Ziel des Hauses ist, dass 90 Prozent der Stationen funktionieren.

"Der Teufel steckt aber im Detail", seufzt Isenbort. "Manche Rechner laufen noch mit Windows 98." Es sei jedoch allen 65 Mitarbeitern "ein tiefes Bedürfnis, das zu bieten, wofür wir stehen".

Grafisches Leitsystem

Zur letzten Baustelle des Dasa-Direktors: Es ist die Wegeführung durch das Gebäude. Er selbst habe zwei bis drei Monate gebraucht, um sich wirklich gut auszukennen, räumt Isenbort ein. In diesem und im nächsten Jahr wollen er und sein Team ein grafisches Leitsystem einrichten.

Trotzdem zeige die Erfahrung, dass Menschen lieber die Dasa-Mitarbeiter nach dem Weg zur Cafeteria oder dem Zweck einer Maschine fragen. Und das sei auch gut so: "Lernen und Erkenntnis funktionieren am besten durch persönliche Vermittlung."

Dasa Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund, Friedrich-Henkel-Weg 1-25, Mo-Fr 9-17, Sa/So 10-18 Uhr. Sehr zu empfehlen ist die Ausstellung "Die Roboter" (bis 5.9.2016).