Museum Bochum zeigt Julius Bissier

BOCHUM Der deutsche Maler Julius Bissier hat ein sehr heterogenes Werk geschaffen: Frühe gegenständliche Arbeiten, die als Meisterwerke der Neuen Sachlichkeit gelten, stehen neben einem abstrakten Spätwerk, das sich über die Symbolhaftigkeit einer klaren Formensprache und Farbigkeit vermittelt. Das Museum Bochum hat in seiner neuen Ausstellung erstmals alle Phasen des Künstlers auf sehr spannende Weise zusammen gebracht.

von Von Max Florian Kühlem

, 25.07.2008, 17:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
Monotypie von Julius Bissier auf elfenbeinfarbigem Schoellerhammer-Papier aus dem Jahr 1950.

Monotypie von Julius Bissier auf elfenbeinfarbigem Schoellerhammer-Papier aus dem Jahr 1950.

Museumleiter Hans Günter Golinski ist seit Studienzeiten immer wieder auf Bissiers Bilder gestoßen, hat sich immer gefragt: "Wie kommt es, dass jemand so unterschiedlich arbeitet?" Die Antwort fand er in Bissiers konsequenter Beschäftigung mit verschiedenen Richtungen der Kunst, in dessen Selbstzweifeln und Schaffenskrisen, die eine ständige Weiterentwicklung mit sich brachten.

Neue Sachlichkeit

Auch die schlimme Erfahrung der Materialschlacht des ersten Weltkriegs bedeutete einen Schnitt in Bissiers Leben, der ihn zur kühleren Betrachtung der Neuen Sachlichkeit führte. Gemeinsam mit Pedro Riz à Porta, einem Enkel des Künstlers, der auch das Archiv Bissier leitet, stellte Golinski diese Arbeiten in einen assoziativen Dialog mit dem abstrakten Spätwerk.

Metaphysik

Ein immerwährendes Thema des Malers ist das Spirituelle, Geistige, weshalb die Ausstellung den Titel "Der metaphysische Maler" trägt. "In der deutschen Mystik ist Bissier ebenso zu Hause wie in der Alt-Chinas", erklärt Golinski, "in Texten von Mystikern wie Meister Eckhart entdeckte er den Geist des Zen-Buddhismus wieder."

Das Bild vom Heiligen Hieronymus etwa gehe auf einen christlichen Mythos zurück, die Art der Darstellung verweise jedoch auch das alte China - "die Bäume erheben sich wie ornamentale Kalligraphie über der Szene", nennt der Kurator ein Beispiel für Bissiers Wanderung zwischen den Welten. 

Museum Bochum, Kortumstraße 147, Julius Bissier: "Der metaphysische Maler", 27. Juli bis 5. September; Di, Do, Fr, Sa 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr. Führungen sonntags 15 Uhr. Eröffnung: 27.7., 11 Uhr. Katalog: 35  

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