Museen kämpfen gegen Besucherschwund

Freier Eintritt

Im Sommer 2015 startete das Folkwang-Museum Essen einen Versuchsballon. Dank einer Millionenspende der Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung ist für den Besuch der Dauerausstellung bis 2020 der Eintritt frei. Ob solche Angebote dem Besucherschwund regionaler Museen entgegenwirken können, ist jedoch umstritten.

NRW

, 18.11.2016, 16:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Museen kämpfen gegen Besucherschwund

An zwölf Tagen im Jahr ist der Eintritt des LWL Industriemuseums Zeche Zollern frei. Steht gerade kein Aktionstag an, müssen Besucher ohne LWL-Museumscard für den Eintritt zahlen.

Bisher haben 106000 Besucher das Essener Angebot genutzt. Laut Kurt Eichler, Geschäftsführer der Kulturbetriebe Dortmund, ist der Essener Erfolg Vorbild für das Dortmunder Modell.

Das sieht vor, dass ab 2017 mit einer einzigen gekauften Eintrittskarte im Zeitraum von zwölf Monaten fast alle städtischen Museen gratis besucht werden können.

Außerdem wurden die Eintrittspreise für die Dauerausstellungen vom Museum Ostwall im Dortmunder U, dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte und dem Brauereimuseum einheitlich auf 5 Euro (ermäßigt 2,50 Euro) festgesetzt.

"Das Folkwang Museum hat gezeigt, dass über den Gratis-Eintritt neue Zielgruppen erschlossen werden können. "Wir hoffen, dass wir junge Familien ins Museum Ostwall bekommen, die sonst nur andere Museumsangebote wahrnehmen", so Eichler. Zunächst für zwei Jahre soll das Dortmunder Modell greifen.

Attraktiver für Schüler

Ein ähnliches Modell, die LWL-Museumscard, bietet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe schon länger an. Wer 25 Euro für die Karte bezahlt, hat freien Eintritt in alle LWL-Museen sowie in die 14 Häuser des Landschaftsverbandes Rheinland.

Für Besucher unter 18 Jahren bietet jetzt auch die aktuelle Ausstellung "Luther. 1917 bis heute" im LWL-Landesmuseum für Klosterkultur Dahlheim freien Eintritt an. Mit dem Angebot reagiert der Landschaftsverband auf den Rückgang der Museumsbesuche von Schulklassen, erklärt LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Thale.

Dass für immer weniger Schulklassen der Weg ins Museum attraktiv erscheint, habe jedoch nicht mit den Angeboten oder Eintrittspreisen zu tun. "Ausschlag gebend sind andere Faktoren wie die Anbindung der Museen an das Öffentliche Verkehrsnetz oder ein erhöhter organisatorischer Aufwand im Vorfeld", so Rüschoff-Thale.

Breiteres Angebot

Die Museen des LWL werben zudem mit jeweils zwölf freien Eintrittstagen im Jahr um Besucher. "Um dauerhaft auf Eintrittsgelder zu verzichten, fehlt uns das finanzielle Polster. Aktionstage müssen sich gegenfinanzieren lassen. Allein durch Verkäufe im Museums-Shop geht das nicht."

Entscheidend, um die Menschen ins Museum zu bewegen, sei laut Rüschoff-Thale aber nicht der Eintrittspreis, sondern ein breitgefächertes Angebot. "Das Problem ist, dass die Museen ihre Funktion als Kommunikationsort, als Dialogstätte für Kunst und Kultur, aus den Blick verloren haben."