Mordversuch im Rockermilieu: Haben Bandidos auf einen verfeindeten Rocker geschossen?

dzLandgericht Hagen

Im Prozess um Waffen, Drogen und Schüsse auf verfeindete Rocker stehen sechs Bandidos vor Gericht. Die Angeklagten schweigen im Hagener Gerichtssaal. Das wird ihnen vorgeworfen.

Hagen

, 11.08.2020, 07:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vier der sechs Angeklagten sollen zur absoluten Führungsebene des im April 2018 wiedergegründeten Bandidos-Chapter Hagen gehört haben. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um den Präsidenten, den Vize, den sogenannten „Sergeant at Arms“ und dessen späteren Nachfolger.

Unterstützer der Hells Angels kassiert Pfefferspray ins Gesicht

Schon am Tag der Gründung sollen sie mit ihren schweren Harleys aufreizend lässig durch Hagen gefahren sein, um allen anderen zu zeigen: Wir sind jetzt hier, und für euch gibt es in der Stadt keinen Platz mehr. Kurz darauf soll es die ersten Zusammenstöße gegeben haben.

Schon im Juni 2018 schüchterten mehrere Bandidos in einer Hagener Bar einen Mann ein, dessen T-Shirt ihn als Unterstützer der Hells Angels auswies. Nachdem der Höllenengel schließlich eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht bekommen hatte, soll der die Bar geknickt und ohne T-Shirt verlassen haben.

Schüse auf Führungsmitglied der Freeway Riders

Die schwerste Tat ereignete sich dann im September 2018. Die Bandidos warteten am Auto auf ein Führungsmitglied des in Hagen sehr aktiven Motorradclubs Freeway Riders und schossen auf das Fahrzeug, nachdem der andere Rocker losgefahren war. Sonderlich treffsicher waren die Täter aber offensichtlich nicht. Eine Kugel landete in der Stoßstange, die übrigen verfehlten das Auto vollständig. Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat dennoch als Mordversuch. „Die Schützen nahmen den Tod des Fahrers in Kauf“, heißt es in der Anklageschrift.

Bei der Aufklärung der Taten werden die Richter weitgehend auf sich allein gestellt bleiben. Keiner der sechs Angeklagten will sich im Prozess zu den Vorwürfen äußern. Und wohl auch von den Zeugen dürften die wenigen ein Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Justiz haben. Rocker klären Dinge stets unter sich.

Diesen Umstand will Verteidiger Reinhard Peters aber keineswegs als Indiz dafür gewertet wissen, dass es sich bei Rockerclubs um kriminelle Vereinigungen im Sinne des Gesetzes handelt. „Schauen sie sich nur mal die Ultra-Gruppierungen beim Fußball an“, sagte Peters am Montag. Der Prozess wird noch Monate dauern.

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