Mit Schnelltests für Laien die Pandemie stoppen? Sieben wichtige Fragen und Antworten

Coronavirus

Bund und Länder setzen auf den Einsatz von massenhaft Corona-Selbsttests. Ein Überblick, wann und wo es die Tests zu kaufen gibt, was sie kosten und was es beim Gebrauch zu beachten gibt.

Berlin

05.03.2021, 14:15 Uhr / Lesedauer: 5 min
Bund und Länder setzen auf den Einsatz von massenhaft Corona-Selbsttests.

Bund und Länder setzen auf den Einsatz von massenhaft Corona-Selbsttests. © picture alliance/dpa

Bund und Länder wollen die Lockdownmaßnahmen grundsätzlich bis zum 28. März verlängern – und gleichzeitig einige Lockerungen in Aussicht stellen. Dafür braucht es Wissenschaftlern wie denen der No-Covid-Gruppe zufolge zwingend eine intelligente Teststrategie, um möglichst schnell Infektionsketten und Ausbrüche aufspüren zu können.

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So sieht es nun auch die Politik. Die Ministerpräsidenten pochen beim gemeinsamen Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf möglichst schnell vorhandene und vielfach einsetzbare Schnelltests in Schulen. Auch Selbsttests und PCR-Tests sollen für alle Bürger auf einfache Weise zugänglich werden. Was kommt nun wirklich – und was bringt es beim Kampf gegen das Virus?

Was planen Bund und Länder zu wann?

Die nationale Teststrategie wird ausgeweitet. Das hatte Bundesgesundheitsminister Spahn bereits Mitte Februar angekündigt. Neben den neu zugelassenen Selbsttests für Laien sollen alle Bürger Anspruch auf kostenlos von geschultem Personal durchgeführte Schnelltests und PCR-Tests auch bei weniger spezifischen Corona-Symptomen haben.

Ursprünglich war für die Umsetzung der Pläne der 1. März angedacht. Dann hatte man sich auf eine weitere Koordination mit den Bundesländern geeinigt.

Taskforce soll Bestellung organisieren

Laut Teilnehmerangaben während der Ministerpräsidentenkonferenz sollen aber noch nicht ausreichend Schnelltests für die komplette Umsetzung der Strategie zur Verfügung stehen. Es werde über eine Taskforce gesprochen, die die Bestellung für Deutschland organisieren solle, wird die Kanzlerin zitiert. Im März werde es aber noch „eng“.

Die geplanten Regelungen für Unternehmen in der Teststrategie wurden im Vergleich zu einem früheren Papier bereits entschärft. So war nun nicht mehr von einer Verpflichtung für Firmen die Rede, ihren in Präsenz Beschäftigten kostenlose Schnelltests anzubieten.

Vielmehr werde die Bundesregierung mit der Wirtschaft noch diese Woche abschließend beraten. Am Vorabend hatte es unter anderem zu dieser Frage noch Gespräche Merkels mit Spitzenverbänden der Wirtschaft gegeben.

Nach dem Beschlussentwurf soll zudem allen, die noch keine Symptome zeigen, mindestens ein kostenloser Schnelltest pro Woche inklusive einer Bescheinigung über das Testergebnis ermöglicht werden.

Die Kosten soll demnach der Bund übernehmen. Auch die weitere Öffnung der Schulen soll mit Hilfe von Schnelltests flankiert werden. Die Länder sollen demnach sicherstellen, „dass das Personal in Schulen und Kinderbetreuung sowie alle Schülerinnen und Schüler pro Präsenzwoche das Angebot von mindestens einem kostenlosen Schnelltest erhalten“.

Welche Schnelltests gibt es?

Antigenschnelltests mit einem Ergebnis zur Infektiosität nach wenigen Minuten gibt es schon länger auf dem europäischen Markt. Bis vor zwei Wochen durften sie aber nur von medizinisch geschultem Personal durchgeführt werden. Die nun ersten sieben in Deutschland zugelassenen Selbsttests für Laien entsprechen von der Methode her grundsätzlich den bisherigen Antigenschnelltests.

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Anhand bestimmter Virusproteine wird über einen Teststreifen wie bei einem Schwangerschaftstest innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis nachgewiesen. Zwei Striche bedeuten: Eine Person ist Sars-CoV-2-positiv. Ein Strich signalisiert ein negatives Testergebnis.

Bei den Selbsttests wird ein Abstrich im vorderen Nasenbereich entnommen. Auch bei den noch auf der Prüfliste stehenden Selbsttests braucht es einen Nasenabstrich – oder eine Speichelprobe. Neu ist, dass viele der neuen Tests nicht mehr einen Abstrich mit langem Stäbchen benötigen, das unangenehm tief in Nase und Rachen geschoben wird. Auch Gurgeltests sind in der Entwicklung und Prüfung.

Wo und wann gibt es Schnelltests zu kaufen – und zu welchem Preis?

Erste Corona-Schnelltests zur Selbstanwendung sollen am Samstag in Deutschland in den freien Verkauf kommen. Aldi Nord und Aldi Süd kündigten am Mittwoch an, dass Kunden die in Deutschland produzierten Tests dann an der Kasse bekommen können. Zunächst ist die Abgabemenge auf eine Packung pro Kunde begrenzt.

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Eine Packung kostet rund 25 Euro. Sie enthält fünf Tests, deren Ergebnis nach dem Nasenabstrich in 15 Minuten vorliegen soll. Die Erkennungsrate liegt den Angaben zufolge bei 96 Prozent. Auch Discounterkonkurrent Lidl und die Supermärkte von Rewe und Edeka haben das Thema auf dem Schirm. Die Drogeriemarktketten Rossmann und dm wollen mit dem Verkauf am nächsten Dienstag beginnen. Apotheken wollen die Produkte ebenfalls anbieten. Auch online sind solche Tests erhältlich.

Für weitere Schnelltests unter medizinischer Aufsicht sind – sofern sich Bund und Länder über den Einsatz geeinigt haben – auch Testzentren des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Arztpraxen, Zahnärzte und Apotheken im Gespräch. Inzwischen werden sie auch vereinzelt bereits in Schulen oder Unternehmen angewandt – Voraussetzung ist eine Schulung des Personals. An den Kosten will sich der Bund beteiligen.

Was passiert, wenn der Test positiv ausfällt?

Selbsttests kann jeder auch ohne Schulung bei sich zu Hause durchführen. Fällt ein Test positiv aus, muss aber per PCR-Test zur Diagnostik nachgetestet werden, betont das Robert-Koch-Institut. Denn Selbsttests haben eine höhere Fehlererrate als PCR-Tests.

Bei einem positiven Selbsttest soll also zunächst der Hausarzt oder das Gesundheitsamt kontaktiert werden. Wichtig ist es hierbei, dass Betroffene so lange in Quarantäne bleiben, bis das Ergebnis vom PCR-Test bekannt ist.

Wer auch nach der Laboruntersuchung positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurde, muss sich an die Quarantänevorschriften halten, und sich demnach laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mindestens zehn Tage nach Krankheitsbeginn in häusliche Isolierung begeben.

Was bedeutet ein negativer Test?

Bei Selbsttests für den privaten Gebrauch gilt es stets zu beachten, dass auch ein negatives Testergebnis eine Infektion mit Sars-CoV-2 nicht zu 100 Prozent ausschließt. Zum einen, weil die Antigenschnelltests eine größere Virusmenge benötigen, um ein positives Ergebnis anzuzeigen, betont das RKI.

Und zum anderen handelt es sich immer nur um eine Momentaufnahme – schon nach wenigen Stunden könnte der Test ein anderes Ergebnis liefern. Es wäre also falsch, dem Ergebnis des Selbsttests blind zu vertrauen.

Auch RKI-Präsident Wieler betonte, dass es auch bei einem negativen Selbsttest wichtig sei, sich und andere auch weiter durch Abstandhalten, Maskentragen, Hygiene und Lüften zu schützen. Besonders wenn Symptome einer Covid-19-Infektion auftreten oder Kontakt zu einer infizierten Person bestand, sollte eine mögliche Infektion am besten per PCR-Test abgeklärt werden.

Sind Schnelltests für Laien leicht durchzuführen?

Eine oft geäußerte Kritik an der Selbsttestung durch Laien ist die Gefahr, diesen falsch durchzuführen. Einer neueren Studie zufolge kann der Durchschnittsbürger aber sehr wohl mithilfe bildlicher und schriftlicher Anleitung einen Schnelltest durchführen und interpretieren.

Eine Anfang Januar auf dem Preprintserver „medrxiv“ veröffentliche Untersuchung eines Forschungsteams der Berliner Charité und des Universitätsklinikums Heidelberg zeigte das bei 146 symptomatischen Studienteilnehmern, die sich selbst erfolgreich einen Abstrich aus dem vorderen Nasenbereich entnahmen. 80 Prozent der Studienteilnehmer gaben danach an, der Selbsttest sei einfach in der Handhabung.

Die Studie habe zudem gezeigt, dass die am besten ausgefallenen Schnelltests rund 80 Prozent aller Infektionen erkannten, sagte die Infektiologin und Studienautorin Claudia Denkinger bei einem Gespräch mit dem Science Media Center. „Bei hohen Viruslasten werden im Durchschnitt 95 Prozent erkannt“, so die Expertin. Vor einem größeren Einsatz der Selbsttests brauche es aber eine geeignete Prüfstelle, um die Qualität bei den Herstellern sicherstellen zu können.

Kann die neue Teststrategie die Pandemie stoppen?

Virologen wie Sandra Ciesek, Jonas Schmidt-Chanasit und Christian Drosten begrüßen den vermehrten Einsatz geeigneter Schnelltests. „Wenn wir die Zahlen trotz zunehmender Öffnungen verschiedener Bereiche unten halten wollen, können Schnelltests als Selbsttests eine zentrale Rolle spielen“, erklärt auch der Virologe Marco Binder vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Er hält einen möglichst flächendeckenden und regelmäßigen Einsatz von Schnelltests nicht nur in bestimmten Settings wie Schulen und Großraumbüros, sondern auch im Privaten für ein geeignetes Instrument, um nach dem Senken der Infektionszahlen im Lockdown sorgenfreier Lockerungen und mehr Alltag zulassen zu können.

„Aber wir sollten auch nicht zu große Hoffnungen in sie setzen. Sie sind kein Allheilmittel“, sagte er dem RND. Bei noch knapper Verfügbarkeit von Schnelltests seien Schulen und Arbeitsstätten prioritär zu versorgen und optimalerweise zweimal die Woche zu testen. Das werde einen großen Beitrag leisten, um Infektionsketten und akut infektiöse Personen zu erkennen.

„Die Gesundheitsämter können zwar wieder besser die Kontakte nachverfolgen. Aber eben nur von Fällen, die positiv getestet wurden, weil sie klare Symptome zeigten oder aus anderen Gründen ein Anlass zum Test bestand“, erläuterte Binder. Trotzdem werde es weiterhin Infektionen geben, die gar nicht bemerkt werden und so zu einer Verbreitung führen, die nicht nachvollzogen und nicht verhindert werden könnten.

Schnelltests als „zentrales Werkzeug“

„Schnelltests, die jeder ganz einfach zu Hause durchführen kann, können meiner Ansicht nach ein ganz zentrales Werkzeug sein, um dieses Problem in den Griff zu bekommen“, ist sich der Virologe sicher. Voraussetzung ist also aus Expertensicht, dass das Infektionsgeschehen grundsätzlich so niedrig bleibt, dass die Gesundheitsämter einen großen Teil des Aufspürens von Fällen weiter stemmen kann.

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