„Wir werden zukünftig häufiger mit Pandemien zu tun haben“

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Der Kreis Unna wird auch nach dem Coronavirus häufiger gegen Pandemien kämpfen müssen, glaubt Landrat Michael Makiolla. Die Kanzlerin sagte am Dienstag per Videokonferenz mehr Personal zu.

Kreis Unna

, 08.09.2020, 16:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bundeskanzlerin, der Chef des Robert-Koch-Instituts, der Bundesgesundheitsminister und der Ministerpräsident aus Bayern: Es war eine illustre Runde aus Spitzenpolitikern und Gesundheitsexperten, mit denen Michael Makiolla am Dienstag zur Videokonferenz verabredet war.

Der Landrat des Kreises Unna nahm als Vertreter seines Gesundheitsamtes an der Schalte teil, zu der alle bundesweit 380 Gesundheitsämter eingeladen waren.

Lob von der Bundeskanzlerin als „Motivationsschub“ für Mitarbeiter

Angela Merkel nutzte die Gelegenheit, ihren Dank und ihre hohe Wertschätzung für die „ungewöhnliche“ Leistung der Gesundheitsämter in der Bekämpfung der Corona-Pandemie zum Ausdruck zu bringen. Makiolla sprach hinterher von einem „Motivationsschub“ für seine Mitarbeiter, die monatelang „am Anschlag“ und die Wochenenden durchgearbeitet hätten. Zurzeit sei es etwas ruhiger, doch der Herbst und Winter stehen bekanntlich vor der Tür.

Merkel: 5000 zusätzliche Stellen für Öffentlichen Gesundheitsdienst

Merkel hatte jedoch nicht nur warme Worte mitgebracht, sondern überbrachte auch gute Nachrichten. Die Forderung nach mehr Personal für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), die auch im Kreis Unna laut geworden war, wurde in Berlin erhört. 5000 zusätzliche Stellen bis 2026 kündigte Merkel im Zuge des „Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“ an, 4 Milliarden Euro stellt der Bund dafür bereit.

Vier neue Stellen für Kreis Unna bis Ende nächsten Jahres

Der Kreis Unna wird seinen Nutzen aus dem Milliardenprogramm ziehen, laut Makiolla bekommt er 13 zusätzliche Stellen. Vier davon sollen schon bis Ende 2021 geschaffen werden. Dabei geht es nicht nur um Ärzte , sondern auch um die so wichtigen Hygieneaufseher und Verwaltungskräfte, die in der Kontaktnachverfolgung infizierter Menschen eine zentrale Rolle spielen. „Das bringt uns was“, stellte der Landrat am Dienstag zufrieden fest.

Landrat Michael Makiolla (SPD): „Wir tun gut daran, die Instrumente zur Pandemiebekämpfung dauerhaft zu stärken.“

Landrat Michael Makiolla (SPD): „Wir tun gut daran, die Instrumente zur Pandemiebekämpfung dauerhaft zu stärken.“ © Archiv/Heine

Makiolla sicher: Es wird mehr Pandemien geben

Auch wenn sich Corona bis 2026 hoffentlich erledigt hat, ist Makiolla überzeugt, dass dem Gesundheitsdienst die Arbeit nicht ausgehen wird. „Ich bin sicher, dass wir es zukünftig häufiger mit Pandemien zu tun haben werden“, sagte der Landrat, der selbst im Herbst nach 16 Jahren im Amt in den Ruhestand gehen wird.

Die Anzeichen dafür, dass sich Pandemien häufen, würden sich mehren. Makiolla nennt die Globalisierung und Tiere als Überträger von Viren, die etwa durch die Vernichtung des Regenwaldes eher in Kontakt mit Menschen kommen würden. Auch Grippeviren würden seit einigen Jahren aggressiver, die Wellen gefährlicher.

Er sei fest überzeugt davon, dass „wir gut daran tun, die Instrumente zur Pandemiebekämpfung dauerhaft zu stärken“.

Mehr Digitalisierung statt „berittenen Boten“

Neben dem zusätzlichen Personal soll der „Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“ auch mehr Digitalisierung und mehr Attraktivität bringen. Intern, so Makiolla, sei das Gesundheitsamt zwar gut vernetzt, aber in der Zusammenarbeit mit anderen Stellen wie der Kassenärztlichen Vereinigung habe man zuletzt noch auf „berittene Boten“ setzen müssen.

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Und auch um die finanzielle Attraktivität des ÖGD sei es derzeit nicht zum besten bestellt. Mediziner könnten in Krankenhäusern oder niedergelassenen Praxen deutlich besser verdienen, so der Landrat. Die zurzeit dreijährige Ausbildung zum Hygiene-Aufseher müsse vielleicht akademisiert und an den Fachhochschulen angesiedelt werden.

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