"Meistersinger" etwas dunkel, aber dafür live im Internet

DORTMUND "Kinder, schafft Neues" hat Richard Wagner gesagt - und in diesem Sinne beschreiten die Festspiele in Bayreuth neue Wege, um die Werke des Komponisten unter das Volk zu bringen.

von Von Christoph Broermann

, 28.07.2008, 16:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Zum Auftritt der "Meistersinger von Nürnberg", hier auf der Leinwand beim Public Viewing in Bayreuth, gab es auch im Internet eine Live-Schalte.

Zum Auftritt der "Meistersinger von Nürnberg", hier auf der Leinwand beim Public Viewing in Bayreuth, gab es auch im Internet eine Live-Schalte.

So wurde am Sonntag zum ersten Mal eine Aufführung live im Internet per Video-Stream übertragen. Fünfzig Euro kostete der virtuelle Eintritt vom heimischen Computer ins Haus auf dem Grünen Hügel, um dort die Wiederaufnahme von Katharina Wagners "Meistersingern von Nürnberg" mitzuerleben. Ein bisschen elitär durfte man sich auch dabei fühlen, denn es war nur eine limitierte Anzahl Online-Tickets angeboten worden.

Schwarze Ouvertüre

Natürlich fehlte vor dem Monitor das elegante Opern-Flair, und Bild wie Ton könnten noch ein bisschen schärfer und deutlicher eingefangen werden. Auch die meist hilflosen Moderationsversuche von Jochen Kienbaum sind überarbeitungswürdig. Sein Kollege Daniel Finkernagel wirkte da deutlich souveräner. Die besinnliche Dunkelheit des Festspielhauses zu der voluminösen Meistersinger-Ouvertüre war für den Zuschauer am PC eher störend: Ein schwarzer Bildschirm mit einem weißen Maus-Zeiger darauf ist normalerweise kein gutes Zeichen für den Benutzer. Nur die Musik war in diesem Augenblick Garant für die sichere Leitung nach Bayreuth, die auch den ganzen Abend anhielt. Als das Licht dann anging, konnte man sich aber ein gutes Bild von der einfallsreichen, wenn auch gnadenlos ausgebuhten Inszenierung von Katharina Wagner machen und den fulminanten Michael Volle als Beckmesser genießen.

Als Pausenfüller dienten interessante Beiträge über die Festspiele, die auch auf der neuen Homepage des Festivals zu sehen sind. Neben Interviews mit dem Dirigenten Sebastian Weigle und Sängern war besonders die Auskunft eines Hornisten erhellend, wie man denn nach einem solchen Wagner-Abend die Lippen entspanne könne: "Ein kühles Bier trinken oder eine schöne Frau küssen. Vielleicht sogar die eigene."

Fazit: Ein lohnenswerter, anderer Besuch der Bayreuther Festspiele, die sich mit Hilfe der Technik ein wenig mehr der breiten Masse geöffnet haben.

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