Mehr Autorennen, aber keine Raser-Szene im Kreis

dzPolizei

Vier Fälle von illegalen Autorennen meldet die Polizei für den Kreis Borken seit Juni. Seit 2017 gilt die Teilnahme daran als eine Straftat - das hält die Raser aber nicht ab.

von Josef Barnekamp

Kreis Borken

, 15.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Seit Ende Juni 2017 sind illegale Autorennen in Deutschland keine bloße Ordnungswidrigkeit mehr, sondern eine Straftat. Und erst im März dieses Jahres hat ein Gericht ein Urteil gegen zwei Männer bestätigt, die bei einem illegalen Autorennen auf dem Berliner Kudamm einen 69-Jährigen getötet hatten und wegen Mordes angeklagt worden waren.

Das und Bilder von schlimmen Unfällen hält auch im Kreis Borken den ein oder anderen, zumeist jungen Autofahrer nicht davon ab, sein Leben und das anderer Menschen bei Rennen und PS-Vergleichen auf öffentlichen Straßen zu riskieren. Allein in den vergangenen vier Wochen sind der Polizei im Kreis Borken vier Fälle bekanntgeworden, in denen offenbar illegale Autorennen stattfanden. Schwerpunkte waren der Bereich Bocholt/Rhede und Gronau.

Rennen in Bocholt, Rhede und Gronau

In zwei Fällen endete die Fahrt letztlich mit einem Unfall. Bei einem Unfall Anfang Juni in Bocholt blieb es beim Sachschaden, als ein Beteiligter in eine Leitplanke krachte. Ende Juni verlor ein 29-Jähriger bei einem Rennen in Rhede die Kontrolle über seinen Pkw, überfuhr eine Mittelinsel, touchierte eine Straßenlaterne, durchbrach eine Grundstücksmauer und kam erst in einem Vorgarten zum Stillstand. Er wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht. Auch Anfang Februar endete ein illegales Autorennen in Bocholt mit einem Unfall und Sachschaden.

„Zum Glück sind das nur Einzelfälle“, sagt dazu Frank Rentmeister, Sprecher der Kreispolizeibehörde. Eine regelrechte „Szene“, wie es sie andernorts, zumeist in Großstädten gibt, gebe es im Kreis Borken nicht. Das sei auch der Grund, weswegen es – trotz der offenbar zunehmenden Zahl von Fällen im Kreisgebiet – keine Schwerpunktkontrollen gegen solche Raser im Kreis Borken gibt.

„Keine Szene im Kreis Borken“

Ungeachtet dessen ist Rentmeister froh, dass der Gesetzgeber Teilnehmer an illegalen Autorennen drastische Strafen androht. So gilt jetzt grundsätzlich, dass jene, die aufgrund eines illegalen Autorennens verurteilt werden, in der Regel auch ihren Führerschein los sind – und das oft für längere Zeit. Auch kann das Tatfahrzeug eingezogen werden. Zudem droht eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahre oder eine Geldstrafe, wenn jemand „ein illegales Autorennen ausrichtet oder durchführt, daran teilnimmt oder mit nicht angepasster Geschwindigkeit grob verkehrswidrig und rücksichtslos fährt, um eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erreichen“, wie es im Gesetzestext heißt. Wer als Teilnehmer dabei „Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet“, kann bis zu fünf Jahre Haft aufgebrummt bekommen.

Weil es mitunter schwierig ist, den Rasern ihre Taten nachzuweisen, sei die Polizei auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen, betont Rentmeister. So seien möglichst genaue Zeugenaussagen nötig. Sehr hilfreich könnten auch Videos und Fotos von solchen Rennen sein, wie sie mitunter über soziale Medien verbreitet würden. „Das kann ein gutes Beweismittel sein“, sagt Rentmeister. Er betont, dass es wichtig sei, sich nicht erst zu melden, wenn schon was passiert sei. „Auch wenn sich ein Rennen anbahnt, sollte man die Polizei anrufen.“

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