Mega-Andrang in Fahrradgeschäften - Händler Witteler kennt die Gründe

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Mit dem Rad in den Sommerferien die Heimat erkunden als Alternative zum geplatzten Urlaub im sonnigen Süden? Keine schlechte Idee, die allerdings an einem zentralen Punkt scheitern könnte.

Nordkirchen

, 12.05.2020, 14:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Konkrete Zahlen möchte Kai Witteler vom gleichnamigen Fahrradgeschäft in Nordkirchen (Lüdinghauser Straße) nicht nennen. Wohl aber die Tendenz. Die gesamte Branche erlebe aktuell einen starken Boom. Auch das eigene Geschäft profitiere davon, räumt der 42-jährige Unternehmer ein. Er spricht von einem „Mega-Andrang“.

Die Gründe liegen auf der Hand. Fahrradfahren ist in diesen Tagen so angesagt wie lange nicht mehr. Immer stärker auch in europäischen Großstädten. Die dänische Hauptstadt Kopenhagen hat sich bereits vor Jahren auf den Weg zur fahrradfreundlichen City gemacht. In der Coronakrise vollzieht die belgische Stadt Brüssel nicht weniger als eine „Verkehrs-Revolution“.

Europäische Großstädte geben Rädern Vorrang

Ab 1. Mai gilt in großen Teilen der Innenstadt von Brüssel eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h - und zwar für Autos, Busse und Bahnen. Gleichzeitig dürfen Fußgänger und Fahrradfahren fast überall fahren beziehungsweise gehen. Die Prioritäten sind komplett verschoben. So weit ist noch keine deutsche Großstadt, doch die Richtung in ähnlich.

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Für einen starken Schub hat der Gesetzgeber gesorgt. Viele Jahre Jahre gab es steuerliche Vorteile nur für Dienstautos. Jetzt gewährt der Staat auch steuerliche Anreize beim Dienstfahrrad. Dabei besorgt der Arbeitgeber das Rad und überlässt es dem Arbeitnehmer - in der Regel für eine dienstliche und private Nutzung. Mit der Folge, dass immer mehr Räder geleast werden.

„Von zehn Pedelecs sind es aktuell vier bis fünf Räder“, sagt Kai Witteler. Das habe zur Folge, dass „die Käuferschaft immer jünger wird. Als Händler verkauft man eher ein Rad für 3000 Euro als für 1000.“ Doch Kai Witteler und andere Händler haben ein Problem. Es noch nicht einmal Sommer - und viele Modelle sind bereits ausverkauft.

Viele Händler warten auf neue Fahrräder aus Asien

Zu der stark gestiegenen Nachfrage kommt, dass die Lieferanten in der Coronakrise ihre Termine oft nicht einhalten können. Wie auch andere Dinge werden auch viele Fahrräder in Asien produziert. Was tun, wenn sich jetzt nicht das „richtige“ Rad beim Händler findet?

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Eine Option ist auf jeden Fall, dass in den vergangenen Jahren vielleicht wenig genutzte eigene Rad auf „Vordermann“ zu bringen. Leichter gesagt als getan. Viele Rad-Werkstätten sind auf Wochen hinaus ausgebucht. Bei Kai Witteler ist im Mai kein Termin zu bekommen. „Wir sind bei Reparaturen dann schon im Juni.“

Bleibt die Frage, ob im fahrradfreundlichen Münsterland weitere Weichen für eine stärkere Fahrradnutzung gestellt werden. Zu tun gibt es dabei mehr als genug. Noch immer gibt es wichtige Verbindungen zwischen Orten (wie zwischen Nordkirchen und Selm) ohne Fahrradweg.

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