Medienkunst stellt Urheberrechtsfrage

DORTMUND Mondrians rechteckige Farbflächen entdeckt man in der Ausstellung des Dortmunder Medienkunstvereins hartware, Andy Warhols Blumen leuchten 15-fach von der Wand. Und über die Leinwand flimmert Walt Disneys "Dschungelbuch".

von Von Julia Gaß

, 17.07.2008, 18:11 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Vollagen aus Zeichentrick-Figuren auf der Leinwand sind in der hartware-Ausstellung auch verfremdet.

Die Vollagen aus Zeichentrick-Figuren auf der Leinwand sind in der hartware-Ausstellung auch verfremdet.

Medienkunst? Es ist "geklaute Kunst" - 28 Künstler spüren in der Phoenixhalle "Kunst im Zeitalter des Geistigen Eigentums" nach, das heißt sie setzen sich mit Urheberrechten auseinander.

Die Blumen von Andy Warhol - jeder kennt sie. Aber sie sind streng genommen "geklaut". Von Fotografien. Wem gehört jetzt das Urheberrecht? Cornelia Sollfrank klärt das in einer Videoinstallation, in der vier Anwälte zu Wort kommen. "Was Kunst ist oder nicht, entscheiden die Richter", sagt einer. Sollfrank hat eine Internetsuchmaschine entwickelt, die Warhols Blumen sucht und zu neuen Bildern collagiert (http://net.art-generator.com). 15 Drucke sind in der Halle zu sehen. Nebenan hängen die Mondrian-Rechtecke vom Amerikaner Walter Benjamin.

Meinungsfreiheit

Zentrum der Schau ist die Rauminstallation des Spaniers "Der Turm des öffentlichen Wissens", in der er mit zwei C-förmigen (C für Copyright) Schaltern eine Bibliothekssituation nachgebaut hat. Fotokopien liegen auf dem Tisch, der Boden ist mit Logos von Firmen gepflastert.

Viele kuriose Dinge sehen die Besucher - von einer Dokumentation eines Rechtsstreites über einen Aufsitzrasenmäher über Musik- und Softwarekopien, Bildschirm-Prints bis zum Zertifikat eines Amerikaners, der sich 1998 für 253 Dollar das Recht auf den Begriff "Meinungsfreiheit" sicherte. Pierre Bismuth zeigt Disneys "Dschungelbuch", und jedes Tier spricht eine andere Sprache. Zeichnungen der Figuren aus vielen Ländern komplettieren die Utopie von einer globalen Völkerverständigung.

"Arbeit 2.0"

Die Ausstellung ist Teil des Projektes "Arbeit 2.0", das hartware mit dem Berliner Partner "iRights", Journalisten, die sich mit Urheberrecht beschäftigen, entwickelt hat. Entstanden ist ein Triptychon aus Ausstellung (bis 19.10.), Internetseite und Tagung (26.-29.9. in der Phoenixhalle).

Phoenixhalle, Hochofenstraße, Dortmund: "Kunst im Zeitalter des Geistigen Eigentums", 19.7. bis 19.10., Do/Fr 11-22 Uhr, Sa/So 11-20 Uhr.

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