Masken-Kontrollaktion in NRW: Viele jüngere Menschen ohne Maske unterwegs

Coronavirus

Viele Menschen scheinen noch immer nicht die Regel der Maskenpflicht verinnerlicht zu haben: Das hat die große Masken-Kontrollaktion in NRW gezeigt.

Essen/Dortmund

24.08.2020, 21:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bei einer groß angelegten Aktion haben am Montag die Behörden in NRW die Einhaltung der Maskenpflicht kontrolliert.

Bei einer groß angelegten Aktion haben am Montag die Behörden in NRW die Einhaltung der Maskenpflicht kontrolliert. © picture alliance/dpa

Um kurz vor 12 Uhr ist die Bundespolizei an diesem Montag im Essener Hauptbahnhof noch gnädig: Ein Beamter weist eine ältere Dame im Eingangsbereich auf den fehlenden Mundschutz hin. Schnell setzt sie ihn auf - und er geht weiter.

Landesweite Kontrollen der Maskenpflicht

150 Euro Bußgeld - eigentlich ohne Vorwarnung - drohen seit dem 12. August in Nordrhein-Westfalen dem, der in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Bahnhöfen und an allen Haltestellen keine Mund-Nase-Bedeckung trägt.

Bei einer groß angelegten Aktion haben am Montag die Behörden unter Federführung des NRW-Verkehrsministeriums landesweit die Einhaltung der schon seit Ende April geltenden Maskenpflicht kontrolliert.

Etwa im Dortmunder Hauptbahnhof: Bundespolizei, Ordnungsamt und Deutsche Bahn sind am Montagmittag unübersehbar mit vielen Dutzend Mitarbeitern in Uniformen vor Ort im Fußgängertunnel und in der Halle. Trotzdem scheinen einige Menschen die Regel noch nicht verinnerlicht zu haben: Immer wieder halten Kontrollteams meist jüngere Menschen an, die ohne Maske unterwegs sind.

„Der überwiegende Teil hat eine Maske auf"

Polizisten nehmen Personalien auf. Später werden sie an das Ordnungsamt weitergeleitet, das dann gegebenenfalls ein Bußgeldverfahren einleitet. Ein Mann ohne Maske zeigt den Beamten ein ärztliches Attest. Auch das wird überprüft - mit einem Anruf in der Arztpraxis. Seit im Internet Formulare zum Selbstausfüllen auftauchten, ist die Polizei skeptisch, sagt ein Sprecher der Bundespolizei. An den Bahnsteigen ist die Lage ruhiger.

„Alle Fahrgäste hatten Masken auf“, sagt Kundenbetreuer Sebastian Grewer (28) von der Nordwestbahn, der gerade in Essen in einem Zug der Linie RE14 die Fahrscheine kontrolliert hat. Das entspreche auch seiner sonstigen Erfahrung: „Der überwiegende Teil hat eine Maske auf - zumindest wenn ich vorbeilaufe“, sagt er. Manchmal gebe es aber auch Ärger. „Die Leute wollen sich das von uns nicht sagen lassen.“ Unter Umständen werde dann auch die Polizei gerufen, sagt Unternehmenssprecherin Karin Punghorst.

Auf zwei Fahrten zwischen Essen und Dortmund haben an diesem Montag augenscheinlich fast alle Fahrgäste eine Maske auf - und ordnungsgemäß auch über die Nase gezogen. Nur ein Mann trägt den Schutz in seiner Hemdtasche - einem Schild „Das trägt man jetzt“ auf einer Trennscheibe gegenüber zum Trotz.

„In den letzten Wochen ist die Zahl der Masken-Muffel gestiegen“

Der Zugbegleiter, der auch bei Abellio Kundenbetreuer heißt, berichtet, dass Fahrgäste ohne Maske der Bitte nachkämen, „wenn man es sagt“: „Die sind alle kooperativ.“ Geht so, findet Abellio-Sprecherin Julia Limia y Campos: „Gerade in den letzten Wochen ist die Zahl der Masken-Muffel gestiegen.“ Von daher begrüße man die Aktion. Nach ihren Angaben ist angedacht, dass es noch weitere Schwerpunktkontrollen gibt.

„Der ÖPNV ist auch mit Blick auf Corona ein sicheres Verkehrsmittel, wenn alle sich an die Regeln halten“, hatte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) im Vorfeld gesagt. „Es wäre gut, wenn kein einziges Bußgeld erhoben würde.“

176 Maskenverweigerer wurden erwischt

Angesetzt waren die Kontrollaktionen in den Hauptbahnhöfen in Bielefeld, Siegen, Köln, Bonn, Aachen, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Münster. Nach knapp vier Stunden eine erste Bilanz: 176 Maskenverweigerer wurden erwischt. Wie viele Bußgeldverfahren eingeleitet werden, steht erst an diesem Dienstag fest. Weitere Kontrollen dieser Art seien in Planung.

Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ hatte die angekündigte Großkontrolle begrüßt und gleichzeitig „Augenmaß“ gefordert. „Es sollte nicht darum gehen, eine ältere Dame zu kontrollieren, die alleine an der Haltestelle sitzt.“ Die SPD hatte die Großkontrolle als „Show-Veranstaltung“ kritisiert. „Es reicht nicht, nur einmal mit großem Tamtam medienwirksam auf Streife zu gehen“, hatte SPD-Fraktionschef Thomas Kutschaty gesagt.

dpa/Helge Toben und Frank Christiansen

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