Mann ließ sich von Kindern Nacktbilder schicken - Urteil gefallen

dzDortmunder Landgericht

Ein Mann gibt sich im Internet als lesbisches junges Mädchen aus und lässt sich Nacktbilder schicken. Jetzt steht das Urteil fest - doch der Fall ist noch nicht abgeschlossen.

von Martin von Braunschweig

Hamm

, 09.07.2020, 17:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der 39-jährige Angeklagte hatte im Prozess gestanden, sich auf verschiedenen Dating-Plattformen im Internet als lesbisches zwölfjähriges Mädchen namens Jenny ausgegeben und so Kontakt zu Kindern in ganz Deutschland geknüpft zu haben. Hatte er sich erst einmal das Vertrauen eines Mädchens erschlichen, forderte er es auf, ihm Fotos oder Videos zu schicken. Darauf sollten die Kinder natürlich nackt sein und sich selbst an intimen Stellen berühren.

Zwölfjährige Schülerin ging auf die Bitten immer wieder ein

Vor allem eine zwölfjährige Schülerin ging auf die Bitten ihrer angeblichen Freundin Jenny immer wieder ein. Einmal holte sie sogar ihre achtjährige Cousine dazu und nahm mit dieser zusammen ein Nacktvideo auf.

Irgendwann hatte eines der Mädchen jedoch keine Lust mehr, das perfide Spiel weiterzuspielen. Und zum Glück ging die Schülerin auch nicht auf die Drohung des 39-Jährigen ein, dann werde er jetzt eben alle bisherigen Bilder nehmen und an ihrer Schule herumzeigen. Stattdessen ging das Mädchen erst zu den Eltern und dann zur Polizei. Bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung bei dem Mann in Hamm stellten die Ermittler dann zahlreiche weitere Kinderporno-Dateien sicher, die der Mann aus dem Internet heruntergeladen haben muss.

Fall ist noch nicht abgeschlossen

In der Urteilsbegründung am Donnerstag musste der Vorsitzende Richter Ulf Pennig tief schlucken, als er mit wenigen Worten wiedergab, was auf den Bildern und Videos zu sehen ist. Darauf seien Kleinkinder zu erkennen, denen abscheuliche Dinge angetan würden, sagte er. Pennig: „Das sind genau die Art von Bildern und Videos, die bei der aktuellen Diskussion über härtere Strafen gemeint sind.“

Mit dem Urteil ist der Fall des 39-jährigen Hammers übrigens noch nicht abgeschlossen. Der Polizei liegen noch zahlreiche weitere Chatverläufe mit anderen Kindern vor, die zurzeit intensiv ausgewertet werden. „Es ist gut möglich, dass es danach zu einer neuen Anklage und zu einem weiteren Prozess kommt“, sagte Richter Pennig am Donnerstag. Dem Angeklagten attestierte er eine „ausgeprägte pädophile Neigung“.