Mann gesteht grausamen Mord: „Ich habe gerade meine Frau umgebracht.“

dzLandgericht Essen

Nach 52 Ehejahren taucht ein Rentner bei der Polizei auf und sagt: „Ich habe gerade meine Frau umgebracht.“ Die Polizei lässt den Mann erstmal warten. Doch es gab wirklich eine grausame Tat.

Essen

, 18.05.2020, 13:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es muss die erste große Liebe gewesen sein. Sie war erst 16, als ihr Mann sie zum Standesamt führte. Jetzt ist die Frau aus Essen tot. Grausam umgebracht, nach 52 Ehejahren. Der mutmaßliche Täter ist ihr Mann. Seit Montag steht er vor Gericht – und schweigt. Die Anklage lautet auf Mord.

Es war 8.18 Uhr, als der 73-Jährige das Essener Polizeipräsidium betrat. „Seine Kleidung war voller Blut“, erinnerte sich einer der Polizisten im Prozess. „Außerdem hatte er Kratzer am Hals und an den Händen.

Polizei ließ Angeklagten erstmal warten

Aufgeregt war der Rentner nicht. Im Gegenteil. Er ging in aller Ruhe auf den diensthabenden Beamten zu und sagte: „Ich habe gerade meine Frau umgebracht.“ Dann übergab er Schlüssel und Papiere, setzte sich auf eine Bank und wartete.

15 bis 20 Minuten soll er dort nach Angaben des Beamten gesessen haben. Dann kam ein Kollege von der Kripo und schickte sofort einen Wagen zur Anschrift des Angeklagten. Warum das nicht sofort passiert ist, ist unklar. Dem 73-Jährigen wurden nicht mal Handschellen angelegt.

Mit einer Weinflasche zugeschlagen, dann gewürgt

Später, bei seiner Vernehmung, erzählte er, was passiert ist. „Er hat mir gesagt, dass er seine Frau erschlagen hat – mit einer Weinflasche“, so einer der Polizisten. Die Frau habe noch im Bett gelegen, als er zuschlug. Auf den Kopf und auf den Körper. Dann habe er sie gewürgt, bis sie ruhig war. „Um das Ganze abzuschließen, ist er dann noch in die Küche gegangen, hat ein Messer geholt und zugestochen.“

Angebliches Motiv: Angst vor Obdachlosigkeit

Das Motiv? Die 68-Jährige wollte sich offenbar trennen, hatte schon eine eigene Wohnung. „Er hatte Sorgen, dass er mit seinem Leben dann nicht mehr klar kommt“, so der Vernehmungsbeamte im Prozess. „Dass er keine finanziellen Mittel mehr hat und obdachlos wird.“ Außerdem soll Eifersucht im Spiel gewesen sein. „Er hatte die Vermutung, dass seine Frau in Holland jemanden kennengelernt hat.“

Im Prozess droht lebenslange Haft

Für das Opfer kam jede Hilfe zu spät. Die Frau war noch am Tatort – einer Wohnung in der denkmalgeschützten Siedlung „Margaretenhöhe“ in Essen – verstorben. Sie war so stark gewürgt worden, dass sogar der Kehlkopf brach. Außerdem hatte sie durch die Schläge auf den Kopf sehr viel Blut verloren. Die Stiche mit dem Messer waren laut Anklage gar nicht mehr erforderlich, um die 68-Jährige zu töten.

Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes droht dem Angeklagten lebenslange Haft. Mit einem Urteil ist voraussichtlich Ende Juni zu rechnen.

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