Lust am Schabernack zum Abschluss des Klavier-Festivals Ruhr

BOCHUM Was macht ein Trompeter beim Klavierfestival? Ganz einfach: Er schafft die hochklassigen Pianisten heran. Tatsächlich stand Till Brönner, der mittlerweile zum Megastar des populären Jazz avanciert ist, beim Abschlusskonzert der erfolgreichen Konzertreihe eher im Hintergrund.

von Von Max Florian Kühlem

, 27.07.2008, 15:16 Uhr / Lesedauer: 1 min
Pianist Dado Moroni und Trompeter Till Brönner im Duett beim Abschlusskonzert des Klavierfestivals Ruhr in Bochum.

Pianist Dado Moroni und Trompeter Till Brönner im Duett beim Abschlusskonzert des Klavierfestivals Ruhr in Bochum.

"Till Brönner and his piano friends" stellte am Samstag in der Bochumer Jahrhunderthalle eine Neuauflage des fast schon legendären Konzerts in der Hattinger Henrichshütte vor zwei Jahren dar. Das Prinzip - drei von Brönner geladene Pianisten spielen mit der famosen Rhythmusgruppe aus Dieter Ilg und Wolfgang Haffner erst allein, dann mit dem Trompeter und dann alle zusammen - ging auch in diesem Jahr voll auf.

Gespür für Talente

Was offenbar daran liegt, dass Brönner, der sein eigenes Talent mehr und mehr durch sehr massentaugliche Aufnahmen verwässert, ein gutes Gespür für Klavier-Talente hat. Schon in den Trio-Sets bewiesen sich diese als wahre Meister ihrer Zunft: Der an der Kölner Musikhochschule ausgebildete Olaf Polziehn führte überzeugend vor, dass seine musikalische Heimat ganz woanders liegt: In der amerikanischen Jazztradition, die im American Songbook festgeschrieben ist. Eher dem europäischen Jazz verschrieben ist Leszek Mozdzer - in Polen längst bekannt wie ein bunter Hund. Wundervoll nicht nur anzuhören, sondern auch anzusehen war sein Anschlag: Unglaublich fein und grazil streicht er über die Tasten und zaubert so einen klaren, feinen, warmen Ton und bewegt sich mit ihm zwischen nordischer Kontemplation und osteuropäischer Ekstase.

Sternstunde des Jazz

Das Publikum endgültig in Verzückung brachte Mozdzer im Duett mit Dado Moroni, dem Pianisten, der schon als 14-Jähriger die italienische Jazzszene aufgemischt hat. In ihren Variationen über Coltranes "Giant Steps" begegneten sie sich mit überbordender Spielfreude, mit der Lust am Schabernack und der Leidenschaft für das Schwelgen in schönen Melodien. Ihre Begegnung war so nicht nur eine Sternstunde des Klavierfestivals, sondern auch eine Sternstunde des Jazz.

Till Brönner gab am Abend vor allem den charmanten Conferencier und ließ nur in wenigen Stücken - etwa dem fulminanten "The Eternal Triangle" am Schluss - seine präzise Beherrschung der Trompete aufblitzen. Gefehlt hat trotzdem nichts - ein rundum gelungener Abend.

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