Luke Wenzel (9) aus Nordkirchen backt für Senioren, um sie in der Coronakrise aufzuheitern

dzSeniorenhaus Nordkirchen

Mit einer süßen Überraschung hat Luke Wenzel (9) den Bewohnern des Seniorenhauses in Nordkirchen in Corona-Zeiten eine Freude bereitet. Über 100 Muffins hat der Grundschüler ihnen gebacken.

Nordkirchen

, 26.03.2020, 14:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diese Überraschung wird den Bewohnern und den Mitarbeitern des Seniorenhauses im Nordkirchener Mühlenpark noch lange in Erinnerung bleiben. Um den Senioren eine kleine Freude zu bereiten, hat der neunjährige Luke Wenzel Muffins gebacken. Sehr viele Muffins. Diese großzügige Geste begeistert nicht nur die Menschen im Seniorenhaus, auch im Internet wird Luke dafür gefeiert. Und der Neunjährige selbst muss das viele Lob jetzt erst einmal verarbeiten.

Eigentlich ist Luke, der die Mauritiusschule besucht, sehr aktiv, wie seine Mutter Daniela (33) am Telefon erzählt. „Er muss immer Action haben“, sagt Daniela Wenzel. Luke spielt Fußball beim FC Nordkirchen, trifft gerne seine Freunde.

Kein richtiger Ersatz für die Freunde

Das alles geht im Moment nicht - wegen des weitreichenden Kontaktverbots, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, muss sich Luke die Zeit zu Hause vertreiben. „Da hat er im Moment nur Mama, Papa und seinen älteren Bruder“, sagt Daniela Wenzel. Das könne zwar einen Teil ausgleichen, aber ein richtiger Ersatz für den normalen Alltag sei es nicht.

Jetzt lesen

Die 33-Jährige arbeitet als Reinigungskraft im Seniorenhaus. Vor ein paar Tagen habe ihr jüngster Sohn sie gefragt, wie es den Bewohnern dort zurzeit gehe. Wie schwierig es sein kann, wenn man kaum noch soziale Kontakte hat, musste Daniela Wenzel ihrem Sohn nicht lange erklären.

Knapp fünf Stunden lang hat Luke in der Küche gebacken. Den Teig hat er selbst gemacht, seine Mutter hat nur bei der Bedienung des Ofens geholfen.

Knapp fünf Stunden lang hat Luke in der Küche gebacken. Den Teig hat er selbst gemacht, seine Mutter hat nur bei der Bedienung des Ofens geholfen. © Daniela Wenzel

Luke habe sie direkt gefragt, wie man den Senioren eine Freude machen könne. Beide überlegten sich, dass Kuchen sicher eine schöne Aufmerksamkeit wäre. „Ich bin Hobbybäckerin und Luke hilft oft mit beim Backen“, erklärt Wenzel. Gesagt, getan: Am Mittwoch machten sich Luke und seine Mutter an die Arbeit, um für die Bewohner des Seniorenhauses Muffins zu backen. Insgesamt 124 Stück. Immerhin sollte jeder der über 80 Senioren einen Muffin abbekommen. Knapp fünf Stunden haben Mutter und Sohn in der Küche verbracht. „Der Ofen lief im Dauerbetrieb“, sagt Daniela Wenzel und lacht. Sie selbst habe nur beim Bedienen des Ofens geholfen, den Rest habe Luke alleine gemacht.

"Der Ofen lief im Dauerbetrieb", sagt seine Mutter Daniela.

"Der Ofen lief im Dauerbetrieb", sagt seine Mutter Daniela. © Daniela Wenzel

Einen Tag später brachte Daniela Wenzel die Muffins dann morgens mit ins Seniorenhaus. Die Reaktion dort: überwältigend. „Ich hatte ein Tränchen im Auge“, sagt Silke Hagemann, Hauswirtschaftsleitung des Seniorenhauses. „Luke hat wirklich alles gegeben“, lobt sie das Engagement des Neunjährigen. Eine solche Geste sei für das Seniorenhaus nicht alltäglich, erklärt Hagemann.

Allerdings stelle sie gerade fest, dass zurzeit auch andere Menschen an die Bewohner des Seniorenhauses denken. „Letzte Woche hat eine Dame einen großen Blumenstrauß vorbeigebracht“, erzählt Hagemann. Die Frau sei keine Angehörige gewesen, sondern wollte den Bewohnern einfach eine Freude bereiten.

Jetzt lesen

Für die Seniorenhaus-Bewohner sei die derzeitige Situation keine leichte. Manche würden besser damit zurechtkommen, ihre Familien seltener zu sehen, andere hätten größere Probleme damit, beschreibt Hagemann. Die Mitarbeiter würden versuchen, so gut es geht, die Bewohner aufzubauen. „In den Arm nehmen geht ja leider nicht“, erklärt sie. Ein aufbauendes Wort und ein Lächeln würden oft aber auch schon helfen.

Diesen Brief hat Luke der Muffin-Überraschung beigelegt.

Diesen Brief hat Luke der Muffin-Überraschung beigelegt. © Silke Hagemann

Und auch für den Familien-Besuch gibt es mittlerweile eine bewährte Variante, die ohne direkten Kontakt funktioniert. Viele Angehörige würden sich ankündigen und ihre Eltern oder Großeltern dann vom Hof des Seniorenhauses aus treffen. „Wir bringen den jeweiligen Bewohner dann zum Balkon oder Fenster, damit er seine Familie unten auf dem Hof sehen kann“, erklärt Hagemann.

Die Senioren freuten sich am Donnerstagnachmittag über die Muffins

Die Senioren freuten sich am Donnerstagnachmittag über die Muffins © Silke Hagemann

Auch Luke habe sich schon wieder Gedanken gemacht, wie er den Senioren den Tag versüßen kann, verrät seine Mutter. „Er kam direkt an und hat gefragt, ob die Senioren zu Ostern denn wieder Besuch empfangen können.“ Weil die Antwort „Nein“ war, würde Luke schon über das nächste Projekt grübeln.

Sehen und Hören:
Seit diesem Donnerstag hat das Seniorenhaus ein sogenanntes „Corona-Telefon“. Dank eines Tablets können die Bewohner via Facetime/Videochat mit ihren Lieben telefonieren und sie gleichzeitig sehen. Unter der Rufnummer (02596) 4790931 ist dieses Telefon zu erreichen.
Lesen Sie jetzt