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Haben oder Nicht-Haben

LÜNEN Die Spreizung der Gesellschaft in Oben und Unten, Arm und Reich, birgt sozialen Zündstoff: Diese Meinung vertrat am Mittwochabend im St. Georg-Gemeindesaal eine Expertenrunde. Thema: "Die Wiederkehr der Unsicherheit."

von Von Karl-Heinz Knepper

, 29.11.2007
Haben oder Nicht-Haben

Experten-Podium mit (v.l.:) Dr.Kock, Sabine Alker, Friedrich Stiller, Dr. Oliver Klug und Pfarrer Hans Höroldt.

Reizwort Prekariat (nur befristet und nicht vollbeschäftigte Abeitnehmer). Reizwort soziale Ausgrenzung und fehlende Teilhabe an Wohlstand und gebührendem Einkommen.

Veranstalter war der Arbeitskreis Kirche und Gewerkschaft. Sozialforscher Dr. Klaus Kock (Universität Dortmund) holte sofort den Horror-Hammer raus: 33 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland stünden nicht in einer unbefristeten Vollbeschäftigung.

7,8 Millionen gingen einer Teilzeit nach. Die auch Globalisierungs-bedingte Abkehr vom traditionellen Beschäftigungsverhältnis der Arbeitnehmer - stetig, verlässlich, gut - sei Trend. Arbeitsverträge von gestriger Verlässlichkeit gehörten unwiederbringlich der Vergangenheit an.

"Diese Prekarität derer, die nicht teilhaben an regelmäßige und ausreichendem Einkommen, sorgt für Unsicherheit, fehlende Planungsfähigkeit und den Verlust von Lebensqualität", so Sozialforscher Kock. 4,1 Millionen Menschen in Deutschland arbeiteten nur befristet.

Strukturen im Wandel

Ob Mini-Jobs, Teilzeit oder Leiharbeit: Alles seien Merkmale einer gewandelten Beschäftigungsstruktur in dieser Gesellschaft. Schmerzhafte Brüche in Lebensbiographien seien die Folge. Auf dem Podium traf man unterschiedliche Positionen und interessantes Personal: Sabine Alker (Landesbezirkssekretärin der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten) warb heißblütig für die Einführung von Mindestlöhnen als Gewährleistung für einen würdigen Lebensstandard der Arbeitnehmer. "Wenn ich in manche Betriebe komme, stoße ich teilweise auf eine unerträgliche Hilf- und Sprachlosigkeit von Leuten, die sich für einen Hungerlohn krumm machen müssen." Dr. Oliver Klug (Geschäftsführer beim Arbeitgeberverband Groß- und Außenhandel) hielt dagegen, dass sein Verband gegen Mindestlöhne sei, weil sie erstens einen Eingriff in die Tarif-Autonomie darstellten und zweitens das Tarif-Gefüge verschieben würden.

Diakonie-Pfarrer Hans Höroldt aus Unna richtete den Fokus auf die Würde des Menschen, der mehr sei als Kostenstelle und Produktivitätsfaktor. Eine Gesellschaft, die den Menschen entehre, erdrücke sich selbst.

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